Schweiz: «Die staatlichen Privilegien der Kirchen müssen reduziert werden»


Andreas Kyriacou, Präsident der Freidenker-Vereinigung Schweiz | © zVg
Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg (HVD-BB) hat seit Januar den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und ist damit den grossen Kirchen rechtlich gleichgestellt. Auch in der Schweiz gibt es Humanisten. Wollen sie es ihren deutschen Kollegen gleichtun? kath.ch hat beim Präsidenten der Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS), Andreas Kyriacou, nachgefragt.

Von Barbara Ludwig | kath.ch

Begrüssen Sie die Gleichstellung des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg?

Andreas Kyriacou: Der Verband wies zu Recht darauf hin, dass der Staat verschiedene Weltanschauungsgemeinschaften ganz unterschiedlich behandelt und diese Ungleichbehandlung nur schwer zu rechtfertigen ist. Wir gratulieren ihm, dass er erreicht hat, diese Ungerechtigkeit zu reduzieren. Wir sehen die Entwicklung allerdings durchaus skeptisch, da es gesellschaftspolitisch adäquater wäre, die Privilegien der anerkannten Religionsgemeinschaften zurückzubauen. Dies entspricht auch der Haltung anderer säkularer Organisationen in Deutschland.

«Es wäre gesellschaftspolitisch angebracht, die Privilegien der anerkannten Religionsgemeinschaften zurückzubauen.»

Lässt sich die dortige Situation in Bezug auf die öffentlich-rechtliche Anerkennung mit derjenigen hierzulande so einfach vergleichen?

Kyriacou: Die Situation in Deutschland ist tatsächlich nicht eins zu eins mit derjenigen der Schweiz zu vergleichen, da in unserem Nachbarland auch Organisationen wie Ärztekammern oftmals den Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft haben. In der Schweiz sind vergleichbare Vereine und Verbände hingegen fast immer als privatrechtliche Vereine oder allenfalls als Stiftungen organisiert – ausser eben diejenigen Religionsgemeinschaften, die staatlich anerkannt sind.

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