„Pandemie des Narzissmus“ im Westen?


Bild: johnhain/Pixabay/CC0
Nach einer Untersuchung sind Menschen, die vor dem Mauerfall im Westen geboren wurden und zur Schule gingen, narzisstischer als Ostdeutsche

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

In einer kürzlich veröffentlichten Studie wurde erklärt, dass die jungen Menschen in Nordamerika und Großbritannien in den letzten Jahrzehnten einen deutlich höheren Zwang zur Perfektion zeigen würden (Junge Menschen neigen immer mehr zum Perfektionismus). Vor allem ist der Druck gewachsen, dass Perfektion von anderen Menschen verlangt wird, der man nachkomme müsse. Die Autoren führten das auf stärkere Individualisierung und Konkurrenz zurück, der sich Eltern und junge Menschen von der neoliberal geprägten Gesellschaft und Wirtschaft ausgesetzt sehen, aber womöglich auch durch die Sozialen Netzwerke und den allgegenwärtigen Zwang zum Ranking und Vergleichen.

Bestätigt wird die Veränderung in den Köpfen von einer in PLoS One veröffentlichten Studie von Wissenschaftlern der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, die suggestiv oder provokativ schon in der Überschrift fragen, ob es in den westlichen Gesellschaften eine „Epidemie des Narzissmus“ gebe. Sie haben die „außergewöhnliche Gelegenheit“ ergriffen, dass es vor der Wiedervereinigung in den zwei deutschen Staaten auch zwei unterschiedliche Lebensstile gegeben hat. Zwischen 1949 und 1989/1990 habe in Westdeutschland eine eher individualistische und in Ostdeutschland eine kollektivistische Kultur geherrscht. Gegenwärtig erlebt man den grandiosen Narzismuss am amerikanischen Präsidenten. Er scheint also ganz oben angekommen zu sein.

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