Gesetz gegen Diskriminierung: Dodo Behrendts Entwurf trifft im Senat auf Widerspruch

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) bereitet derzeit ein Antidiskriminierungsgesetz für Berlin vor. Verboten seien Diskriminierungen insbesondere „aufgrund des Geschlechts, der Geschlechtsidentität, der ethnischen Herkunft, einer rassistischen Zuschreibung oder der Sprache“, heißt es in einem Entwurf, der der Berliner Zeitung vorliegt.

Von Martin Klesmann | Berliner Zeitung

Auch wegen der Nationalität, des Glaubens, der religiösen und politischen Anschauungen, einer Behinderung, einer chronischen Erkrankung oder des Lebensalters dürfe niemand Nachteile erleiden.

Erste Entwürfe machen schon seit mehreren Wochen die Runde, auch im Senat. Auch Diskriminierungen wegen sexueller Orientierung, Bildungsstand. Erwerbs- und Sozialstatus sind verboten.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) war über das, was da geschrieben stand, stellenweise gar nicht glücklich. „Wir haben an mehreren Stellen Widerspruch erhoben“, sagte sie.

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Forensik: Der Todeszeitpunkt steckt in der DNA

Gewebeproben können helfen, den Todeszeitpunkt nach Gewaltverbrechen präziser festzustellen. Bild: dpa
Die präzise Feststellung, wann nach einem Gewaltverbrechen der Tod eingetreten ist, kann entscheidend sein. Eintretende zelluläre Veränderungen könnten hierfür eine neue Strategie eröffnen.

Von Hildegard Kaulen | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der genaue Todeszeitpunkt nach einem Gewaltverbrechen lässt sich mit Hilfe der DNA möglicherweise noch genauer ermitteln. Normalerweise wird er über Körpertemperatur, Leichenflecken und Totenstarre bestimmt. Hat die Verwesung eingesetzt, nutzt man auch Maden- und Insektenarten. Allerdings sind solche Erhebungen störanfällig, so dass oft nur ein Zeitraum und kein genauer Todeszeitpunkt angegeben werden kann.

Roderic Guigó vom „Centre for Genomic Regulation“ in Barcelona und seine Kollegen wollen nun die mit dem Tod einsetzenden zellulären Veränderungen für eine präzise Bestimmung nutzen. Beim Ableben kommt der Zellstoffwechsel nicht sofort zum Erliegen, sondern es werden noch stundenlang weiter Gene abgelesen und Proteine synthetisiert – allerdings radikal anders als vor dem Tod. Im Blut schnellt die Produktion von Stressfaktoren in die Höhe. In anderen Geweben werden Unmengen an Proteinen gebildet, die den Sauerstofftransport verbessern sollen, obwohl gar kein Sauerstoff mehr nachkommt.

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Erscheint Maria in dieser Kapelle? Kirche distanziert sich

In der St.-Laurentius-Kapelle soll die Jungfrau Maria angeblich erscheinen Quelle: dpa
Otto Masszi glaubt fest daran: In der kleinen Kapelle von Unterflossing wird am 17. März pünktlich um 16.30 Uhr die Jungfrau Maria erscheinen. Doch die katholische Kirche distanziert sich nun von den Vorgängen.

DIE WELT

Die heilige Maria riecht nach Rosen. Und kommt wieder nach Oberbayern. Am 17. März pünktlich um 16.30 Uhr soll die Mutter Gottes erscheinen, an der kleinen St.-Laurentius-Kapelle in Unterflossing. So jedenfalls kündigt es Otto Masszi an, der die Kapelle vor einigen Jahren gekauft und eigenhändig renoviert hat. Das Örtchen mit rund 100 Einwohnern zählt zur Gemeinde Polling im Landkreis Mühldorf am Inn, nicht weit vom Pilgerort Altötting.

