Fasten bis zum Tod


Für einige ist es ein Weg, das Leben ohne Gewaltakt zu beenden, wenn Krankheit und Leiden zu schwer werden: der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit. Er beendet das Leben selbstbestimmt, ist aber umstritten.

Von Dieter Sell | evangelisch.de

Am Ende waren die Schmerzen kaum noch zu ertragen. Ein Leben lang hatte Marlies B. mit einer Stoffwechselerkrankung zu kämpfen. Anfang des vergangenen Jahres konnte sie kaum noch etwas essen und nur noch wenig bei sich behalten. Als sie im Mai dann nicht einmal 40 Kilo wog, mündeten lange Überlegungen in den Entschluss zum Sterbefasten: Die 74-Jährige hörte auf zu essen und zu trinken.

„Sie sagte, sie sei lebenssatt“, erinnert sich ihr Bruder Peter Auer an die Zeit im Frühjahr. „Und meine Schwester war letztlich schon lange eine sterbenskranke Frau“, ergänzt der 69-Jährige, der in Hamburg lebt. Ab dem 9. Mai 2017 nahm sie nichts mehr zu sich. Zuvor hatte sie die Situation selbst akribisch vorbereitet: einen Arzt konsultiert, einen Pflegedienst ausgesucht, ein Palliativzentrum eingeschaltet, um die Versorgung mit schmerzstillenden Morphin-Medikamenten sicherzustellen. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht – alles lag vor.

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