Für Cannabis und Alkohol müssen ähnliche Gesetze gelten

Sollte Cannabis bald eine ganz normale Zimmerpflanze sein? (Foto: Matt Masin/dpa; Bearbeitung SZ)
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert ein Ende des Cannabis-Verbots – zu Recht. Umgekehrt gehören die Regeln für andere Substanzen auf den Prüfstand, damit Alkoholismus nicht mehr achselzuckend hingenommen wird.

Von Kristiana Ludwig | Süddeutsche Zeitung

Tradition ist eine der wichtigsten Triebfedern deutscher Drogenpolitik: Über ein Feierabendbier am Tag wundert sich niemand, der Wein zum Essen gehört zum guten Ton. Auch die Tatsache, dass jeder vierte Mann, der im Alter zwischen 35 und 65 Jahren stirbt, den Folgen seines Alkoholkonsums erliegt, schockiert die Wenigsten. So weit verbreitet Alkoholismus auch sein mag, so achselzuckend wird er hingenommen. Solange es um Alkohol geht, gibt es kaum einen Zweifel an einem Recht auf Rausch.

Eine andere Nachricht löst dagegen bei vielen Erstaunen aus: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert in der Bild-Zeitung ein Ende des Cannabis-Verbots. Durch die bisher geltenden scharfen Regeln würden Konsumenten in Kontakt mit dem Schwarzmarkt kommen, argumentieren die Ermittler. Auf diese Weise könnten kriminelle Karrieren erst entstehen.

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Erlebte die Erde einen „Weltenbrand“?

Kurz nach Ende der Eiszeit könnten katastrophale Feuer auf der Erde gewütet haben – möglicherweise verursacht durch Kometentrümmer. © Pexels.com
Globale Katastrophe: Vor knapp 12.900 Jahren könnte ein wahrer „Weltenbrand“ weite Teile der Erde in Flammen gesetzt haben. Auf rund zehn Prozent der Landfläche wüteten damals Feuer, wie Analysen von Eisbohrkernen und Sedimentproben aus 170 Orten weltweit belegen. Ursache dieser gewaltigen Brände könnte die Kollision der Erde mit den Trümmern eines großen Kometen gewesen sein, wie die Forscher im Fachmagazin „Journal of Geology“ berichten.

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Schon länger rätseln Forscher darüber, weshalb das Erdklima nach dem Ende der Eiszeit noch einmal eine Art Rückfall erlebte: Vor rund 12.900 Jahren fielen die Temperaturen abrupt um mehrere Grad und es wurde trockener. Für viele große Säugetiere war dieser erneute Klimaumschwung fatal: Sie starben aus. Und auch die Menschen, die gerade erst wieder in die nördlichen Gefilde zurückgekehrt waren, könnten darunter gelitten haben.

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Bistum Eichstätt verliert bis zu 60 Millionen Dollar durch Immobilienprojekte in den USA

Bild: tilly
  • Ein Mitarbeiter der Diözese Eichstätt soll Dutzende Darlehen an US-Firmen vergeben haben, ohne diese abzusichern. Der Schaden könnte sich auf bis zu 60 Millionen Dollar belaufen.
  • Die Geschäfte fielen auf, als Wirtschaftsprüfer im Zuge einer „Transparenzoffensive“ Investitionen der Diözese in den USA überprüften.
  • Die Diözese hat Anzeige gegen den Mitarbeiter gestellt. Zwei Beschuldigte sitzen seit dem 29. Januar in Haft, die Staatsanwaltschaft München II ermittelt.

Von Nicolas Richter, Katja Riedel | Süddeutsche Zeitung

Die katholische Kirche erlebt einen neuen Finanzskandal. Durch Investitionen in amerikanische Immobilienprojekte hat die bayerische Diözese Eichstätt schlimmstenfalls bis zu 60 Millionen Dollar verloren, das wäre ein Sechstel ihres kompletten Anlagevermögens. Die Diözese hatte nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR in mehr als 30 Fällen Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben, ohne diese etwa durch eine Grundschuld abzusichern. Offenbar hat der Fall einen kriminellen Hintergrund. Seit dem 29. Januar sind zwei Beschuldigte in Haft, die Staatsanwaltschaft München II führt die Ermittlungen.

