Medienpranger: Warum die Unschuldsvermutung neu erfunden werden muss


Grafik: TP
Die #MeToo-Debatte hat Deutschland erreicht. Gegen den Starregisseur Dieter Wedel werden schwere Anschuldigungen erhoben. Drei Frauen werfen ihm Körperverletzungen und sexuelle Straftaten vor. In der gesamten Debatte geht es nicht nur um einzelne Fälle, sondern um ein grundsätzliches Problem: den Missbrauch von Macht.

Von Volker Boehme-Neßler | TELEPOLIS

Zur Diskussion steht, welche (Macht-) Strukturen Straftaten begünstigen oder erst ermöglichen. Völlig zu Recht wird betont, welche Rolle das Umfeld spielt. Bestimmte Kulturen begünstigen Machtmissbrauch. Ein Beispiel unter vielen dafür ist die Filmindustrie. Die Besetzungscouch galt – und gilt? – als völlig normal. Genauso, wie der Tausch: Filmrolle gegen Sex. Vielleicht hat die Diskussion politische Auswirkungen und führt zu einem tief greifenden Kulturwandel. Das wäre dringend nötig – nicht nur in der Filmindustrie.

Trotzdem haben die jüngsten Vorwürfe gegen Dieter Wedel einen unangenehmen Beigeschmack. Die Geschehnisse sind 20 Jahre her, und die Vorwürfe werden nicht belegt. Rechtlich sind sie deshalb irrelevant. Vor keinem Gericht der Welt reichen bloße Behauptungen für eine Verurteilung aus. Jedenfalls rechtsstaatliche Gerichte verlangen Beweise, die eine Schuld ohne Zweifel belegen. In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten -, das ist ein unverzichtbarer Grundsatz rechtsstaatlicher Strafverfahren. Wenn ein Gericht Zweifel hat, muss es freisprechen.

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