Mehr Angriffe auf Juden in Frankreich

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo (dahinter) gedenken am 7. Januar des Überfalls auf einen koscheren Supermarkt in Paris drei Jahre zuvor. (Bild: EPA/CHRISTIAN HARTMANN)
Der Antisemitismus ist in Frankreich ein besorgniserregendes Phänomen geblieben. Die Zahl der Gewaltakte gegen Juden hat 2017 sogar zugenommen.

Von Nikos Tzermias | Neue Zürcher Zeitung

Anfang Woche ist in Sarcelles, einer Pariser Vorstadt, ein achtjähriges jüdisches Kind, das eine Kippa trug, am frühen Abend auf dem Weg zu seinem Nachhilfeunterricht von zwei Teenagern mit Migrationshintergrund auf offener Strasse angegriffen und mit Fusstritten malträtiert worden. Der Übergriff war kein Einzelfall. Vielmehr hat sich eine neuen Welle von Antisemitismus in Frankreich abgezeichnet, weshalb auch alle hiesigen Spitzenpolitiker – vom Staatspräsidenten Emmanuel Macron bis hin zur Ultranationalistin Marine Le Pen – den neusten Vorfall scharf verurteilten. Macron sprach von einem Angriff auf die ganze Republik.

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UN-Expertin sieht bei Rohingya-Krise „Anzeichen für Völkermord“

Die UN-Sonderberichterstatterin für Myanmar, Yanghee Lee, sieht in dem gewaltsamen Vorgehen der Armee gegen die muslimischen Rohingya „Anzeichen für einen Völkermord“. Eine definitive Aussage könne sie jedoch nicht treffen, bevor ein internationales und glaubwürdiges Gericht Beweise abgewogen und eine Entscheidung gefällt habe, sagte die Südkoreanerin am Donnerstag in Seoul nach Gesprächen mit Rohingya-Flüchtlingen. Myanmar hatte der UN-Diplomatin die Einreise verweigert.

evangelisch.de

Beim Vorgehen gegen Rohingya und andere Minderheiten in Myanmar zeige sich ein „festgelegtes Muster an Herrschaft, Aggression und Gewalt“, betonte Lee nach Besuchen in Thailand und Bangladesch. Etwa 800.000 Rohingya sind wegen der Militärgewalt im Oktober 2016 und seit Ende August 2017 nach Bangladesch geflohen. Die Fluchtbewegung dauert weiter an.

Eine Rückführung der Rohingya hält Lee derzeit für verfrüht. Lee zufolge sagten viele Rohingya, sie würden nur zurückkehren, wenn sie Bürgerrechte erhielten und für ihre Sicherheit garantiert werde.

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„Das ist nicht christlich, das ist nicht sozial. Das ist komplett absurd“

Bild: bb
  • Nach einer teils erbitterten Debatte hat der Bundestag dem Gesetzentwurf von Unionsparteien und SPD zum Familiennachzug zugestimmt.
  • Bis zum 31. Juli soll der Familiennachzug für Flüchtlinge mit subsidiärem Schutzstatus ausgesetzt bleiben, dann soll er auf 1000 Menschen pro Monat begrenzt werden.
  • Die Regierungskoalition spricht von einem akzeptablen Kompromiss, die Opposition von einem „Trauerspiel zulasten der Menschlichkeit“.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche Zeitung

„Es geht um Humanität und Verantwortung“, betonte Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Und darum, einen Kompromiss zu akzeptieren, der den Beteiligten einiges abverlangt hätte. Das hat die Mehrheit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag nun getan. Sie haben dem Gesetzentwurf zum Familiennachzug von Flüchtlingen zugestimmt, den die Unionsparteien und die SPD gemeinsam eingebracht hatten.

Für den von der Unionsfraktion eingebrachten Gesetzentwurf stimmten 376 Abgeordnete. Dagegen stimmten 298 Bundestagsmitglieder. Vier enthielten sich. CDU, CSU und SPD haben zusammen im Bundestag 399 Sitze.

