Arsen, das Kokain der steirischen Bauersleut‘


foto: sammlung simon brugner/the arsenic eaters Sennerinnen im Ennstal hatten den „fensterlnden“ Burschen Schnaps mit Hittrach kredenzt
Arsen zählt nicht nur zu den effektvollsten Giften, es galt jahrhundertelang auch als Anti-Age-, Doping- und Rauschmittel. Die Steiermark war bis in die 1970er-Jahre ein Hotspot der „Arsenesser“

Von Walter Müller | derStandard.at

„Der Karlbauer hat’s auch genommen“, sagt Maria. Im Flüsterton sei das damals am Küchentisch besprochen worden, oben im elterlichen Bauernhof im steirischen Mürztal. „Ich wusste eigentlich nicht, was sie meinten, ich war ja noch ein Kind, aber es musste etwa ziemlich Verruchtes gewesen sein“, erinnert sich Maria, die in den 1970er-Jahren nach der Matura nach Graz gezogen war und heute in der steirischen Landeshauptstadt ein kleines Unternehmer führt.

Erst Jahre später habe sie realisiert, was da in der elterlichen Stube getuschelt worden ist: Der alte Karlbauer aus dem Ehweingraben hatte Arsen gegessen. Regelmäßig, und das in Dosen, die andere unter die Erde gebracht hätten. Arsen, erfuhr sie Jahre danach, kursierte auf dem Land als beliebtes Rausch- und Dopingmittel.

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