Die Diözese hatte das Strafverfahren selbst ausgelöst, indem sie im Juli 2017 Anzeige gegen einen früheren Mitarbeiter sowie gegen einen Investor erstattete wegen Verdachts auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Im Mittelpunkt steht ein damaliger Angestellter, der sich um die Geldanlagen der Diözese kümmerte.

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50-jährige Pilgerin auf Jakobsweg vergewaltigt

Spanien ist schockiert: Auf dem berühmten Jakobsweg wurde eine 50-jährige Pilgerin aus Venezuela vergewaltigt und anschließend bei eisigen Temperaturen ihrem Schicksal überlassen.

kath.net

In Spanien ist es zu einem Sexverbrechen gekommen, welches derzeit das ganze Land schockiert. Auf dem berühmten Jakobsweg wurde eine 50-jährige Pilgerin aus Venezuela vergewaltigt und anschließend bei eisigen Temperaturen ihrem Schicksal überlassen. Die Tat ereignete sich in der Nähe von Portomouro, nördlich von Santiago de Compostela. Dies berichtet die Zeitung „La Voz de Galicia“. Die 50-Jährige wurde bei ihrem Fußmarsch von zwei unbekannten Männern in ein Auto gezerrt und dort missbraucht. Später wurde die Pilgerin auf einem Feld ausgesetzt. Die geschockte Frau konnte sich noch ins nächste Dorf schleppen und fand dort Hilfe. Derzeit fahndet die die Guardia Civil nach den beiden Tätern.

Erdogan umwirbt den Papst

Präsident Erdogan und Papst Franziskus im November 2014. (Bild: Alessandro Di Meo / EPA)
Der türkische Staatschef sieht im Pontifex einen Verbündeten in der Jerusalem-Frage. Franziskus dürfte seinen Gast in Rom derweil ermahnen, die Rechte der christlichen Minderheit zu respektieren.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Das türkische Staatsoberhaupt hat sein Reiseprogramm für Februar gestrafft. Ein geplanter Abstecher nach Lateinamerika wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, vermutlich wegen der türkischen Armeeoffensive in Nordsyrien. Festhalten wollte Recep Tayyip Erdogan indes am Termin im Vatikan, wo ihn Papst Franziskus am Montag erwartet. Er erwidert damit den Besuch Franziskus‘ von 2014, der als erster ausländischer Gast Erdogans Prunkpalast in Ankara betreten hatte. Seit sechs Jahrzehnten hat kein türkischer Staatschef mehr den Vatikan besucht.

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Indien: Schwemme illegaler Antibiotika

 

In Indien werden Millionen illegaler, unzureichender Antibiotika produziert und verkauft. © Feverpitch/ thinkstock
Fataler Trend: In Indien werden jedes Jahr Millionen illegaler Antibiotika verkauft. Unter den Kombinations-Präparaten mit zwei oder mehr Wirkstoffen genügen 64 Prozent nicht einmal den nationalen Zulassungsbestimmungen, nur fünf Präparate wären in Europa oder den USA legal, wie eine Analyse enthüllt. Diese Zahlen könnten erklären, warum gerade in Indien besonders viele multiresistente Erreger entstehen.

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Indien gehört zu den Ländern mit den höchsten Raten von Antibiotika-Resistenzen weltweit. Viele Stämme gängiger bakterieller Krankheitserreger sind dort bereits gegen mehrere Klassen gängiger Antibiotika resistent. Durch Fernreisende und die Übertragung auf Flughäfen gelangen diese multiresistenten Bakterien immer wieder auch nach Europa und in andere Regionen der Erde.

