Vegane Kost als Ersatzreligion: Radikalisierung der Ernährung schreitet munter voran


Nur einfach konsequent oder schon fanatisch? In Ernährungsfragen gibt es einen deutlichen Trend zur Ideologisierung. © MangoStar_Studio / Getty Images / iStock
Nur noch Sojawürste und Superfood? Wer seine Ernährung mit religiösem Eifer betreibt, leidet möglicherweise an einer Essstörung. Und die kann Folgen für die ganze Familie haben.

Von Thomas Müller | ÄrzteZeitung

Früher haben die Menschen gefastet, um in den Himmel zu kommen, heute fasten sie, um gesund in den Himmel zu kommen“, ätzte Dr. Manfred Lütz bei einer Veranstaltung in Berlin. Die Ernährung, so der Kölner Psychiater, Theologe und Kabarettist, ist zur neuen Religion geworden.

Der Trend zur Ideologisierung wenn nicht gar Radikalisierung schreitet munter voran, können auch andere Psychiater bestätigen. „Es ist schon erstaunlich, welche Leute zu unseren Infoveranstaltungen kommen“, berichtet Professor Hans Hauner, Direktor am Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München. Er erlebt immer wieder, wie schwer es Veganern und Vegetariern fällt, auf eine gute Versorgung mit B-Vitaminen zu achten, vor allem auch in der Schwangerschaft. Gerne nennt er dann Studien, in denen Föten unter Vitaminmangel zu klein wurden. Vitamin B12 zu supplementieren sei aber ein Vorschlag, der häufig nicht gut ankomme. „Dann sind die Kinder eben klein, mir geht es ums Prinzip“, bekam er schon zu hören. „Hier steht oft eine Ideologie im Vordergrund, die man nicht mit rationalen Argumenten beseitigen kann“, sagte Hauner.

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