Der Ozean, der Professor und die Yacht


Der Bau der Yacht schlägt mit 3,5 Millionen Euro zu Buche © Claus Reissig
Ozeane erforschen ist teuer, Forschungsschiffe sind rar. Als Alternative wird in Greifswald eine 22 Meter lange Forschungsyacht gebaut.

Von Claus Reissig | Frankfurter Allgemeine

Man muss eine Weile mit Professor Haug aus Mainz gesprochen haben, bis man versteht, dass eine wie ein Forschungsschiff aussehende Yacht kein Privatvergnügen ist. Die Explorer 72, die gerade bei Michael Schmidt Yachtbau in Greifswald entsteht, hat einen ernsten Auftrag. Sie soll tun, wozu große Forschungsschiffe vom Schlage einer „Meteor“, „Sonne“ oder „Polarstern“ nicht in der Lage sind, nämlich in bestimmten Meeresregionen Langzeitbeobachtungen mit einem vergleichsweise niedrigen Budget vornehmen.

Gerald Haug ist Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und einer von vier Direktoren am Max-Planck-Institut für Chemie, Abteilung Klimageochemie, und forscht dort unter anderem an den Zusammenhängen des Klimawandels. Die „Eugen Seibold“, wie die Forschungsyacht einmal nach einem deutschen Meeresforscher heißen wird, soll dabei helfen. Und sie soll nicht weniger als das grünste Forschungsschiff der Welt werden: „Im Gegensatz zu den Stahl-Forschungsschiffen verunreinigt eine Kunststoffyacht nicht das zu beprobende Wasser zum Beispiel durch Rost“, sagt Haug. Mit elektrischen Antrieben kann die Yacht zudem bis zu neun Stunden emissionsfrei fahren, „so sind wir auch in der Lage, unverschmutzte Proben aus der Atmosphäre zu nehmen“. Ein Vorteil der Yacht, den dieselbetriebene Forschungsschiffe nicht haben.

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