Dodo Gauck: «Wohin der Multikulturalismus geführt hat, hat mich erschreckt»


Joachim Gauck war von 2012 bis 2017 Bundespräsident von Deutschland. (Bild: Keystone / Peter Schneider)
Joachim Gauck, der frühere deutsche Bundespräsident, hält an der Universität Düsseldorf eine Rede unter dem Titel «Nachdenken über das Eigene und das Fremde». Die NZZ publiziert Auszüge davon.

Von Joachim Gauck | Neue Zürcher Zeitung

Zunächst: Heine! Er hat mich begleitet, seit ich in literarischen Texten Inspiration und Orientierung suchte. Getröstet hat er mich nur selten. Aber eine eigene Haltung zu finden, dabei hat er mich bestärkt. Und oft habe ich Konstellationen oder Menschen besser verstanden durch das, was Heine dachte und schrieb.

Ganz besonders gilt das für «die Deutschen», über die Heine schrieb – zum Beispiel über ihr besonderes Verhältnis zu dem, wonach ich mich immer sehnte: Freiheit. «Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmässiges Weib. Er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiss er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er wirft sich zu ihren Füssen mit den überspanntesten Beteuerungen. Er schlägt sich für sie auf Tod und Leben. Er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine Grossmutter.»

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