Bundesärztekammer lehnt systematische Alterstests für Asylbewerber ab


Einen „Eingriff in die körperliche Unversehrtheit“ nennen Kritiker das Röntgen des Handwurzelknochens, eine umstrittene Methode, um das Alter von Asylbewerbern festzustellen. (Foto: Kästle/dpa)
  • Nach dem tödlichen Messerangriff auf eine 15-Jährige im rheinland-pfälzischen Kandel haben Unions-Politiker eine Altersprüfung junger Flüchtlinge gefordert.
  • Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, äußert erhebliche Bedenken.
  • Österreich hat vor acht Jahren bereits eine gesetzliche Altersbegutachtung eingeführt.

Von Kristiana Ludwig | Süddeutsche Zeitung

In der vergangenen Woche stach ein afghanischer junger Mann in einem Drogeriemarkt in Kandel auf ein 15 Jahre altes Mädchen ein. Im Krankenhaus erlag es seinen Verletzungen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zwei Tage später zitierte die Bild den Vater des Mädchens: „Er ist nie und nimmer erst 15 Jahre alt“, habe er gesagt. „Wir hoffen, dass wir durch das Verfahren jetzt sein wahres Alter erfahren.“

Die Tat von Kandel hat eine Debatte über die Altersfeststellung bei Asylbewerbern ausgelöst. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte eine „strikte Regelung für eine medizinische Altersüberprüfung von allen ankommenden Flüchtlingen, die nicht klar als Kinder zu erkennen sind“. Dafür werde sich die CSU in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD einsetzen. „Noch immer täuschen zu viele Flüchtlinge ein jugendliches Alter vor“, sagte er der Funke-Mediengruppe.

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