Inofiziell segnen katholische Pfarrer immer wieder homosexuelle Paare


Nach der katholischen Lehre ist die Segnung homosexueller Paare nicht vorgesehen. Tatsächlich segnen katholische Pfarrer jedoch immer wieder gleichgeschlechtliche Beziehungen. Zwei von ihnen berichten, warum.

Von Julia Lauer | evangelisch.de

Pfarrer Christoph Simonsen ist kein Freund von Geheimniskrämerei – auch dann nicht, wenn es um die Segnung von homosexuellen Paaren geht. „Es heimlich zu machen, wäre Blödsinn, das nähme dem Anliegen der Paare ja die Bedeutung“, sagt er knapp. Er selbst weiß am besten, dass seine Gelassenheit nicht selbstverständlich ist: „Oft schicken meine Pfarrer-Kollegen die Paare zu mir nach Aachen. Sie sagen ihnen: Der Simonsen ist da viel geübter.“

Simonsen ist römisch-katholischer Priester. Anders als bei Protestanten, die sich beinahe überall in Deutschland segnen lassen können, ist die Segnung homosexueller Paare in der katholischen Kirche nicht vorgesehen. Das Sakrament der Ehe ist ohnehin Mann und Frau vorbehalten. Aber gleichgeschlechtlicher Sex gilt als Sünde – und eine Beziehung, zu der schwere Sünde gehört, ist folglich nicht einmal zu segnen. So weit die Theologie. „Es waren ungefähr 50 homosexuelle Paare, die ich in den vergangenen 15 Jahren auf deren Wunsch hin gesegnet habe“, berichtet Simonsen. Es waren Paare aus ganz Deutschland, Menschen jeden Alters, mehr Schwule als Lesben, manchmal unterschiedlicher Konfession. „Zuletzt haben mich zwei lesbische Frauen Ende zwanzig und ein schwules Paar Mitte fünfzig um den Segen gebeten.“

weiterlesen