Schon zweimal soll sich die Gottesmutter hier gezeigt haben, zuletzt im vergangenen September, zur selben Stunde. Hunderte Menschen pilgerten mit einem selbst ernannten Seher namens Salvatore Caputa in den Ort, einige wollen Maria gerochen haben. „Es war dieser Rosenduft unmissverständlich da“, sagt Erich Neumann, Vorsitzender des Vereins Förderer und Freunde der St.-Laurentius-Kapelle, der das Treffen organisiert. „Ja, da hat sich was getan. Da ist etwas.“

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Riesenviren an der Grenze zum Leben

Ein Tupanvirus unter dem Elektronenmikroskop. Ungewöhnlich ist neben seiner Größe vor allem sein langer und dicker Schwanz © Abrahão et al./ Nature Communications, CC-by-sa 4.0
Überraschend zellähnlich: Zwei neuentdeckte Riesenviren lassen die Grenze zwischen Viren und zellulären Lebewesen weiter verschwimmen. Denn die in Brasilien gefundenen Tupanviren sind nicht nur so groß wie ein Bakterium und tragen einen langen Schwanz. Ihr Genom enthält zudem die Bauanleitungen für fast die gesamte Maschinerie der Proteinbiosynthese, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten. Besäßen diese Viren Ribosomen, könnten sie selbst Proteine herstellen – ganz ohne Wirt.

scinexx

Bisher schien die Abgrenzung klar: Als Lebewesen gilt ein Organismus, der die Zellmaschinerie für die Proteinbiosynthese besitzt – nur dann kann er sich selbst vermehren, wie es beispielsweise Bakterien, Pilze und höhere Organismen tun. Viren dagegen sind für ihre Vermehrung auf die Zellmaschinerie ihrer Wirtszellen angewiesen und daher keine echten Lebewesen. Denn sie besitzen weder die Gene, noch die biomolekulare Ausstattung für die Herstellung von Proteinen – so dachte man jedenfalls bisher.

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Die Verteilungskämpfe zwischen den Ärmsten haben begonnen

Kunden der Essener Tafel an der Ausgabestelle. (Foto: dpa)
Deutschland geht es gut wie nie, doch an den Tafeln streiten die Bedürftigen um die besten Plätze. Es spiegelt sich dort die Rücksichtslosigkeit der Politik.

Von Ulrike Heidenreich | Süddeutsche Zeitung

In der deutschen Wirtschaft herrscht Festtagsstimmung, die Steuereinnahmen sprudeln; derweil haben die Verteilungskämpfe zwischen den Ärmsten im Lande begonnen. Was sich wie ein Versatzstück aus einem klassenkämpferischen Manifest anhört, ist bitter wahr. An den Tafeln, den Essensausgaben für Bedürftige, stehen sich gegenüber: Alleinerziehende mit Kindern, von Altersarmut gebeutelte Rentner, gebrechliche Menschen, Flüchtlinge. Hier zählt das Recht des Stärkeren. Im Gedrängel und Geschubse an der Pforte der Essener Tafel wird diese Rücksichtslosigkeit offenbar – sie speist sich aus der Rücksichtslosigkeit von Politik und Wirtschaft gegenüber sozialer Not.

Wenn der Vorsitzende der deutschen Tafeln seine europäischen Kollegen von der Foodbank in Brüssel trifft, fragen die ihn verwundert, warum ein reiches Land wie Deutschland Tafeln braucht. Zu den Ausgabestellen von Lebensmitteln, die sonst im Müll landen würden, kommen ja Menschen, die am Ende des Monats keine 59 Cent mehr für ein Toastbrot vom Discounter haben. Diese Menschen beziehen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld. Es werden immer mehr, denen das Existenzminimum nicht zum Leben reicht. Das ist der wahre Skandal.

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Afghanistans Präsident will mit Taliban verhandeln

Afghanistans Präsident Ghani hat den Taliban eine Waffenruhe angeboten (Symbolbild) © Rahmat Gul/ Picture Alliance
Vertreter aus 26 Ländern sind zu einer Friedenskonferenz nach Kabul gereist. Doch der afghanische Präsident wandte sich zunächst an die Taliban. Der radikalislamischen Miliz bot er weitreichende Zugeständnisse an.

stern.de

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani versucht um des Friedens Willen auch mit den radikalislamischen Taliban zu verhandeln. In der Hauptstadt Kabul findet derzeit eine Friedenskonferenz statt. Deren Auftakt nutzte Ghani um den Taliban eine Waffenruhe sowie weitreichende Zugeständnisse anzubieten.