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Vergewaltigungsvorwürfe gegen Tariq Ramadan: Unter Verdacht

Nach Vergewaltigungsvorwürfen hat die französische Polizei den renommierten Islamwissenschaftler Tariq Ramadan am vergangenen Mittwoch in Gewahrsam genommen. Zwei Frauen beschuldigen ihn der Vergewaltigung.

Von Bachir Amroune | Qantara.de

Es ist ein tiefer Fall für den berühmtesten islamischen Intellektuellen Europas. Denn mit seinen Auftritten sorgt Tariq Ramadan seit 20 Jahren für gefüllte Hallen und hunderttausende Bewunderer feiern ihn wie ein Popstar. Seine Gegner werden nicht müde, vor ihm zu warnen.

Im vergangenen Oktober haben zwei Frauen den Professor der britischen Universität Oxford beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Ermutigt wurden sie offenbar von der #MeToo-Kampagne. Eine der Frauen war einst Salafistin und twitterte, es sei „eine sehr schwere Entscheidung“ gewesen, aber sie habe entschieden, öffentlich zu machen, dass Ramadan die vergewaltigt habe.

Kurz darauf sagte eine zweite Frau bei der Polizei aus. Im November war der Wissenschaftler daraufhin von der Hochschule beurlaubt worden. Ramadan bestreitet die Vorwürfe – für ihn sind sie eine Verleumdungskampagne seiner Feinde. Denn Ramadan ist so beliebt wie umstritten.

Wer ist Tariq Ramadan?

Mehrere Dutzend Bücher haben sich seit 2003 mit dieser Frage befasst. Viele von ihnen lesen sich wie Pamphlete. Sie werfen Ramadan vor, ein doppelzüngiger, gefährlicher Islamist zu sein. Nur die wenigsten haben den Anspruch, ein nuanciertes Bild zu zeichnen, seine Netzwerke und Strategie offenzulegen.

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Erste Exoplaneten außerhalb der Milchstraße?

Die als Gravitationslinse wirkende Galaxie RX J1131-1231 verzerrt das Licht von Hintergrundquasaren. © University of Oklahoma
Verräterische Signaturen: Erstmals haben Astronomen Planeten außerhalb unserer Milchstraße entdeckt. Möglich wurde dies durch eine Gravitationslinse – eine Galaxie, die sich vor einen fernen Quasar schob. Charakteristische Verschiebungen bestimmter Spektrallinien in dessen Strahlung könnten auf die Präsenz zahlreicher Planeten von Mond- bis Jupitergröße hindeuten, wie die Forscher im „Astrophysical Journal“ berichten.

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Die Entdeckung von Exoplaneten ist bisher fast schon Routine – ob als potenziell lebensfreundliche Erdzwillinge um nahe Sterne wie Proxima Centauri oder TRAPPIST-1 oder sogar ganze Planetensysteme mit acht Exoplaneten. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Alle bisher bekannten Exoplaneten liegen innerhalb der Milchstraße – unserer Heimatgalaxie.

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„Die Mutter als Täterin ist immer noch ein Tabu“

Die Familie ist immer noch der Tatort Nummer eins bei Kindesmissbrauch. (Foto: dpa; Bearbeitung SZ)
Im Breisgauer Missbrauchsfall erschüttert die Rolle der Mutter. Eine Familienforscherin erklärt, warum Täterinnen oft zu lange vertraut und Kindern zu spät geholfen wird.

Interview von Anna Fischhaber | Süddeutsche Zeitung

Sabine Andresen ist Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität Frankfurt und leitet die erste Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindermissbrauchs in Deutschland, die Betroffene anhört und sich auch mit dem Thema Familie und der Rolle der Mutter beschäftigt.

SZ: Ein Junge wird über Jahre missbraucht und gegen Geld im Internet angeboten. Zu den mutmaßlichen Tätern gehört auch die Mutter, die in mindestens einem Fall die Misshandlung ihres Sohnes mitorganisiert haben soll. Was ist mit dieser Mutter los, Frau Andersen?

