Die glücklichen Ferkel auf der „Grünen Woche“


Die glücklichen Ferkel auf der Grünen Woche täuschen über eine fatale Entwicklung hinweg: Die Landwirtschaft hat mit Land nicht mehr viel zu tun, dafür umso mehr mit Wirtschaft.

Von Martin Balser | Süddeutsche Zeitung

Von diesem Freitag an läuft die Show aufs Neue: Auf der größten Agrarmesse der Welt, der „Grünen Woche“ in Berlin, werden grunzende Ferkel auf Stroh stehen und Kühe in großen Ställen viel Auslauf genießen. Doch immer mehr Deutsche glauben den Marketing-Botschaften der Branche nicht mehr. Der erbitterte Streit um den Einsatz des Pflanzengifts Glyphosat und ein dramatisches Insektensterben in Deutschland vermitteln den Eindruck einer industriellen Produktion, die zu wenig mit Land und zu viel mit Wirtschaft zu tun hat.

Denn vor aller Augen vollzieht sich eine ganze Reihe ökologischer Desaster. Die Artenvielfalt geht massiv zurück. Im Grundwasser finden sich vielerorts rekordverdächtig hohe Rückstände von Düngemitteln. Hinzu kommen teils miserable Praktiken in der Tierhaltung, wie das jährliche Schreddern von Millionen männlicher Küken. Die Beispiele machen klar: Ausgerechnet die Herstellung von Lebensmitteln beruht auf eklatantem Versagen beim Tier- und Umweltschutz.

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