Frauen werden unabhängig vom Lebensstil älter als Männer


Nikolai Tschechow: Die junge Witwe (um 1885).
Forschungsergebnis der Biostatistikerin Virginia Zarulli wirft auch Fragen zur Rentengerechtigkeit auf

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Dass Frauen eine längere Lebenserwartung haben als Männer, ist schon lange bekannt. Bislang wurde das regelmäßig mit Unterschieden im Lebensstil erklärt: Damit, dass Frauen weniger Tabak rauchten, der über Lungenkrebs, COPD und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einen frühen Tod fördert. Damit, dass sie durchschnittlich weniger Alkohol in ungesunden Mengen trinken, die die Lebenserwartung via Leberschäden et cetera ebenfalls verkürzen. Und damit, dass sie in früheren Jahrzehnten weniger beruflichen Gefahren und Belastungen ausgesetzt gewesen sein könnten als Männer und nicht so risikobereit Auto fuhren.

Andere Faktoren, die die Lebenserwartung massiv beeinflussen, sind Gewalt und Drogenmissbrauch (vgl. Gewalt und Drogenmissbrauch), Einkommen und Vermögen (vgl. Die reichen Alten werden immer reicher), der Wohnort (vgl. USA: Landkreise mit einer Lebenserwartung wie im Sudan und Trump gewann in den Counties, in denen die Lebenserwartung unterdurchschnittlich stieg) und die Ernährung (vgl. Hochrisikofaktor: Schlechte Ernährung).

Ein Team um die an der University of Southern Denmark (SDU) forschende Biostatistikerin Virginia Zarulli hat nun untersucht, ob Frauen auch in Situationen länger leben, in denen es solche Lebensstilunterschiede nicht gibt. Für ihre in PNAS veröffentlichte Studie mit dem Titel Women live longer than men even during severe famines and epidemics hat sie sich nicht nur Zahlen aus homogenen Gemeinschaften wie Klöstern, sondern auch Extremsituationen wie Hungersnöte auf Geschlechterunterschiede beim Sterben hin angesehen:

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