Sabine Andresen: Das ist aus der Ferne schwer zu sagen. Nach allem, was wir bislang wissen, hat auch sie ihren Sohn missbraucht, hat ihn schutzlos ihrem Partner und anderen Gewalttätern ausgeliefert. Das ist sehr brutal. Mich macht es aber auch nachdenklich, dass uns die Grausamkeit der Mutter so erschüttert. Die Mutter als Täterin ist immer noch ein Tabu. Wir wissen wenig darüber und vielleicht wollen wir auch gar nicht so genau wissen, dass auch Frauen Kinder sexuelle Gewalt antun können. In diesem Fall haben die Behörden der Mutter offenbar vertraut. Vielleicht hat sie gut darlegen können, dass sie ihren Jungen schützt. Die Frage ist aber, welche Bedeutung hat hier die historisch gewachsene Vorstellung der Mutter, die unter Schmerzen ihr Kind gebiert und wie eine Löwin um es kämpft? Vielleicht trägt dieses Bild mit dazu bei, dass wir bei Täterinnen zu lange brauchen, einem Kind zu helfen.

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Verschwundene P-26-Akten: weit mehr als eine Peinlichkeit

Akten unvollständig oder gar nicht zu archivieren (Symbolbild: Imago)
Die 1990 enttarnte Schweizer «Geheimarmee» P-26 gibt wieder einmal zu reden: Die Handakten einer Administrativuntersuchung sind plötzlich unauffindbar. Der Fall zeigt exemplarisch die prekäre Archivierung staatspolitisch brisanter Dokumente.

Von Marc Tribelhorn | Neue Zürcher Zeitung

Von «lautlosen Killern und Putschisten» hyperventilierten die Medien, als im Zuge des Fichen-Skandals 1990 eine geheime Kaderorganisation namens P-26 aufflog: rund 400 Personen stark, hochgerüstet und verdeckt finanziert mit Millionen aus der Bundeskasse. Im Falle einer sowjetischen Invasion der Schweiz hätte sie den zivilen Widerstand orchestrieren sollen. Der 277-seitige Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission kam damals zum Schluss, dass die «potenziell staatsgefährdende» P-26 ohne gesetzliche Grundlage und ohne politische Kontrolle operiert hatte. Der Bundesrat handelte umgehend und liquidierte das Relikt aus dem Kalten Krieg. Mittlerweile sind die einstigen Mitglieder von ihrer Schweigepflicht entbunden und haben zusammen mit Historikern zu einem differenzierteren Bild der «Geheimarmee» beigetragen. Doch abschliessend beurteilen lässt sich diese wohl erst 2040, wenn alle Akten für die Forschung freigegeben sind – sofern sie denn vorhanden sind.

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Trump: „Ich bin der König der Schulden“

Bild: Weißes Haus
Seit Amtsantritt von Donald Trump sind die Staatsschulden um etwa 500 Milliarden US-Dollar auf jetzt 20,494 Billionen angestiegen. Das Finanzministerium bereitet sich auf einen neuen großen Schuldenanstieg vor.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Am Mittwoch waren neue Dokumente vorgelegt worden, nach denen das Finanzministerium damit rechnet, im Haushaltsjahr 2018 neue Schulden in Höhe von 955 Milliarden US-Dollar aufzunehmen, fast doppelt so viel wie 2017 und höher als in vielen Jahren der Obama-Präsidentschaft.

Schon 2017 waren die Steuereinnahmen nur um 1 Prozent angestiegen, die Ausgaben jedoch um 3 Prozent, wie Fred Pietrangeli, der Direktor des Office of Debt Management Ende Oktober anmerkte. Die Rede war von einer „Finanzierungslücke“, die durch gesetzliche Veränderungen zu erwarten wäre. Die gesetzlichen Veränderungen waren Trumps Meisterstück, das Weihnachtsgeschenk, also die seit langem „größte Steuerreform“, die vor allem die Steuersätze für Reiche und Unternehmen senkt.

