Die Welt als Stoff des Handelns


Im Nachlass Hannah Arendts ist ein Vortrag über die Freiheit aufgetaucht – und über die politische Existenz.

Von Gustav Seibt | Süddeutsche Zeitung

Wie kommt das Neue in die Welt? Oft dadurch, dass etwas Altes wiederhergestellt werden soll. Der Begriff „Revolution“, der für unsere Ohren mit dem Bruch zu etwas völlig Neuem verbunden ist, stammt aus der Himmelskunde, wo er das Zurückschwingen der Gestirne, einen gesetzmäßigen Vorgang also, beschrieb. Daher sollte er bei frühen politischen Verwendungen die Rückkehr zu einer gesetzmäßigen Ordnung bezeichnen. Die „Glorious Revolution“, die glorreiche Revolution in England 1688, war gedacht als Restauration einer rechtmäßigen, gesetzlich gebundenen Königsgewalt. Die Freiheit, die dabei etabliert wurde, sollte althergebracht sein, nicht neu.

Darauf wies Hannah Arendt, eine der großen Theoretikerinnen der Revolution, 1967 hin, in einem Vortrag, der erst jetzt aus dem Nachlass publiziert wird. Er beleuchtet in einem geschichtsphilosophischen Riesenbogen den Zusammenhang von Freiheit und Revolution. Dieser großartige Text überschneidet sich in vielen Punkten mit Arendts Buch „Über die Revolution“ von 1963 und mit einem Vortrag aus dem Jahr 1961 über „Revolution und Freiheit“. Doch Arendts Nachdenken arbeitete unentwegt weiter, im Kontakt mit den zeitgenössischen Erhebungen vor allem der Sechzigerjahre, den kolonialen und den studentischen Revolten. Das macht das lange verschollene Stück so reizvoll.

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