Sollte sich die Miliz auf den Friedensprozess einlassen, könnte sie auch als politische Gruppe anerkannt werden, sagte Afghanistans Präsident am Mittwoch. Außerdem könne auf Wunsch die Verfassung überarbeitet werden. Ghani bot den Taliban zudem afghanische Pässe an, ein Büro in Kabul, die Entlassung von Gefangenen und die Streichung von Sanktionen. Der Präsident bestand aber darauf, dass Wahlen abgehalten werden. Er forderte die Taliban außerdem auf, die afghanische Regierung anzuerkennen.

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Bis zu 17 Milliarden Dollar, nur 600 Meter unter dem Meeresspiegel

Archäologen haben die spanische Galeone „San José“ aufgespürt. Der Schatz an Bord soll Milliarden wert sein. Kolumbien spricht von der „wertvollsten Entdeckung in der Geschichte der Menschheit“. Quelle: Die Welt
344 Tonnen Silber- und Goldmünzen hatte das spanische Kriegsschiff „San José“ an Bord, als es 1708 vor Kolumbien versank. 2015 entdeckt tobt seitdem ein Streit um den Fund. Nun gibt es ein Urteil.

Von Florian Stark | DIE WELT

Die Galeone „San José“ gilt wahlweise als Heiliger Gral der Unterwasserarchäologie, teuerstes Wrack der Welt oder schlicht als wertvollster Schatz, der in der Geschichte der Menschheit je gefunden wurde. Derart euphorisch äußerte sich zumindest Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos über die Entdeckung, die einem Team des Archäologischen Instituts von Kolumbien im Jahr 2015 vor der Karibikküste gelang: das Flaggschiff der spanischen Silberflotte, das 1708 im Kampf gegen die britische Royal Navy explodierte und versank.

Obwohl die „San José“ und das in ihr vermutete Edelmetall weit davon entfernt sind, gehoben zu werden, beschäftigt beides seitdem die Gerichte. Nun konnte Kolumbien einen wichtigen Teilerfolg erzielen. Das höchste Verwaltungsgericht des südamerikanischen Landes hat entschieden, dass weder eine ausländische Privatperson noch eine Institution die Bergung des wertvollen Wracks für sich beanspruchen darf, berichtet die Tageszeitung „El Espectador“ unter Berufung auf das 96 Seiten umfassende Urteil.

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Martin Werlen facht Diskussion um Priesterweihe für Frauen neu an

Der damalige Abt Martin Werlen 2005 beim Empfang des Dalai Lama in Einsiedeln. (Bild: Keystone)

Martin Werlen provoziert: Der ehemalige Abt von Einsiedeln findet, es sei höchste Zeit, dass die katholische Kirche Frauen zum Priestertum zulasse.

Von Christina Neuhaus | Neue Zürcher Zeitung

Man müsse loslassen können, auch Traditionen, die alles blockierten. Das sagte Martin Werlen bei der Präsentation seines neuen Buches Anfang Februar in Zürich Altstetten. Heute ist der 55-Jährige ein bescheidener Benediktinermönch. In Erinnerung ist er der breiten Öffentlichkeit aber vor allem als telegener, bei Gelegenheit auch Trottinett fahrender Abt von Einsiedeln. Werlens jüngste Schrift trägt den Titel «Zu spät». Damit niemand auf die Idee kommt, die Überschrift beziehe sich auf den Autor, hat es der Verlag mit dem Zusatz «Eine Provokation für die Kirche. Hoffnung für alle» versehen.