Wie so oft war argumentiert worden, dass mit Steuergeschenken die Unternehmen mehr in den USA investieren oder dorthin zurückkommen werden, so dass die Einnahmeverluste wieder ausgeglichen werden. Diese Variante der Trickle-Down-Ideologie wird gerne auch als Voodoo-Ökonomie kritisiert. Zwar hatte Finanzminister Steven Mnuchin Voodoo-mäßig seinen Chef sekundiert, aber im Finanzministerium ist man dennoch realistischer – und wahrscheinlich glaubt auch Mnuchin nicht an die heilsbringende Wirkung der Steuerreform, sieht man von den Vorteilen für die Reichen wie Trump selbst ab.

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LHC: Exotische „Odderons“ entdeckt?

Bild: LHC Genf
Seit 40 Jahren gesucht: Physiker könnten im Teilchenbeschleuniger LHC erstmals „Odderons“ aufgespürt haben – bisher nur theoretisch postulierte Quasiteilchen. Diese entstehen, wenn kollidierende Protonen statt einer geraden eine ungerade Anzahl von Gluonen untereinander austauschen. Messdaten des TOTEM-Detektors am LHC sprechen nun dafür, dass solche Odderons bei den energiereichen Kollisionen im Ring gebildet wurden.

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In der Welt der Elementarteilchen gibt es nicht nur echte Partikel wie Quarks, Protonen oder Elektronen, sondern auch Quasiteilchen. Sie bestehen aus Ansammlungen kleinerer Teilchen, die sich verhalten wie aus einem Guss: Für kurze Zeit besitzen sie beispielsweise eine gemeinsame Masse, Energie oder Wellenlänge und reagieren auf einen Impuls wie ein Partikel. Zu solchen Quasiteilchen gehören beispielsweise kurzlebige Paarungen aus einem Teilchen und seinem Antiteilchen, die Weyl-Fermionen in Kristallen, aber auch Quantentröpfchen in Halbleitern.

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Vatikan-Staatsanwalt ermittelt in zwei Missbrauchsverdachtsfällen

Italienische Medien glauben, dass es ums Priesterseminar „Preseminario San Pio X“ geht – Enthüllungsbuch und Fernsehsendung hatten diesbezüglich für Schlagzeilen gesorgt.

kath.net

Der Vatikan hat erste Ermittlungen zu zwei Fällen von Verdacht auf Missbrauch Minderjähriger aufgenommen. In jüngster Zeit seien „zwei Fälle unterschiedlicher Umstände und Erheblichkeit“ von „Straftaten gegen Personen, im Besonderen gegen Minderjährige“ eingegangen, sagte der vatikanische Staatsanwalt Gian Piero Milano am Samstag zur Eröffnung des Gerichtsjahres im Vatikan. Er betonte, zum aktuellen Zeitpunkt handle es sich um Verdachtsfälle. Es gebe erste Ermittlungen, die zum Schutz aller Betroffenen in absoluter Verschwiegenheit erfolgten, berichtete der Staatsanwalt.

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Richard Dawkins über die Zeit

Proteinuhr

2001 führte das Ashmolean Museum in Oxford eine Ausstellung mit dem Namen „Über Zeit” durch, in der Uhren und Zeitmesser aller Zeitalter zu sehen waren. Lesen Sie die Eröffnungsrede von Autor Richard Dawkins, die auch in seiner jüngsten Sammlung von Texten Science in the Soul (deutsche Ausgabe „Forscher aus Leidenschaft“ im Oktober 2018) erschienen ist.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Das Ashmolean Museum ist Oxfords führendes Museum für Kunst und Antiquitäten. 2001 führte es eine Ausstellung mit dem Namen „Über Zeit” durch, in der Uhren und Zeitmesser aller Zeitalter zu sehen waren. Ich fühlte mich geehrt, dazu eingeladen worden zu sein, sie zu eröffnen und hier ist die Rede, mit der ich das tat.

