Didier Eribon: Ein Motor gegen die Unterwerfung


foto: robert newald Mit „Gesellschaft als Urteil“ tritt Didier Eribon mit seiner eigenen Herkunft in ein produktiveres Verhältnis. Das Ideal der Aufklärung wird aber von ihm nicht über Bord geworfen.
Kann man die soziale Scham auch politisch nutzen? Mit „Gesellschaft als Urteil“ wendet sich der Starsoziologe noch einmal seinem Erfolgsbuch „Rückkehr nach Reims“ zu

Von Dominik Kamalzadeh | derStandard.at

Wenn ein französischer Intellektueller Rückschau auf die eigene Herkunft hält, hat das normalerweise nicht das Zeug zu einem Bestseller. Mit Rückkehr nach Reims, Didier Eribons 2016 auf Deutsch veröffentlichtem Buch über die soziale und sexuelle Scham, der er sich offen zu stellen wagte, verhielt es sich anders.

Die Selbstanalyse wurde zu einem Buch der Stunde. Und zwar nicht nur der Aufrichtigkeit seines Kampfes halber, sondern vor allem deshalb, weil es eine kluge Erklärung dafür bot, warum große Teile der Arbeiterschicht den Klassenkampf aufgegeben haben und mittlerweile nach rechts abgedriftet sind. Selbst ganze Theaterabende wurden schließlich auf Grundlage von Rückkehr nach Reims ausgerichtet.

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