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Ismail Tipi kritisiert Katjes-Werbung mit Hidschab-Frau

„Es spricht nichts dagegen, dass das Unternehmen auch junge Musliminnen ansprechen möchte, doch sollte sie das nicht durch eine Frau mit Hidschab tun. Die meisten Musliminnen sind keine Kopftuchträgerinnen – Solche Werbung macht Salafismus hoffähig

kath.net

Das Unternehmen Katjes hat eine neue Werbekampagne „Achte mal drauf!“ gestartet. Eines von drei Werbeclips zeigt eine junge muslimische Frau mit Hidschab, die Werbung für die veganen Produkte macht. Das hat nun eine große mediale Debatte ausgelöst.

„Ich finde es unglücklich, dass „Katjes“ diese Werbung gemacht hat. Das Unternehmen möchte damit Profit generieren und übersieht, dass sie einen Keil in das gesellschaftliche Leben treibt. Mit solch einer auf Gewinnorientierung ausgelegten Werbung schafft man nur eine Plattform für eine uns nicht eigene Kultur und für Tendenzen, die nicht unbedingt dienlich für unser Zusammenleben sind“, so der hessische Landtagsabgeordnete und CDU-Integrationsexperte Ismail Tipi.

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Pentagon: Geforderte Mini-Nukes nicht als Antwort auf einen Cyberangriff

Abwurftest einer B61-12. Bild: USAF
Im neuen Nuclear Posture Review fordert das Pentagon mehr Atomwaffen mit geringer Sprengkraft und droht den Einsatz von Atomwaffen auch bei einem Angriff mit „nicht-nuklearen Waffen“

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Am 2. Februar wird der neue Nuclear Posture Review (NPR) erscheinen, in dem das Pentagon unter der Präsidentschaft von Donald Trump die Atomwaffenstrategie der USA formuliert. Vor kurzem wurde eine vorläufige Version bekannt. Neu ist vor allem, dass das Pentagon über mehr taktische Atomwaffen mit geringer Sprengkraft und eine atomare Langstreckenrakete verfügen will, die von einem U-Boot abgefeuert wird. Zudem wird der Einsatz von Atomwaffen auch als Reaktion auf einen größeren Angriff mit nicht-nuklearen Waffen angedroht.

Offenbar hatte es darüber einige Aufregung gegeben. So wurde spekuliert, dass auch als Vergeltung auf einen Cyberangriff mit taktischen Atomwaffen zurückgeschlagen werden könnte. Gestern versicherte der Luftwaffengeneral Paul Selva, Vizevorsitzender der Joint Chiefs of Staff, es sei nicht wahr, wenn Menschen behaupten, „dass wir diese taktischen Atomwaffen haben wollen, um auf einen Cyberangriff zu reagieren, weil wir so schlecht bei der Cybersicherheit seien“. Es heiße lediglich, dass die US-Streitkräfte ihr Recht wahren, Atomwaffen einzusetzen, „wenn unsere nationalen Interessen, unsere Bevölkerung oder Infrastruktur mit bedeutsamen Folgen angegriffen werden“.

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Oberbayern: Wie Gift ins Blut der Menschen in Emmerting kam

Karin Fraundorfer will das mit dem PFOA jetzt genau wissen. (Foto: Matthias Köpf)
  • Die Menschen in Emmerting im Landkreis Altötting sind mit Perfluoroctansäure belastet.
  • Der Stoff wird meist PFOA genannt und steht im Verdacht, vor allem Hoden- oder Nierenkrebs auszulösen. Von 2020 an wird er in der EU komplett verboten.
  • PFOA wurde von 1968 bis 2003 im Chemiepark Gendorf bei Burgkirchen hergestellt.

Von Matthias Köpf | Süddeutsche Zeitung

Karin Fraundorfer ist eine von den wenigen, die es schon wissen. Sie hat sich schon im November von ihrem Hausarzt Blut abnehmen und ins Labor schicken lassen, auf eigene Kosten. Vor Kurzem ist das Ergebnis gekommen. Der Wert ist ungefähr zwölfmal so hoch wie die Konzentration, die offiziell als unbedenklich gilt. Karin Fraundorfer ist klar, dass ihr dieses Wissen eigentlich nichts hilft, und wenn sie sich bewusst macht, wie sich das anfühlt, dann kann sie die Tränen nicht mehr zurückhalten.

