Religion lebt von persönlichen Kontakten


Bild. Global Atheist
Jungen Menschen fehlt es heute an religiösem Wissen genauso wie an einem emotionalen Zugang zu religiöser Praxis. Dafür können sie nichts. Schon ihre Eltern wurden nicht mehr religiös sozialisiert.

Von Josef Hochstrasser | Neue Zürcher Zeitung

Die christlichen Kirchen haben ein schwerwiegendes Problem. Wie sollen sie ihre Botschaft an zukünftige Generationen weitergeben? Vor fünfzig Jahren ging das noch problemlos. Das Christentum prägte die Gesellschaft. Man besuchte am Sonntag den Gottesdienst. Die Kirchen besassen das Monopol, die Welt zu deuten. Der Islam war kein Thema. Atheisten galten als Aussenseiter. Die katholische Kirche zelebrierte ihre gemütvollen Feste: Fronleichnam, Maiandachten, Flurprozessionen. Oft trug der Soutane tragende Priester noch zum Dorfbild bei.

Um die Mitte der 1960er Jahre begann die feste Burg der Kirchen zu bröckeln. Studenten attackierten sämtliche Autoritäten. Selbst die Väter des II. Vatikanischen Konzils bewegten sich. Papst Johannes XXIII. läutete mit seinem «Aggiornamento» eine neue Ära ein. Die katholische Kirche verstand sich nicht länger mehr als ein erratischer Block in der Gesellschaft. Mutig und zugleich demütig zeigte sie sich bereit, zukünftig in einen Wettstreit der Weltanschauungen einzutreten. Schon lange zuvor bedrängten die Thesen der Reformation und der Aufklärung die Vormachtstellung der katholischen Kirche.

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