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Hawaii-Hotspot: Er bewegt sich doch

Die Inseln von Hawaii verdanken ihre Entstehung einem vulkanischen Hotspot – und dieser war offenbar keineswegs immer ortstreu. © USGS
Der Hotspot unter Hawaii widerspricht gängiger Theorie: Statt ortsfest zu bleiben, hat er seine Position verändert – er wanderte vor rund 50 Millionen Jahren ein ganzes Stück nach Süden. Belege dafür liefert nun ein Positionsvergleich mit zwei weiteren Mantelplumes im Pazifik. Diese Hotspot-Wanderung könnte erklären, warum die Hawaii-Emperor-Vulkankette mittendrin einen Knick hat, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.

scinexx

Die Inselkette von Hawaii und die angrenzende Emperor-Kette aus Unterseevulkanen haben einen gemeinsamen Ursprung: Sie entstanden, als sich ein Hotspot – ein Aufstrom heißen Magmas aus dem tiefen Erdmantel – durch die wandernde Erdkruste fraß. Als Folge bildete sich eine Kette von Vulkanen. Doch ein Merkmal passt nicht zu diesem Bilderbuchbeispiel eines Hotspots: Mitten in der Hawaii-Emperor-Kette liegt ein 60-Grad-Knick, der vor rund 47 Millionen Jahren entstand.

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Saudi-Arabien öffnet seine Armee für Frauen

Diese junge Britin ist nach Syrien gekommen, um sich am Dschihad zu beteiligen Screenshot Channel 4. Themenbild.
  • Die Öffnung der Armee für Frauen ist Teil eines größeren Umbaus der traditionell von Männern dominierten Gesellschaft Saudi-Arabiens.
  • Grundlage ist die Vision 2030 von Kronprinz Mohammed bin Salman.
  • Die jüngsten gesellschaftlichen Reformen gehen aber nicht mit einer politischen Öffnung einher.

Von Paul-Anton Krüger | Süddeutsche Zeitung

Die Sensation war gut versteckt in einer Stellenausschreibung des saudischen Innenministeriums: Bis 1. März würden Bewerbungen von Frauen aus den Provinzen Riad, Mekka, Medina und al-Qasim entgegengenommen – für Soldaten-Posten im Militär des Königreichs. Frauen sollen zwar nicht in Kampfeinsätzen dienen, aber selbst viele westliche Länder haben ihre Streitkräfte erst vor wenigen Jahren für Frauen geöffnet; die Bundeswehr erlaubte Frauen nur nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2001 den Dienst an der Waffe; zuvor standen ihnen nur Laufbahnen im Sanitäts- und Militärmusikdienst offen.

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Richard Feynman & die Physik: Der Verständliche

Wenn ein Prinzip wirklich fundamental ist, dann muss man es in einfache Worte bringen können: Richard Feynman als frischgebackener Nobelpreisträger 1965 am Europäischen Kernforschungszentrum bei Genf Bild: akg / Science Photo Library
Am Werk Richard Feynmans kommt niemand vorbei, der die moderne theoretische Physik begreifen will. In seinem Buch erklärt Jörg Resag es dem Laien auf vorbildliche Weise.

Von Ulf von Rauchhaupt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Europa war der 16. Februar 1988 bereits angebrochen, als in Los Angeles der Physiker Richard Feynman einem Krebsleiden erlag. Doch weniger den dreißigsten Todestag als den hundertsten Geburtstag im kommenden Mai hatte Jörg Resag mit diesem Buch im Auge. Auf den ersten Blick scheint es überflüssig, denn allenfalls über Albert Einstein gibt es heute noch mehr biographische Literatur als über den Mann, der auf besonders erfolgreiche Weise Bohrs und Heisenbergs Quantenphysik mit Einsteins spezieller Relativitätstheorie verband. Tatsächlich landete Feynman in einer Umfrage unter hundert führenden Vertretern des Fachs im Jahr 2000 nach den drei genannten auf Rang vier der besten Physiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Paul Dirac, der eigentliche Erzvater der relativistischen Quantentheorie oder Quantenelektrodynamik (QED) folgt erst auf Rang fünf.

