Neurologe: „Multiple-Sklerose-Therapie mit Parasiten“


foto: getty images/istockphoto Jahrtausendelang musste das Immunsystem des Menschen mit Wurminfektionen fertig werden. Das Fehlen der Parasiten könnte eine Erklärung für MS sein.
Fritz Leutmezer von der Med-Uni Wien erklärt, welche neuen Behandlungsansätze es gegen Multiple Sklerose geben kann

Interview Günther Brandstetter | derStandard.at

STANDARD: MS kann einen schubförmigen oder chronischen Verlauf nehmen. Handelt es sich um zwei verschiedene Erkrankungen?

Leutmezer: In etwa 85 Prozent verläuft sie schubförmig, in rund 15 Prozent handelt es sich um die primär progrediente Form. Wir gehen davon aus, dass beides entzündliche Erkrankungen sind. Die Entzündung bei der schubförmigen MS spielt sich mehr im Blut ab. Das heißt, es werden die weißen Blutkörperchen aktiviert, diese wandern ins Gehirn ein und verursachen so einen Schub. Bei der primär chronischen Form scheint es so zu sein, dass die Blut-Hirn-Schranke dicht ist und sich die Entzündung im Gehirn selbst abspielt. Das ist insofern relevant, als alle derzeit verfügbaren Therapien auf das periphere Immunsystem – die weißen Blutkörperchen im Blut – abzielen.

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