Zeit ist recht mysteriöses Material – fast so ungreifbar und schwer festzuhalten wie das wache Bewusstsein selbst. Sie scheint zu fließen – wie ein immerwährender Fluss – aber was genau fließt da? Wir haben das Gefühl, dass die Gegenwart die einzige Instanz der Zeit ist, die tatsächlich real existiert. Die Vergangenheit ist eine verschwommene Erinnerung, die Zukunft eine vage Unsicherheit. Physiker sehen es anders. Die Gegenwart hält keinen privilegierten Status in ihren Gleichungen. Einige Physiker der neueren Zeit sind sogar so weit gegangen, die Gegenwart als ein Produkt des Gehirns des Beobachters, als eine Illusion zu beschreiben.

Für Poeten ist Zeit keineswegs eine Illusion. Sie hören das Herannahen ihres geflügelten Streitwagens, sie versuchen Fußspuren in ihrem Sand zu hinterlassen, wünschen es gäbe mehr von ihr – um dazustehen und in die Ferne zu starren, laden sie ein, ihre Karawane anzuhalten, sei es auch nur für einen Tag. Sprichwörter definieren Aufschub als ihren Dieb oder sie berechnen mit unwahrscheinlicher Genauigkeit die Rate ihrer möglichen Einsparungen. Archäologen entdecken rosarote Städte, halb so alt wie die Zeit selbst. Kneipenbesitzer rufen sie auffordernd an die Gentlemen aus. Wir verschwenden sie, verbringen sie, holen sie heraus, vergeuden sie, schlagen sie tot.

Lange bevor es Uhren oder Kalender gab, haben wir – tatsächlich alle Tiere und Pflanzen – unsere Leben in astronomischen Zyklen gemessen. Nach den Umläufen dieser riesigen Uhren im Firmament: der Rotation der Erde um ihre Achse, der Rotation der Erde um die Sonne und der Rotation des Mondes um die Erde.

Nebenbei, es ist erstaunlich, wie viele Leute denken, dass die Erde im Sommer näher an der Sonne ist als im Winter. Wenn dem wirklich so wäre, hätten die Australier ihren Winter zur selben Zeit wie wir. Ein leuchtendes Beispiel für diese Art von Nördlicher Hemisphären Arroganz war eine Science-Fiction Geschichte, in der eine Gruppe von Weltraumreisenden, weit draußen in einem fernen Sternensystem, nostalgisch über den Heimatplaneten sinnierten: „Man stelle sich nur mal vor, es ist jetzt Frühling zuhause auf der Erde”.

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Wie die polnische Rechte die Holocaust-Forschung kriminalisiert

Eingangstor des KZ Auschwitz I (Stammlager). Bild: Dnalor 01/ CC BY-SA 3.0 AT
Doch bei aller berechtigten Kritik an der polnischen Regierung sollte nicht vergessen werden, dass die Shoah ein Projekt ganz gewöhnlicher Deutscher war. Ein Kommentar

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Kann man in Polen den Film „Shoah“ von Claude Lanzmann noch zeigen, ohne mit Strafen rechnen zu müssen? Diese Frage muss man sich stellen, nachdem die rechtskonservative Mehrheit im polnischen Parlament ein Gesetz verabschiedet hat, dass es unter Strafe stellte, wenn jemand Polen beschuldigt, sie hätten bei der Verfolgung und Tötung von Juden mitgewirkt.

„Dabei ist es eine historische Tatsache, dass eine große Anzahl Polen an der Verfolgung und Ermordung von Juden mitwirkten. Wenn das nicht mehr gesagt werden darf, wenn dazu nicht mehr geforscht werden darf, ist das ein Skandal“, schreibt der Historiker Yehuda Bauer in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung. Tatsächlich gab es in nationalpolnischen Kreisen einen virulenten Antisemitismus, der dafür verantwortlich war, dass auch polnische NS-Gegner Juden an die Wehrmacht oder SS verrieten und auslieferten.