Neben der monumentalen Biographie aus der Feder des indisch-amerikanischen Wissenschaftshistorikers Jagdish Mehra aus dem Jahr 1994 sind über Feynman heute auch etliche populäre Lebensbeschreibungen und Anekdotensammlungen lieferbar. Doch die lustigen Episoden aus dem Leben des nonkonformistischen Nobelpreisträgers, der gerne auf Bongos trommelte oder auch mal einen Strip-Club besuchte, erklären Feynmans Bedeutung für die moderne Physik nur bedingt. Das tun die Fachhistoriker, neben Mehra der auf die Geschichte der QED spezialisierte Silvan Schweber. Doch deren Werke sind für Fachfremde harte Kost.

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Abgeordnete in Südafrika stimmen für Enteignung von Farmern

Ein Großteil der Agrarfläche in Südafrika gehört auch 24 Jahre nach dem Ende der Apartheid noch den Weißen – (c) AFP (GULSHAN KHAN)
73 Prozent der Agrarflächen in Südafrika sind noch immer in Hand der Weißen. „Die Zeit für Ausgleich ist vorbei; jetzt ist Zeit für Gerechtigkeit“, sagt der Vorsitzende der linksradikalen Partei EFF.

Die Presse.com

Die Abgeordneten im Parlament von Südafrika haben sich am Dienstag für eine Enteignung von Farmern ohne Entschädigung ausgesprochen. Der Antrag wurde von der linksradikalen Partei Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit (Economic Freedom Fighters, EFF) eingebracht und nach Änderungen auch von der Regierungspartei ANC unterstützt. Der Antrag könnte zu einer Änderung der Verfassung führen.

Das Thema der Landenteignungen ist seit dem Ende der Apartheid in Südafrika eine der heikelsten Fragen. Der neue Präsident Cyril Ramaphosa hatte in seiner ersten großen Rede nach seinem Amtsantritt Mitte Februar die Enteignung von Farmern ohne eine Entschädigung unterstützt – solange dadurch die Lebensmittelproduktion gesteigert werde.

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Religionssoziologe fordert Militärimame für die Bundeswehr

Links: Militärimam des österreichischen Bundesheeres, Bild:ORF.at, rechts: Militärimam der US-Navy. Bild: PD
Die Stimmen werden lauter: Die Bundeswehr brauche neben Militärpfarrern auch Militärimame, fordern Experten und Islamvertreter. Die Bundesregierung prüft das Anliegen schon seit sechs Jahren – ohne Ergebnis. In der deutschen Armee dienen 1.500 bis 2.000 Muslime.

MiGAZIN

Der islamische Religionssoziologe Rauf Ceylan fordert Militärimame für die Bundeswehr. „Muslimische Militärseelsorger sind überfällig. Wir brauchen sie genauso, wie wir auch mittlerweile entsprechend ausgebildete muslimische Krankenhaus-, Polizei- und Gefängnisseelsorger haben“, sagte Ceylan am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland beklagte, dass sich in dieser Frage seit Jahren nichts bewege. In der vergangenen Woche hatte die muslimische Soldatin Nariman Reinke dem Nachrichtenportal „Welt online“ gesagt, sie wünsche sich Imame in der Militärseelsorge.

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Keine Kirchenräume für Nationalisten

Velimir Bujanec (r.) bei einer Feier in Zagreb. Foto: Imago
Nachdem die FR über Auftritte umstrittener rechter und rechtsextremer Redner in kroatisch-katholischen Gemeinden berichtet hat, zieht das Bistum Mainz Konsequenzen.

Von Danijel Majic | Frankfurter Rundschau

Das Bistum Mainz zieht Konsequenzen aus der Berichterstattung der FR über die Auftritte rechter und rechtsextremer Redner in kroatisch-katholischen Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet. Wie das Bistum auf FR-Anfrage mitteilte, hat der Mainzer Generalvikar Udo Markus Bentz das Gespräch mit dem Leiter des Büros der Kroatenseelsorge, Pfarrer Ivica Komadina, gesucht. Man sei darin übereingekommen, dass die Räumlichkeiten der kroatischsprachigen Gemeinden „geistliche Zentren“ seien und nicht für politische Zwecke genutzt werden sollen. „Insbesondere dann nicht, wenn dabei extreme politische Ansichten vertreten werden“, heißt es in der Antwort des Bistums. Dies solle allen Seelsorgern der kroatischen Gemeinden in Deutschland deutlich kommuniziert werden.

