„Wir würden das Wort Wunder nie in den Mund nehmen“


Die Jungfrau von Lourdes

Innere Medizin und Geriatrie sind die Fachgebiete von Cornel Sieber. Doch nebenbei untersucht er ungewöhnliche Heilungen im Wallfahrtsort Lourdes. „Wunderprüfer“ möchte Sieber aber nicht genannt werden.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Unter den Millionen Pilgern, die in das südfranzösische Lourdes wallfahren, sind auch viele Kranke, die auf Genesung hoffen. Tatsächlich melden sich jährlich einige Dutzend Menschen, die überzeugt seien, in Lourdes von ihren Beschwerden oder einer Krankheit geheilt worden zu sein, berichtet der Altersmediziner Cornel Sieber. Der 58-Jährige gehört seit vier Jahren dem internationalen medizinischen Komitee von Lourdes (C.M.I.L.) an, das solche Fälle aus wissenschaftlicher Sicht prüft. Neben Sieber gehört nur ein weiterer in Deutschland praktizierender Arzt dem gut 30 Mitglieder starken Gremium an. Im Interview berichtet Sieber über die Arbeit im Spannungsfeld zwischen Glaube und Wissenschaft.

Frage: Professor Sieber, wie wird man Wunderprüfer von Lourdes?

Sieber: Zunächst: Wir sind keine Wunderprüfer und würden als medizinisches Komitee das Wort Wunder nie in den Mund nehmen. Das steht uns nicht an, sondern alleinig der katholischen Kirche; wir würden dadurch auch unsere Glaubwürdigkeit verlieren. Als Fachspezialisten sind wir völlig neutral und beurteilen in wissenschaftlichen Gutachten, ob ein Vorfall, der sich während einer Lourdes-Pilgerreise erreignet hat und gemeldet wird, medizinisch erklärbar ist oder nicht. Für das medizinische Komitee wurde ich damals vorgeschlagen. Voraussetzung ist eine gute Reputation und dass man fachlich und menschlich in das Gremium passt. Ich bin wohl auch deshalb ausgewählt worden, weil ich als in Deutschland tätiger Schweizer mehrere Sprachen spreche und weil Experten aus den Fachgebieten Innere Medizin und Altersmedizin gebraucht werden. Wir arbeiten für das Gremium ehrenamtlich.

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