Die Weimarer Republik – ein Angebot an alle Deutschen


Auf ins Theater, auf zur neuen Verfassung: Konstantin Fehrenbach (Mitte), der Präsident der Nationalversammlung in Weimar. (Foto: Scherl/SZ Photo)
Wie kam Weimar dazu, Ort der deutschen Nationalversammlung 1919 zu werden? Der Verfassungshistoriker Heiko Holste ist sich sicher: Jedenfalls nicht aus dem Grund, der stets genannt wird.

Rezension von Robert Probst | Süddeutsche Zeitung

Am 11. Januar 1908 war Kaiser Wilhelm II. zu Gast bei der Eröffnung des neu erbauten Hoftheaters, damals eins der modernsten überhaupt. Er soll sehr angetan gewesen sein. Fast genau elf Jahre später kamen zwei Herren aus Berlin in den verschlafenen Ort, besichtigten das Bauwerk und waren ebenfalls begeistert. „Das Theater ist der bestgeeignete Raum für die Nationalversammlung“, berichteten sie wenig später dem Rat der Volksbeauftragten.

Die beiden Herren, der Verwaltungsdirektor des Reichstags und ein „Geheimer Oberregierungsrat“ aus dem Reichsamt des Inneren, hatten zuvor in geheimer Mission noch drei andere Städte – Bayreuth, Nürnberg und Jena – besucht, ehe sie in Weimar offenbar fanden, was sie suchten. Der Kaiser hatte einige Monate zuvor abgedankt. Deutschland war auf dem Weg zur Republik.

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