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Erdoğan hat einen neuen Fanklub in Bayern

Bild: Magazin „The Economist“
  • Die Allianz Deutscher Demokraten hat in Augsburg den Regionalverband Schwaben gegründet.
  • Die Gründung des Regionalverbandes Mittelfranken soll Anfang März folgen.
  • Die Allianz Deutscher Demokraten will eine Partei für alle Einwanderer sein. Bisher fiel sie vor allem durch ihre inhaltliche Allianz mit türkischen Propagandamedien auf.

Von Stefanie Schoene | Süddeutsche Zeitung

In München und Oberbayern ist die Allianz Deutscher Demokraten (AD-Demokraten) nirgendwo untergekommen, um sich zu gründen, also hat sie in Augsburg angefangen: 14 Mitglieder fanden sich am Samstag zur Gründung des Regionalverbandes Schwaben im Augsburger Begegnungszentrum Zeughaus ein.

Aydin Bük, der neue erste Vorsitzende, erklärte, die AD-Demokraten hätten in Bayern bisher 200 Mitglieder, davon 50 aus Schwaben. Bük will jetzt Unterstützer in Schwaben sammeln, damit die Partei auch mit Kandidaten zur Landtagswahl antreten kann. Für die Zulassung sind laut Bundeswahlgesetz 2000 Unterschriften nötig. Die Gründung des Regionalverbandes Mittelfranken soll Anfang März folgen.

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Humanitäre Helfer in Syrien verlangen Sex für Essen

foto: reuters / rodi said Frauen vor einem Flüchtlingslager in Syrien. Dort, wo sie Schutz vor dem Bürgerkrieg suchten, werden sie seit Jahren sexuell ausgebeutet.
2015 gab es erste Berichte, dass geflüchtete Frauen ausgebeutet werden. Hilfsorganisationen versprachen Besserung, doch es hat sich nichts geändert

derStandard.at

Immer wieder seit 2011, seit in Syrien der Bürgerkrieg tobt, gibt es Berichte über Vergewaltigungen und sexuelle Ausbeutung von syrischen Mädchen und Frauen. Die Uno sprach davon, dass das von Kämpfern gern als „Kriegswaffe“ eingesetzt wird, um die Bevölkerung zu unterdrücken. Auch andere Menschenrechts- und Hilfsorganisationen wiesen auf derartige Verbrechen durch Kriegsteilnehmer hin. Weniger bekannt ist, dass sich auch humanitäre Helfer an Frauen vergangen haben – und es laut einem Bericht noch immer tun.

Es war im Jahr 2015, erzählte die britische humanitäre Helferin Danielle Spencer am Dienstag der BBC, als sie solchen Vorwürfen nachgegangen war. Spencer arbeitete von 2014 bis 2015 in syrischen Flüchtlingscamps. „Es waren viele Frauen unterschiedlichen Alters betroffen“, erzählt sie über die Situation im Süden des Landes.

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CDU und CSU beschließen Kooperationsverbot mit der AfD

Dobrindt (li.) und Kauder (re.) beäugen die AfD im deutschen Bundestag skeptisch. – APA/AFP/dpa/MAURIZIO GAMBARINI
Die Unionsabgeordneten wollen in dieser Legislaturperiode nicht mit der AfD zusammenarbeiten. Eine Maßnahme, die auch für eine andere Parlamentsfraktion weiterhin gelten soll.

Die Presse.com

Die Bundestagsfraktion von CDU und CSU in Deutschland hat am Dienstag beschlossen, in dieser Legislaturperiode nicht inhaltlich mit der rechtspopulistischen AfD zusammenzuarbeiten. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, hieß es in Teilnehmerkreisen. Das bedeute, dass man etwa keine gemeinsamen Anträge erarbeiten oder vorlegen werde. Mit der Linkspartei gab es bereits ein Kooperationsverbot, das erneuert wurde.