Aber sie ist keine, die still weiterleiden würde. Sie isst seit 40 Jahren nur bio, lebt im Ruhestand und hat Zeit. Und sie ist eine, die es jetzt wissen will, so wie andere auch im Landkreis Altötting. Wie also ist diese Perfluoroctansäure in ihre Körper gelangt, in ihr Blut? Und warum erfahren sie das alles erst jetzt?

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Hamburg: Islam-Staatsvertrag – ein „Kriegstreiber“ als Partner des Senats

Schura-Vorstand Mustafa Yoldas steht nach seinen Äußerungen in der Kritik. Foto: picture alliance / dpa
Die Debatte um den Islam-Staatsvertrag ist neu entfacht – und wie! Hamburgs Opposition läuft Sturm gegen die Senatsvereinbarung mit muslimischen Religionsgemeinschaften und bezeichnet dabei Schura-Chef Mustafa Yoldas sogar als Kriegstreiber!

Von Mike Schlink, Mathis Neuburger | Hamburger Morgenpost

Auslöser sind mehrere provokante Facebook-Einträge des Vorsitzenden des Rats der Islamischen Gemeinschaften. Der hatte die türkische Militär-Offensive in Syrien mit teils martialischen Worten befürwortet. „Wenn ich mir angucke, wer sich sabbernd und bellend unserem Staat, unserem Volk und unserer Armee entgegenstellt, dann bin ich der Auffassung, dass man diesen Einsatz unterstützen sollte“, schrieb Yoldas. Den aufkommenden Shitstorm von Kritikern mähte er Stunden später nieder, bezeichnete diese als „Terrorversteher“.

„Skandal“: Lutherischer Bischof kritisiert Abschiebung von Christen

Mit scharfen Worten hat der leitende Geistliche der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Bischof Hans-Jörg Voigt, die derzeitige Abschiebepraxis in Deutschland kritisiert. „Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitet seit einiger Zeit auf Hochtouren daran, tausende Ablehnungs- und Abschiebebescheide für konvertierte christliche Flüchtlinge auszustellen“, so der Bischof.

jesus.de

In Ländern wie dem Iran oder Afghanistan müssten Christen aber um ihr Leben fürchten, so der Bischof. Dass Deutschland zum Christentum konvertierten Moslems aus diesen Staaten immer häufiger Asyl verweigere, sei ein „Skandal, der sich in aller Stille mitten unter uns abspielt“, schreibt Voigt in einer Stellungnahme der SELK. Der Glauben dieser Menschen werde durch das BAMF „völlig willkürlich bewertet“.

In den Abschiebebescheiden heiße es zum Beispiel: „Die Ausführungen zur derzeitigen Glaubenspraxis des Antragstellers, also der Kirchenbesuche, sind durchaus glaubhaft und nachvollziehbar. Eine enge persönliche Gottesbindung mit dem dauerhaften, ernsthaften Bedürfnis, ein zentral christlich geprägtes Leben weiterhin in Deutschland und dann auch in der Heimat zu führen, ist jedoch daraus nicht überzeugend erkennbar.“ Voigt: „Wo bleibt der Aufschrei des Entsetzens in diesem Land darüber, dass eine Behörde den Glauben von Menschen bewertet und ihnen mit einem Federstrich zumutet, ihren Glauben in ihrem Heimatland zu verleugnen?“

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Eine ‚Deckungslücke‘ von 29 Millionen im Bistum Trier

Bild: tilly
Kirchensteuer-Einnahmen im Bistum Trier steigen jedes Jahr, trotzdem kommt man mit dem Geld nicht aus – Nach 10 Millionen 2016 und 20 Millionen 2017 wird man 2018 eine „Deckungslücke“ von 29 Millionen haben – Bistum: Schuld sei niedriges Zinsniveau

kath.net

Das Bistum Trier hat bei der Vorstellung seines diesjährigen Haushaltsplans angekündigt, dass das Bistum trotz vieler Millionen an Kirchensteuereinnahmen auch 2018 wieder mit einem millionenschweren Defizit abschließen werde. Man rechne mit einer Lücke von 29 Millionen Euro. Bereits im Vorjahr gab es eine „Deckungslücke“ von 20 Millionen Euro, im Jahr davor waren 10 Millionen Euro. Für die veranschlagten Verluste müssen Rücklagen aufgelöst werden. Dies berichtet der „Trierische Volksfreud“. Möglicherweise werden jetzt im Bistum Trier auch Schulen oder katholische Kindergärten zusperren müssen.

