Quid pro quo: Niemand muss bei Deals à la Weinstein mitspielen


Grafik: TP
Geduldete sexuelle Übergriffe von Menschen in Machtpositionen sollten nicht als Missbrauch, sondern als Korruption verstanden werden

Von Ruth Berger | TELEPOLIS

Bei der Affäre Weinstein handelt es sich, wie bekannt, nicht um einen Einzelfall, zumindest nicht im Mediengewerbe. Ich selbst habe zweimal und eine Studienfreundin mindestens einmal erlebt, dass Männer in einer Machtposition sexuelle Gefallen für Unterstützung beim Fortkommen einforderten.

Es handelte sich in allen drei mir persönlich bekannten Fällen um Personen, die innerhalb ihrer Branche bekannt sind bzw. waren, nicht aber einem größeren Publikum. Alle drei Fälle geschahen in den Nuller Jahren, der Mann war jeweils mindestens zwanzig Jahre älter als ich bzw. die Freundin.

Das Quid pro quo wurde nicht explizit ausgesprochen, was Beschwerden oder Anzeigen kaum möglich erscheinen ließ, zumal ohnehin Wort gegen Wort gestanden hätte und man noch eine Verleumdungsklage oder andere Versuche, einem zu schaden, hätte fürchten müssen.

Vielmehr war das Quid pro quo implizit, aber so klar erkennbar, dass ich mir auch in dem einen Fall ganz sicher war, wo in dem Moment, als ich mich aus dem „Geschäft“ zurückzog, noch keine direkte sexuelle Avance geschehen war.

In dem anderen mich betreffenden Fall hatte es zu dem Zeitpunkt meines „Rückziehers“ schon einen unvermittelten Kuss sowie verbale Tändeleien gegeben, die gar keinen Zweifel mehr erlaubten, wie es weitergehen würde. (Weitere Fälle, bei denen ich mich aufgrund im Nachhinein entwickelten Vermeidungsverhaltens zurückzog, bevor ich mir hundertprozentig sicher war, lasse ich hier weg.)

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