Die Max Frisch-Identität


Max Frisch (ca. 1974). Bild: wikipedia.org/CC-BY-SA 4.0 – Comet Photo AG Zürich

Gegen Ende seines Lebens befasste sich Max Frisch intensiv mit dem Schweizer Inlandsgeheimdienst. In der sogenannten Fichen-Affäre war 1990 bekannt geworden, dass der Schweizer Staat seinen berühmten Dichter von 1948 an 42 Jahre überwacht hatte.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

In seinem unvollendeten Werk Ignoranz alsStaatsschutz? rechnete Frisch spöttisch mit der eidgenössischen Spitzelei ab. Allerdings lagen die Schweizer Geheimen nicht völlig falsch, denn tatsächlich war Frisch ein Geheimagent – allerdings einer, dem seine Rolle auf dem politischen Schachbrett offenbar gar nicht bewusst war.

Dieser Tage beleuchtet die Schweizer Presse das Wirken der CIA, die in den 1950er Jahren westliche Künstler förderte, solange solche sich nicht dem Kommunismus zuwandten. Auch Max Frisch kam 1951 in den Genuss eines Stipendiums der Rockefeller-Stiftung, die ihm ein Jahr in den USA ermöglichte. Die Rockefellers kooperierten aufs Engste mit der CIA. Der mächtige Strippenzieher und späterer CIA-Direktor Allen Dulles war zeitlebens zugleich auch Rechtsanwalt des Rockefeller-Konzerns, dem der US-Geheimdienst die Voraussetzungen für Schürfrechte im Ausland besorgte. Die Rockefellers wiederum finanzierten der CIA u.a. das unheimlich MKUltra-Programm, bei dem man Menschen mit nicht mit Lügen, sondern medizinischer Gehirnwäsche in willenlose Geheimagenten verwandeln wollte. Nelson Rockefeller vertuschte als Vizepräsident die Verbrechen seiner Handlanger (Zensierter Berichtüber CIA-Morde von 1975).

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