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Evangelisches Jugendmagazin „EJaktuell“ – warum nicht „EJakulat“

Der Titel dieses Evangelischen Jugendmagazins ist eher fragwürdig. Foto: Evangelische Jugend Pfalz
  • Der Name eines evangelischen Jugendmagazins sorgt im Netz für Spott
  • „EJaktuell“ ruft bei vielen sexuelle Assoziationen hervor

DERWESTEN

Kirche und Sexualität – das ist seit jeher eine pikante Kombination. Der Titel eines evangelischen Jugendmagazins könnte diese beiden Themen nicht offensichtlicher verbinden – und sorgt damit im Netz für ordentlich Spott und Hohn.

„EJaktuell“ ist der Name des Magazins der Evangelischen Jugend Pfalz. Viele Internetnutzer machen sich nun darüber lustig.

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Bakterium produziert Goldnuggets

Diese winzigen Godlnuggets hat eine Mikrobe produziert: das Bakterium Cupriavidus metallidurans. © TU München
Goldklümpchen am Zellrand: Eine kleine Mikrobe spielt eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Goldlagerstätten. Denn das Bakterium Cupriavidus metallidurans wandelt lösliche Goldverbindungen in feste Goldnuggets um – und das, ohne sich dabei zu vergiften. Wie Forscher herausgefunden haben, ermöglicht ein spezielles Enzym der Mikrobe, das Gold in die harmlosen Goldklümpchen zu überführen. Sie kann das Edelmetall so anreichern, ohne daran zugrundezugehen.

scinexx

Das Edelmetall Gold ist begehrt – und rätselhaft. Denn bis heute ist nur in Teilen geklärt, warum Gold in der Erdkruste insgesamt zwar selten ist, es aber trotzdem an manchen Stellen große Erzlagerstätten gibt. Lange vermuten Forscher, dass diese Goldlagerstätten durch rein geologische Prozesse wie Erdbeben odergeochemische Reaktionen an heißen Quellen entstanden sind.

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AfD-Mann Wagner: „Wenn du den Islam angefasst hast, kannst du nicht Nein sagen“

AfD-Mitglied Arthur Wagner legte seine Posten nieder und konvertierte zum Islam. Bei einer Pressekonferenz erklärt der Russland-Deutsche, er wolle auch weiterhin Mitglied der rechtspopulistischen Partei bleiben. Quelle: WELT/Lukas Axiopoulos
Ein Vorstandsmitglied der AfD Brandenburg nimmt den muslimischen Glauben an – zum Ärger der Partei. In einer Potsdamer Kneipe erklärt der Konvertit, wie es dazu kam. Und die Zuhörer fragen sich: Macht der Mann Witze?

Von Ricarda Breyton | DIE WELT

30 Minuten nach Beginn der Pressekonferenz hebt ein Mann in der ersten Reihe seine Hand. „Ist das alles Ihr Ernst?“, fragt er. „Oder kommen Sie von Böhmermann?“ Der Frager ist ein Journalist. Und der Gefragte ist Arthur Wagner aus Falkensee. Wagner möchte an diesem Mittwochabend der Presse erklären, warum er – ein ehemaliges Vorstandsmitglied der AfD Brandenburg – zum Islam übertrat.

Das einstündige Gespräch in einer Potsdamer Gaststätte ist eine Herausforderung für die Vorstellungskraft. Immer wieder werfen sich Journalisten fragende Blicke zu. Einige rollen mit den Augen. Und eine Frau flüstert: „Der ist doch undercover hier.“ Wie soll das auch gehen, dass ein Mann den Islam verbreiten will – und gleichzeitig die Agenda der AfD?

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Tariq Ramadan in Paris in Haft

Schweizer Islamwissenschaftler und Publizist, Tariq Ramadan. (Bild: Stephane Mahe / Reuters)
Der Genfer Islamwissenschafter Tariq Ramadan ist am Mittwoch in Paris in Polizeigewahrsam genommen und von den Justizbehörden verhört worden.

