Polens Selbststilisierung als heroisches Opfer


Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki. Er und seine Partei PiS glauben, man könne mit einem Gesetz die Schatten der eigenen, oft sehr schweren Geschichte für immer vertreiben Quelle: dpa/PAP/Jacek Turczyk
Wer künftig bewusst oder auch nur versehentlich von „polnischem KZ“, „polnischen Vernichtungslagern“ oder „polnischen Gaskammern“ spricht, soll in Polen bestraft werden können. Der Impuls zeugt von Unreife und Unsicherheit.

Von Thomas Schmid | DIE WELT

Unter den Nationen Europas ist kaum eine, die eine so furchtbare Geschichte durchlebt hat wie die polnische. Polen war über Jahrhunderte hinweg Objekt anderer Staaten. Es wurde mehrfach geteilt, ja es verschwand zeitweise vollkommen von den Landkarten. Es hatte sich russischer Begehrlichkeiten zu erwehren, war ein Spielball zwischen West und Ost.

Als die Deutschen den Zweiten Weltkrieg 1939 in Polen begannen, wurde es von den westlichen Nationen im Stich gelassen. NS-Deutschland okkupierte das Land, errichtete ein barbarisches Regiment. Die Polenpolitik der Nationalsozialisten war Teil ihrer Strategie, die Regionen östlich von Deutschland zu entstaatlichten Steppen zu machen und ihre Bewohner zu „Untermenschen“ zu erklären.

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