Gandhis verschmähtes Erbe


Indische Schulkinder erweisen Gandhi in Chennai die Ehre: Seine Aufrufe zur Versöhnung zwischen Hindus und Muslimen empfanden radikale Eiferer damals als unverzeihliche Provokation. (Foto: AFP)
Kaum ein Mensch verkörperte Gewaltfreiheit so wie Gandhi. Eine Rückbesinnung auf seine Ideen könnte Indien heute helfen – gegen religiöse Hetze und als Lebensversicherung für den multikulturellen Staat.

Von Arne Perras | Süddeutsche Zeitung

Als ein Hindufanatiker am 30. Januar 1948 drei Kugeln auf Mahatma Gandhi abfeuerte, wollte er nicht nur den Menschen töten. Der Anschlag galt auch einer Idee. Gandhis Aufrufe zur Versöhnung zwischen Hindus und Muslimen empfanden radikale Eiferer als unverzeihliche Provokation, sie betrachteten Gandhis Werk als Zeichen der Schwäche, die es nicht geben durfte im Kampf um Macht und Freiheit auf dem indischen Subkontinent.

Ideen aber lassen sich nicht töten, nicht einmal die der Gewaltlosigkeit. Gandhi wurde zu einer Quelle der Inspiration, seine Ideen haben Mut und Zivilcourage in aller Welt befördert. Es ist nicht immer so, als würden sie zu jeder Zeit und überall triumphieren. Oftmals setzt sich eben doch die Macht der Gewalt durch.

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