Von Nikos Tzermias | Neue Zürcher Zeitung

Zwei Frauen hatten Ramadan im vergangenen Oktober in Frankreich wegen brutaler Vergewaltigungen in den Jahren 2009 und 2012 angeklagt, worauf die Justizbehörden Vorermittlungen in die Wege geleitet hatten. In diesem Rahmen wurde der 55-jährige Ramadan, der die Vorwürfe bestritt, jetzt in Untersuchungshaft genommen, die bis zu 48 Stunden dauern kann.

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Islamwissenschaftler erforschen türkischen Atheismus

Fordert Atheismus die herrschende Elite der Türkei heraus, sofern er im öffentlichen Raum sichtbar ist? Fragen wie diese stehen im Fokus eines neuen Forschungsprojektes, das seit Kurzem am Marburger Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) angesiedelt ist. Das Vorhaben mit dem Titel „Glücklich ist derjenige, der sich Atheist nennt – Atheismus und die politische Bedeutung von Kultur in der zeitgenössischen Türkei“ ist Teil des Programms „Blickwechsel: Studien zur zeitgenössischen Türkei“ der „Stiftung Mercator“, welche die Arbeit am Fachgebiet Islamwissenschaft mit 300.000 Euro fördert.

Johannes Scholten Stabsstelle Hochschulkommunikation
Philipps-Universität Marburg

„Die Bedeutung des Themas Atheismus ist im Zusammenhang mit dem Kulturkampf zu sehen, der sich gegenwärtig in der Türkei vollzieht“, sagt der Islamwissenschaftler Dr. Pierre Hecker, der das Vorhaben leitet. Schon seit geraumer Zeit strebe die herrschende Elite danach, die von ihr favorisierte Kultur eines frommen Konservatismus zur gesellschaftlichen Norm zu erheben, um auf diese Weise ihre politische Macht in Staat und Gesellschaft zu festigen.

„Wir verstehen Kultur als ein Feld politisch-ideologischer Auseinandersetzungen“, führt der Islamwissenschaftler aus. Moralisch-religiös sensible Themen wie Nacktheit, Sexualität, Alkoholkonsum, Evolutionsbiologie oder Religionskritik unterlägen in der Türkei in zunehmendem Maße einer systematischen Verbannung aus Bildung und Medien; gleichzeitig ließen sich eine Stärkung religiöser Bildungsangebote durch den Staat ebenso beobachten wie eine zunehmende Sichtbarkeit religiöser Referenzen und Symboliken in Politik und Gesellschaft. „Das erklärte Ziel der Erziehung einer neuen, religiösen Generation stellt das bisherige Modell des türkischen Säkularismus und die sich aus diesem speisende nationale Identität zunehmend in Frage“, erläutert Projektleiter Hecker. Praktiken eines nicht-religiösen Lebensstils werden in diesem Kontext als widerständig betrachtet.

Wie Hecker erklärt, existiert bislang so gut wie keine Sekundärliteratur zum Thema Atheismus in der Türkei. Es gebe zwar Daten zu religiöser Zugehörigkeit, die von verschiedenen Meinungsforschungsinstituten erhoben worden seien, diese Daten seien meist aber nur bedingt zuverlässig.

„Das Projektteam analysiert den öffentlichen Diskurs um Atheismus unter anderem über eine systematische Auswertung von Twitter-Daten“, legt Hecker dar, „etwa zum Umgang mit nichtreligiösen Lebensweisen während des Fastenmonats Ramadan, volksverhetzenden Äußerungen von Politikern und Geistlichen gegen Atheistinnen und Atheisten oder dem Gerichtsprozess gegen den international renommierten Komponisten und selbsterklärten Atheisten Fazıl Say“.

Das CNMS kooperiert bei diesem Vorhaben mit Wissenschaftlern zweier Istanbuler Hochschulen, nämlich mit Professor Dr. Kaya Akyıldız von der Bahçeşehir Universität und mit Professor Dr. Ivo Furman von der Bilgi Universität. Vom 14. bis 16. Februar 2018 veranstaltet das CNMS in Marburg einen internationalen Workshop unter dem Titel „The Politics of Culture in Contemporary Turkey“, in dem es um die Frage geht, welche politische Bedeutung dem Feld der Kultur in der aktuellen Auseinandersetzung um Hegemonie und Widerstand in der Türkei zukommt.

