Céline-Neuauflage: Sein Gift war echt


Der französische Schrifsteller und Arzt Louis-Ferdinand Celine. ©Picture-Alliance
Nach über siebzig Jahren sollen Louis-Ferdinand Célines antisemitische Pamphlete in einer neuen Ausgabe beim Pariser Verlagshaus Gallimard erscheinen. Es regt sich Widerstand.#

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine

Louis-Ferdinand Céline, eigentlich Louis Destouches, Ambulanzarzt in einem Arbeiterviertel von Paris, betrat 1932 mit einem fulminanten pazifistischen Roman die literarische Bühne. Einen solchen Ton hatte man noch nicht gehört, da zerlegte ein Autor kunstvoll kunstlos die guten sprachlichen Sitten, mischte das wohlgesetzte Französisch mit unreinen Anteilen des mündlichen Gebrauchs auf und kümmerte sich kaum um Dezenz in seinen Beschreibungen einer durch den Ersten Weltkrieg ihrer Heillosigkeit überführten bürgerlichen Gesellschaft. Der Erfolg der „Reise ans Ende der Nacht“ war durchschlagend, bei Kritikern links wie rechts: Ein Unbekannter war mit einem Sprung literarisch in der ersten Reihe angekommen.

Abzusehen war da noch nicht, worauf Céline einige Jahre später und nach einem etwas kühler aufgenommenen zweiten Roman verfiel, nämlich für den Krieg, den vergangenen wie den erwarteten, und den kommentierten Verfall der französischen Gesellschaft vor allem einen Verantwortlichen anzuprangern: die Juden. Die „Bagatelles pour un massacre“ machten 1937 den Anfang mit wüstem Antisemitismus, gefolgt von „L’école des cadavres“ (1938) und nach der französischen Niederlage „Les Beaux draps“ (1941), auch sie durchsetzt von antijüdischen Parolen.

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