Es gab antijüdische Pogrome vor dem Einmarsch der Deutschen in Polen und die wenigen überlebenden Juden waren nur wenige Jahre nach ihrer Befreiung wieder mit dem polnischen Antisemitismus konfrontiert. 1968 ritt sogar die autoritäre, nur dem Namen nach kommunistische, Partei auf der Welle des Antisemitismus, der nur notdürftig als Antizionismus kaschiert wurde.

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Alice Cooper: „Jesus hat gesagt: Wenn Du Rockstar sein willst, sei der beste“

Foto: youtube.com

Er ist eine Hard-Rock-Legende: Alice Cooper. Im Februar 2018 wird er 71 Jahre alt. Im Interview erzählt der Schockrocker, wie er es schafft, immer noch auf der Bühne zu stehen und wie ihm sein Glaube an Gott hilft.

Von Matthias Bossaller | evangelisch.de

Wie soll ich Sie ansprechen: Alice Cooper oder Vincent Damon Furnier?

Alice Cooper: Nur meine Mutter hat mich Vincent Damon Furnier genannt. Es gibt zwei Alices: Mich und den Typen auf der Bühne. Für diesen Charakter schreibe ich Songs.

Warum trennen Sie so scharf zwischen dem Bühnen-Charakter Alice und Ihrer wahren Identität?

Cooper: Sehen Sie mal: Jim Morrison, Jimi Hendrix oder Kurt Cobain sind gestorben, weil sie zu jeder Zeit wie ihr Bühnencharakter sein wollten. Dafür haben sie gesoffen und Drogen genommen. Ich habe das bei Jim Morrison beobachtet, der ein sehr guter Freund von mir war. Nur um sein Image leben zu können, hat er sich Pillen eingeschmissen, wie andere Leute Bonbons essen und dann noch mit Jack Daniels runtergespült. Als ich mit dem Saufen aufgehört habe, habe ich für mich entschieden: Ich will mit der Bühnenfigur Alice Cooper koexistieren. Ich will sie aber nicht ständig sein. Lass Alice auf der Bühne sein, wie er ist: Der arrogante, bösartige Typ. Er ist nicht verheiratet, er möchte keine Kinder haben und kein Golf spielen. Er will einfach nur performen. Ich freue mich, Alice auf der Bühne sein zu können, weil ich noch ein normales Leben neben dieser Figur haben kann. Wenn der Vorhang fällt, bin ich eine völlig andere Person als auf der Bühne.

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Warum die Identitären jetzt gegen #MeToo mobil machen

Fahnen der Identitären Bewegung bei einer Demonstration in Berlin Quelle: pa/rolf kremming/dpa/Rolf Kremming
In einer Internet-Kampagne prangert die Identitäre Bewegung sexuelle Gewalt an – aber nur von Migranten. Auch kritisieren die Rechtsradikalen die feministische #MeToo-Bewegung. Ominös kündigen sie an: „Es wird noch etwas passieren.“

Von Martin Niewendick | DIE WELT

Ein handelsüblicher Taschenalarm schlägt Angreifer mit einem 120 Dezibel lauten Ton in die Flucht. Daher, so argumentieren Aktivistinnen der rechtsradikalen Identitären Bewegung (IB), habe man diese Lautstärke als Namen für eine neue Kampagne gegen sexuelle Übergriffe gewählt. Seit Anfang der Woche kursiert ein Werbevideo von „120 Dezibel“ im Netz, das sogleich empörte Reaktionen und Rassismusvorwürfe auslöste. Denn die Aktion bezieht sich ausschließlich auf sexuelle Gewalt durch Migranten.

In dem dreieinhalbminütigen Clip zählen Frauen verschiedenste Gewalttaten auf – Morde, Vergewaltigungen, Übergriffe. „Wir sind nicht sicher, weil ihr uns nicht schützt“, sagt eine, und die anderen fahren fort: „Weil ihr euch weigert, unsere Grenzen zu sichern, weil ihr euch weigert zu kontrollieren, wer hereinkommt, weil ihr euch weigert, Straftäter abzuschieben.“ Schon nach mehreren Tagen wurde das Video 50.000-mal angeklickt.

