Die ersten Händler der Menschheit


Moderne Nomaden: Angehörige des Tuareg-Volks in Mali (Foto: Getty Images)
  • Lange Zeit wurden Nomaden als erste Fernhändler der Menschheit angesehen.
  • Doch einige Archäologen bestreiten diese Theorie. Sie vermuten, dass der Handel schon in der Bronzezeit in den Händen von Kaufleuten war.
  • Die Funde verraten viel über den Aufstieg der ersten Städte in Mesopotamien.

Von Andrew Lawler | Süddeutsche Zeitung

Vor nahezu 4000 Jahren erwachte König Zimri-Lim im Königspalast der mesopotamischen Stadt Mari aus einem Albtraum. In diesem hatten Nomaden aus der umliegenden Wüste seine geliebte Frau gefangen. Zimri-Lims Angst, in einem antiken Keilschrifttext verewigt, zeige die Rolle der Nomaden im frühen städtischen Leben, vermuten Archäologen seit Langem. Diese mobilen Plünderer, mächtig genug, um den Schlaf der Herrscher zu stören, wurden allenfalls geduldet, weil sie exotische Güter von weit entfernten Orten heranschafften. Als Viehzüchter reisten sie Hunderte Kilometer weit auf der Suche nach Weideland. Lange Zeit wurden sie als Architekten der Fernhandelsnetze angesehen, die den Aufstieg der modernen Zivilisation im heutigen Irak um 3000 v.u.Z. unterstützten.

Da die Spuren dieser Hirten heute kaum sichtbar sind, stützten sich Forscher stark auf den Vergleich mit modernen Nomaden im Nahen Osten des 20. Jahrhunderts. Doch nun kommen Methoden hinzu, die Hinweise entschlüsseln, die von alten Nomaden hinterlassen wurden. Aufgrund von Daten aus Tiermist, Knochen, Zahnstein und Pflanzenresten schließen Forscher, dass die antiken Hirten hauptsächlich in der Nähe von Stadtgebieten lebten, statt zwischen weit entfernten Orten zu wandern.

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