Mit ihrem Programm „Blickwechsel. Studien zur zeitgenössischen Türkei“ versucht die „Stiftung Mercator“ zu einem differenzierteren Bild der Türkei beizutragen, dessen Verhältnis zu Deutschland und Europa derzeit stark von tagespolitischen Ereignissen belastet erscheint. Die Stiftung Mercator fördert außerdem den Austausch von Journalisten, Kulturmanagern, Wissenschaftlern, Nachwuchsführungskräften und einer Reihe von zivilgesellschaftlichen Akteuren zwischen Europa, Deutschland und der Türkei.

Das Marburger Centrum für Nah- und Mittelost-Studien bündelt seit zehn Jahren die nahostbezogenen Kompetenzen in Hessen. Philologisch und historisch ausgerichtete Professorinnen und Professoren lehren und forschen hier zusammen mit gesellschafts- und wirtschaftswissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Pierre Hecker,
Centrum für Nah- und Mittelost-Studien
Tel.: 06421 28-24957
E-Mail: pierre.hecker@staff.uni-marburg.de

Projektinformationen beim CNMS: http://www.uni-marburg.de/cnms/aktuelles/news/2016-11-atheismus-tuerkei

Projektinformationen bei der Mercator-Stiftung: http://www.blickwechsel-tuerkei.de/de/Projekte/aktuell/Atheismus/index.php

Erdogan schickt Pilger mit türkischen Fahnen nach Ost-Jerusalem

Bild: Magazin „The Economist“
Die Türkei protegiert die Palästinenser und schickt Pilger mit türkischen Fahnen nach Ostjerusalem. Damit wird der Konflikt um den Jerusalemer Tempelberg zusätzlich befeuert.

Von Joseph Croitoru | Frankfurter Allgemeine

Im Konflikt um den Jerusalemer Tempelberg mischt in letzter Zeit auf muslimischer Seite ein neuer Akteur mit. Es ist die Türkei, deren Regierung die Verteidigung der dortigen Moscheen vor dem Griff des, wie Präsident Erdogan ihn derzeit nennt, israelischen „Terror- und Besatzungsstaats“ zur Chefsache erhoben hat. So finden auf dem Berg immer häufiger türkische Pilger und palästinensische Erdogan-Verehrer zu lauten Demonstrationen zusammen, bei denen türkische Nationalfahnen geschwungen und Erdogan-Poster hochgehalten werden. Manche von ihnen tragen ostentativ den Fez, die in osmanischer Zeit übliche Kopfbedeckung. Wegen solcher politischen Symbole kam es im Dezember bereits zu einem Zwischenfall, der beinahe eine diplomatische Krise ausgelöst hätte. Als israelische Polizisten einigen belgisch-türkischen Aktivisten, die als türkische Flagge aufgemachte rote T-Shirts trugen, den Zutritt zum Moscheenareal verweigerten, wurden die Türken handgreiflich. Sie wurden daraufhin verhaftet und kurze Zeit später des Landes verwiesen.

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Katarina Witt unterstützt Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche

Bild: Potsdam ohne Garnisonkirche/FB

Der Wiederaufbau des Turms der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Potsdamer Garnisonkirche hat eine neue prominente Unterstützerin.

EKD

Eiskunstlaufstar Katarina Witt sei der Fördergesellschaft für das Bauvorhaben beigetreten, sagte der Sprecher der Baustiftung, Wieland Eschenburg, beim Neujahrsempfang von Stiftung und Fördergesellschaft: „Da haben wir einen Goldschatz bekommen.“ Zu möglichen Spenden der Schauspielerin und TV-Moderatorin, die als DDR-Sportlerin mehrfach Olympia-Siegerin und Weltmeisterin war, wollte sich Eschenburg nicht äußern.