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Sterben auf dem Klinikflur in Grossbritannien

Tausende Demonstranten protestierten am Samstag in London gegen die «unhaltbaren Zustände». (Bild: Will Oliver/Epa/Keystone)
Zu wenig Ärzte, keine freien Betten: Das britische Gesundheitssystem NHS steckt in einer Krise. Tausende Demonstranten protestierten am Samstag gegen die «unhaltbaren Zustände».

Neue Zürcher Zeitung

«Sie hätten mal vor Kurzem die Lage im Royal Blackburn Hospital sehen müssen. Die Flure waren voll mit wartenden Menschen», berichtet Louise Heppelstone. «Die Krankenschwestern waren zu beschäftigt, um sich um die älteren Patienten zu kümmern. Einige mit Gehproblemen schafften es nicht allein auf die Toilette und nässten sich im Gang ein. Entsetzlich. Und so etwas passiert jeden Winter.»

Die Hände der 58-Jährigen schliessen sich fester um das Schild, auf dem «Mehr Personal, mehr Betten, mehr Geld» geschrieben steht. Sie ist eine von Tausenden von Demonstranten, die dem Londoner Regen trotzen und am Samstagnachmittag vor der Downing Street, dem Wohnsitz von Premierministerin Theresa May, gegen den Verfall des staatlichen Gesundheitssystems NHS (National Health Service) demonstrieren.

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40.000 Afrikaner sollen Israel verlassen

Das israelische Flüchtlingslager Holot soll geschlossen werden, die Insassen das Land verlassen. Bild: EPA
Jerusalem verteilt Zehntausende Ausweisungsbescheide an afrikanische Flüchtlinge. Sie sollen so schnell wie möglich das Land verlassen. Andernfalls droht ihnen Gefängnis.

Frankfurter Allgemeine

Israel schreitet mit umstrittenen Abschiebeplänen für rund 40.000 afrikanische Flüchtlinge in Drittländer voran. Am Sonntag habe die Einwanderungsbehörde begonnen, Ausweisungsbescheide an Betroffene zu verteilen, berichteten israelische Medien. Eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte die Berichte.

Die Ausweisungsbescheide sollen an unverheiratete, kinderlose Männer übergeben werden, die ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängern wollen. In dem Brief werden sie den Angaben zufolge aufgefordert, Israel binnen zwei Monaten zu verlassen, anderenfalls drohe ihnen Gefängnis. Wer bis Ende März freiwillig geht, soll umgerechnet 2800 Euro und ein Flugticket bekommen.

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Israel slams ‘shameful’ former minister who endorses German far-right party

Rafi Eitan (Photo: Motti Kimchi)
Rafi Eitan, the legendary spy who captured Eichmann, praises AfD for its attitude to Judaism, hopes its ideology takes over Europe

By The Times of Israel Staff

Rafi Eitan, a former Israeli minister and the legendary spy who captured Adolf Eichmann, caused surprise and shock in Israel when he publicly endorsed the far-right Alternative for Germany (AfD) party.

In a video message posted Friday on the party’s Facebook page, Eitan praised the faction, saying: “Please understand that all of us in Israel appreciate your attitude toward Judaism.”

“In any case, I’m sure that if you work wisely strongly and most important realistically… I’m sure that instead of ‘Alternative for Germany,’ you might become an alternative for all of Europe,” he said.

He also urged AfD members to close their borders “as soon as possible to prevent Muslim immigration,” in a letter that accompanied the video.

Eitan, who commanded the 1960 intelligence operation that captured Nazi war criminal, Holocaust organizer Adolf Eichmann in Argentina, was also the chairman of the now defunct Gil Pensioners party and pensioner affairs minister from 2006 to 2009.

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