Missbrauch im Turnen: „Ich fühlte Scham, Ekel und auch Selbsthass“


„Abscheulicher Lügner“: die frühere Turnerin Kyle Stephens vor Gericht. ©AFP
Etwa 90 amerikanische Turnerinnen kommen im Missbrauchsprozess gegen einen Arzt zu Wort. Sie berichten detailliert und emotional, was ihnen widerfuhr. Dem Angeklagten droht eine Rekordstrafe.

Frankfurter Allgemeine

Die frühere Turnerin Kyle Stephens brach in Weinkrämpfe aus, Richterin Rosemarie Aquilina forderte harte Konsequenzen. Am zweiten Tag des Missbrauchsprozesses gegen den kriminellen ehemaligen Arzt des amerikanischen Turnverbandes, Larry Nassar, rückte eine Rekordstrafe in ungewöhnlicher Höhe immer näher. „Der nächste Richter, dem er sich stellen muss, wird Gott sein“, sagte Aquilina am Mittwoch (Ortszeit), dem amerikanischen Sender NBC News zufolge. „Er wird niemals mehr frei sein.“

Das Strafmaß für Nassar, der in dunkelblauer Gefängniskleidung im Gerichtssaal von Lansing im amerikanischen Bundesstaat Michigan erschien und immer wieder das Gesicht hinter seinen Händen vergrub, soll am Freitag verkündet werden. Der 54-Jährige hatte im November zugegeben, sieben minderjährige Turnerinnen sexuell belästigt und seine Position als Vertrauensarzt beim Verband ausgenutzt zu haben. Fast 140 Turnerinnen haben Klagen gegen ihn eingereicht, etwa 90 von ihnen kommen seit Dienstag in dem Prozess zu Wort.

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