Abschied von der multikulturellen Gesellschaft


Polizisten in Köln am Rande einer Demonstration gegen den Bau einer Moschee in Köln. (Bild: Ina Fassbender / Reuters)
Der Islam wird in Europa zunehmend als strukturelles Integrationshindernis betrachtet. Deswegen bewegen sich muslimische Vertreter in der Politik in einem besonders heiklen Spannungsfeld.

Von Toby Vogel | Neue Zürcher Zeitung

Der Multikulturalismus hat ein Imageproblem. Wo er früher das harmonische Mit- oder zumindest Nebeneinander diverser Gruppen bezeichnete, die weitgehend ohne Einmischung des Staates ihrem Glauben nachgehen und ihre Eigenheiten kultivieren konnten, sind die Konnotationen heute weitaus weniger positiv: Parallelgesellschaften, Ghettobildung, mangelnde Integrationsbereitschaft. Diese Punkte erscheinen besonders relevant, wenn es um muslimische Zugezogene geht. Angela Merkel konstatierte schon im Jahre 2010 das Scheitern des Multikulturalismus; innerhalb einiger Monate folgten ihr Premierminister David Cameron und Präsident Nicolas Sarkozy. Dies war bemerkenswert, hatte doch weder die Bundesrepublik noch Frankreich den Multikulturalismus jemals als offizielle Politik akzeptiert.

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