Für den nach Stiftungsangaben rund 38 Millionen Euro teuren Wiederaufbau des Turms fehlen weiter rund zehn Millionen Euro, sagte Eschenburg. Mit den Vorarbeiten für die Errichtung einer rund 27 Millionen Euro Grundvariante ohne Schmuckelemente und Turmhaube wurde im vergangenen Herbst unter starken Protesten begonnen. Der Hochbau, der sich am historischen Vorbild orientiert, soll in diesem Jahr starten.

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Der Westen darf Afghanistan nicht vergessen

Sprengstoff im Krankenwagen: Nach einem Anschlag im Herzen von Kabul am Wochenende tragen freiwillige einen Verletzten davon. (Foto: AFP)
Sonst wird der Terror weiter den Alltag der Afghanen verwüsten. Deutschland, aber vor allem die USA müssten endlich Konsequenzen ziehen.

Von Tobias Matern | Süddeutsche Zeitung

Der Mensch entzieht sich gerne unangenehmen Situationen. Seine Psyche hält dafür einen Schutzmechanismus bereit: die Verdrängung. Dabei wird ein Sachverhalt ausgeblendet, in der Hoffnung, das Problem erledige sich von allein. Meist tritt das Gegenteil ein: Das Problem verschärft sich.

Auch in der internationalen Politik lässt sich das Phänomen der Verdrängung studieren, zur Zeit besonders an einem Beispiel – an Afghanistan. Dieses Land beflügelte einst Fantasien, früher bei den Hippies, die in Kabul kifften, später bei einer rot-grünen Bundesregierung, die sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten der außenpolitischen Reifeprüfung stellen wollte.

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This ‘Skin’ Is as Hard as Artificial Tooth Enamel and Can Heal Itself

Image: Yang et al
In 1941, George de Mestral, a Swiss engineer, noticed his dog was covered in burrs after a long walk in the Alps. Fourteen years and many microscope slides later, de Mestral patented the hooked design for Velcro, inspired by the burrs. Velcro is probably the most well-known form of biomimicry, or human-made designs based on natural structures.

By Rebecca Flowers | MOTHERBOARD

Since then, slug mucus has inspired surgical glue, lotus leaves have helped create self-cleaning surfaces, and spider silk has been harnessed to create super-strong fibers.

The most recent iteration is a self-healing polymer that mimics human skin and is as hard as artificial tooth enamel, described in a study published today by ACS Nano.

“We have been always amazed by the power of nature to create sophisticated structures using [the] most elegant way,” Ming Yang, the senior author on this study and professor at the Harbin Institute of Technology in China, told me via email. Yang and his co-authors modeled the material they developed after human skin, setting out to create a polymer that is both self-healing and hard.

When the epidermis, the thick outermost layer of skin, is damaged, cells from the softer layer underneath migrate to the top to heal the injury, hardening and becoming dead cells to protect the live layers beneath.

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Kann man beweisen, dass Gott existiert?

Gott hat in der Wissenschaft nichts verloren. Oder? Ein Theologe erklärt, ob es einen Gottesbeweis gibt und wie sich die Suche danach verändert hat.

Von Jakob Simmank | ZEIT Campus

Wir glauben an die Wissenschaft. Daran, dass ein Wassermolekül aus zwei Atomen Wasserstoff und einem Atom Sauerstoff besteht und Meteorologen das Wetter besser vorhersagen als der Heubauer auf der Alm. Da ist kein Platz mehr für den Glauben an Gott. Oder?

In der Serie Jung und Gott gehen wir der Frage nach, wie wir heute glauben – und warum wir so wenig darüber sprechen. Dazu gehört auch die Frage, ob es Gott gibt, ob man seine Existenz beweisen oder widerlegen kann. Die Antwort kennt Dirk Evers. Er setzt sich als Theologieprofessor der Uni Halle-Wittenberg und Präsident der European Society for the Study of Theology and Science seit Jahren damit auseinander, ob Glaube und Wissenschaft vereinbar sind.

ZEIT Campus ONLINE: Herr Evers, der Anthropologe Robert J. Priest hat einmal gesagt: „Für Akademiker ist es ganz einfach, sich zu diskreditieren. Sie müssen nur sagen, dass sie religiös sind.“ Ist das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft wirklich so mies?

