Oum Kalthoum: Das schwierige Erbe einer ägyptischen Antizionistin


Die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum 1967 in Paris.Foto: AFP
Im Vorfeld der Hommage an Oum Kalthoum am HAU gibt es Streit. Kritiker werfen dem israelischen Künstler Ariel Ashbel kulturelle Ignoranz vor. Dieser wehrt sich.

Von Hannes Soltau | DER TAGESSPIEGEL

In der arabischen Welt ist Oum Kalthoum so populär wie die Beatles im Westen. In Deutschland kennen hingegen nur wenige die 1975 verstorbene ägyptische Sängerin. Das will der israelische Wahlberliner und Künstler Ariel Ashbel ändern. Für eine Neuinterpretation einiger ihrer Werke brachte er unter dem Titel „Diva: Celebrating Oum Kalthoum“ Musiker aus Deutschland, Israel, Italien, Russland, Syrien, Türkei und USA zusammen. Am kommenden Samstag ist die Premiere am Hebbel am Ufer (HAU) geplant.

Dagegen formiert sich digitaler Widerstand. In sozialen Netzwerken fragen Kritiker: Darf ein arabischer, jüdischer Israeli die Lieder einer ägyptischen Ikone interpretieren? Die Kommentatoren werfen Ashbel eine illegitime kulturelle Aneignung vor, die mit einer kolonialistischen Attitüde verbunden sei. Gleichzeitig feiern sie Kalthoum als Unterstützerin des palästinensischen Widerstands gegen Israel. Die Initiative „Campaign to Boycott Supporters of Israel“ ruft beteiligte arabische Musiker auf Facebook gar zum Boykott der Veranstaltung auf.

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