Jagdszenen in der polnischen Provinz


„Ein schönes Bild“ nannte Polens Innenminister den Aufmarsch rechter Nationalisten im November in Warschau. (Foto: REUTERS)
Wie oft er angegriffen wurde, zählt ein Tunesier nicht mehr: In Polen häufen sich Attacken auf Ausländer. Regierung und Medienhetze haben Rassismus und Rechtsextremismus hoffähig gemacht.

Von Florian Hassel | Süddeutsche Zeitung

Wenn der Winter Polens Nordosten fest im Griff hat, ist die Kleinstadt Lubawa kein Ort, der Neubürger aus dem Süden warm aufnimmt. Auf dem Marktplatz mit der Anna-Kirche aus dem 14. Jahrhundert bläst bei acht Grad unter null eisiger Wind. „Als ich hier ankam, war es wie jetzt: kalt und eisig – während in meiner Heimat die Sonne schien“, sagt Salah Slama beim Gang durch die verschneiten Straßen und zieht die Wollmütze tiefer über die schwarzen Locken.

Salah Slama floh nicht vor Krieg, Verfolgung oder Armut, als er vor fünf Jahren aus Tunesien nach Lubawa zog. Der hochgewachsene 30-Jährige kam der Liebe wegen. Zwei Jahre zuvor war Magdalena Slama, damals Ewertowska, im Urlaub in Tunesien. Sie sprach weder Arabisch noch Englisch, als sie in der Küstenstadt Sousse Slama traf, der als Kellner arbeitete. Eine Freundin übersetzte die ersten Flirts. Die Polin mit den lebhaften grünen Augen und dem blonden Haar und der Tunesier verliebten sich Hals über Kopf.

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