Dirk Evers: Mies würde ich nicht sagen. Eher: Zwischen der Naturwissenschaft und dem Glauben gibt es eine ungeheure Spannung. Der eine Wissenschaftler löst sie auf, indem Gott auch in seinem Privatleben keine Rolle mehr spielt. Für andere ist das gut miteinander vereinbar. Ein Beispiel: Der berühmte Physiker Michael Faraday war ein sehr frommer Mensch. Aber jeden Tag, wenn er betete, machte er die Tür zum Labor zu.

ZEIT Campus ONLINE: Warum?

Evers: Die Wissenschaft, vor allem die Naturwissenschaft,betrachtet die Wirklichkeit so, als gäbe es Gott nicht. Das ist eine methodische Grundannahme. Die rührt daher, dass sie sich nur auf das konzentriert, was man experimentell und empirisch überprüfen oder mathematisch modellieren kann. Da ist Gott raus. Wer versucht, Gott oder ein Wunder oder irgendwelche religiösen Zusammenhänge in der Naturwissenschaft unterzubringen, outet sich sofort als jemand, der nicht nach wissenschaftlichen Grundsätzen vorgeht.

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Wahl Dodo des Monats Januar 2018

Dodo des Monats Januar 2018 ©HFR

Kaum waren die letzten Knaller der Silvesternacht verklungen, die Raketen erloschen schritt die politisch-religiöse Bande von Ehrwürdigkeiten daran die geleerten Sprechblasen mit Unsinn, kruder Weltsicht und jeder

Menge Bullshistic zu füllen.Protestantin Merkel tat was sie in den letzten Jahren so erfolgreich ausgeübt hatte, Aussitzen, Katholik Seehofer zerfaserte sich mit seinem ungeliebten Finanzminister Söder, so dass die zweite Reihe der Hofschranzen des Kanzlerinnenamtes in die Öffentlichkeit drängen konnten. Bei zelebrieren von Tee versuchte Gabriel ein paar Rüstungsgeschäfte gut christlich an den Mann zu bringen und scheiterte grandios an der neurotischen Politik seines Kollegen aus der Türkei. Die Pfaffen der Kirchen brachten ungehinderte ihre rückwärts gewandte Weltsicht ans Wahlvolk und sehnt sich nach alten Zeiten, alter Größe und Herrlichkeit.

Die Wahl ist bis zum 07. Februar 2018, 18:00 Uhr befristet. Am folgenden Tag, wird der Gewinner gewürdigt werden.

  1.  Mustafa Yoldas, „gebt ihm einen Kampfanzug und ab ins Kurdengebiet.“
  2.  Ansgar Puff, „Willkommen im Mittelalter.“
  3.  Michael Borgholte, „verhandelt lieber mit konservativen Islam-Verbänden, Flexibilität geht anders.“
  4.  Georg Welker, „möchte die Geschichte unter der Hitler-Glocke neu deuten.“
  5.  Bernd(Björn) Höcke, „will das christliche Abendland in Istanbul retten.“
  6.  Uwe Becker, „5 Millionen Euro Steuergelder für arme, bettelnde Christenkirchen.
  7.  Manfred Scheuer „erkennt die Menschenrechte nicht an, warnt aber vor aggressiven Atheismus.“
  8.  Heinrich Bedford-Strohm, „bestimmt über Frauen, die ihn nichts angehen, mag nur Werbung für seinen imaginären Daddy.“
  9.  Franz-Josef Overbeck, „braucht die mögliche islamische Militärseelsorge um seine christliche vor dem Koma zu retten.“
  10.  Heiner Koch, „weg mit dem Berliner Neutralitätsgesetz, Freiheit für das Joch unterm Kreuz.“
  11.  Johanna Rahner, „islamische Theologie als Waffe gegen den Terror. Katholischer Größenwahn.“
  12.  Stephan Weil, „Niedersachsen braucht einen Reformationstag um die Kultur des Antisemitismus Luthers zu pflegen.“
  13.  Jens Maier, „gelebter Rassismus.“
  14.  Aiman Mazyek, „sollte endlich seine Version des Korans offenlegen.
  15.  Rainer Maria Woelki, „lebt in der Angst, dass mittels CRISPR ein Woelki geklont werden könnte.“

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