Sowohl Unions-Fraktionschef Volker Kauder als auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt hatten Äußerungen von AfD-Politikern zuvor scharf kritisiert. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir Gründe erleben werden in den nächsten Wochen oder Monaten, die eine Rechtfertigung der Beobachtung von Personen aus der AfD möglich machen werden“, sagte etwa Dobrindt mit Blick auf eine Beobachtung des Verfassungsschutzes. Er sehe es als seinen Auftrag an, dass die AfD im nächsten Bundestag nicht mehr vertreten sei.

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„Unrecht und Unfreiheit nehmen sich jeden Raum, den man ihnen lässt“

Der Streit um Böhmermanns „Schmähgedicht“ geht in Hamburg in die nächste Runde. (Foto: dpa)
Das OLG Hamburg verhandelt, ob Böhmermanns Schmähgedicht Erdoğans Rechte verletzt. Der Moderator nutzt die Chance, um der Bundesregierung ins Gewissen zu reden.

Von Annette Ramelsberger | Süddeutsche Zeitung

Eigentlich ist es nur ein Zivilgerichtsverfahren, zweite Instanz. Eigentlich nur ein Streit darüber, wie weit Kunst gehen darf. Aber offenbar sehen sich die Streitparteien in einem politischen Stellvertreterkrieg: Hier der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan, der angeblich die Ehre seines Landes verteidigt; dort der Fernsehsatiriker Jan Böhmermann, der die freie Welt gegen Erdoğans Meinungsdiktatur beschützen will. So hört es sich zumindest an.

Böhmermann hat eine persönliche Erklärung verfasst, eine Erklärung, in der er sich als Mahner sieht und der Bundesregierung ins Gewissen redet: Berlin habe viel zu zurückhaltend auf Erdoğans Kritik an Satire, nicht nur seiner, reagiert. „Unrecht und Unfreiheit nehmen sich jeden Raum, den man ihnen lässt. Es ist daher meine tiefe Überzeugung, dass dem Unrecht, der Unfreiheit und der Unterdrückung nicht mit Zurückhaltung begegnet werden darf.“ Ganz ohne Zurückhaltung sprach er dann von Erdogans „Schrumpelklöten“.

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Erzbistum Berlin registriert neue Vorwürfe sexuellen Missbrauchs

Allein im Jahr 2017 seien sechs neue Vorwürfe erhoben worden, heißt es in einem am Dienstag vorgelegten Report.

evangelisch.de

Das Erzbistum Berlin berichtet von neuen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gegen Kirchenmitarbeiter. Mit den sechs neuen Vorwürfen aus dem Jahr 2017 lägen dem Erzbistum insgesamt 59 Meldungen über möglichen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen durch Kleriker, Ordensangehörige und andere Mitarbeitern im kirchlichen Dienst vor. Die Fälle reichten bis 1947 zurück, einige der Verdächtigen seien bereits gestorben. Seit 2002 werden Verdachtsfälle systematisch erfasst und in Jahresberichten dokumentiert.

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Proxima B May Not Be Such a Great Second Home For Humanity After All

Image: MOTHERBOARD
Since its discovery was announced in the summer of 2016, the exoplanet Proxima b has been the darling of post-Earth dreamers hoping to find new homes for humanity (within a reasonable cosmic commute).

Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Proxima b seemed like the perfect fit—it is Earth-sized and orbits within the habitable zone of the closest star to the Sun, the M-class red dwarf Proxima Centauri, which is four light years distant. These bonuses have made it a central target of the $100 million Breakthrough Starshot mission, funded by billionaire Yuri Milner, which aims to send tiny spacecraft to other star systems.

But from the get-go, many scientists have raised red flags about the potential habitability of Proxima b, focusing in particular on the proclivities of red dwarfs. Though these stars outlive stars like the Sun for billions of years, they also commonly barf out highly energetic flares capable of irradiating nearby planets into sterility.

Now, research led by Meredith MacGregor, an astronomer at the Carnegie Institution for Science, confirms this hunch with a detection of a colossal flare from Proxima Centauri that occurred on March 24, 2017. In a paper published Monday in the Astrophysical Journal Letters, MacGregor and her co-authors present observations of the event, recorded by the Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) in Chile.

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