Kirchenskandal: „Der Bischof hat doppelt versagt“


Im Eichstätter Bischofshaus kam Hanke zu spät auf die Idee, die Vermögensverwaltung neu zu ordnen. Foto: dpa
Ein Münsteraner Kirchenrechtler macht Gregor Maria Hanke mitverantwortlich für den Finanzskandal im Bistum Eichstätt.

Von Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Gegen einen kriminellen Umgang mit anvertrautem Besitz ist niemand gefeit. Weshalb das Bistum Eichstätt, von Ex-Finanzberatern um 50 Millionen Euro geprellt, Mitleid heischend die Lesart verbreitet: „Wir sind Opfer und nicht Täter.“

Das allerdings sieht der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller ganz anders. Die Bistumsverantwortlichen, allen voran Bischof Gregor Maria Hanke, hätten es den Betrügern „brutal leicht gemacht“. Seit Jahren habe es in Eichstätt an einer wirksamen Finanzaufsicht mit unabhängigem Controlling gefehlt. Die Strafanzeige des Bischofs gegen zwei frühere Mitarbeiter vom Juli 2017 attestierte seinem ehemaligen leitenden Bau- und Finanzdirektor als oberstem kirchlichem Aufseher zu dessen Entlastung, er sei „in Wirtschaftsfragen unerfahren“ gewesen.
Das aber ist laut Schüller, Professor an der Uni Münster, ein klarer Verstoß gegen das Kirchenrecht, das vom Bischof verlangt, Experten mit der Verwaltung des Kirchenvermögens zu betrauen. „Der Bischof hat somit doppelt versagt. Er hat die falschen Leute eingesetzt und ein verfilztes System ermöglicht“, sagte Schüller der Frankfurter Rundschau.

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