„Spirale aus Armut, mangelnder Bildung und Kriminalität prägt US-Gesellschaft noch“

Die Rassentrennung mag überwunden sein – hier ein Bild von 1957, auf dem eine Schülerin noch verhöhnt wird. Der strukturelle Rassismus aber, sagt die Theologin Andrea Strübind, prägt die US-Gesellschaft bis heute. (picture-alliance / dpa)
Die Folgen eines strukturellen Rassismus prägen die US-Gesellschaft bis heute.

Dlf24

Das hat Andrea Strübind im Deutschlandfunk erläutert – sie ist Professorin für evangelische Theologie an der Universität Oldenburg. Nach Strübinds Worten wurde durch die amerikanische Bürgerrechtsbewegung zwar 1964 mit dem Civil Rights Act zwar die Rassentrennung abgeschafft. Die zweite Phase der Bürgerrechtsbewegung aber richtete sich dann gegen einen strukturellen Rassismus, der sich in Armut, in Arbeitslosigkeit und mangelnden Bildungschancen zeige – und das nicht nur im Süden der USA, sondern auch im Norden. Diese Spirale, zu der leider auch hohe Kriminalitätsraten gehörten, sei heute noch ein Faktor, der die Gesellschaft präge.

Hören Sie zum Themenkomplex „Rassismus“ und zur Frage einer Unterschiedlichkeit von Rassen auch einen Beitrag von Dagmar Röhrlich aus der Sendung „Aus Kultur und Sozialwissenschaften“ im Dlf.

CO2-Lecks vertreiben Meeresbewohner

Natürliche CO2-Quellen zeigen Forschern, wie Gaslecks Lebensgemeinschaften am Meeresgrund beeinflussen könnten. © HYDRA/ C. Lott
Leck mit Folgen: Weltweit erforschen Wissenschaftler derzeit CO2-Speicher unter dem Meeresboden. Doch wenn diese Lager für das Treibhausgas ein Leck bekommen, könnte das für die betroffenen Ökosysteme schlecht ausgehen. Denn durch die erhöhten Kohlendioxidwerte verändert sich die Lebensgemeinschaft am Meeresgrund massiv – und erholt sich auch nicht mehr, wie eine Feldstudie an natürlichen CO2-Quellen zeigt.

scinexx
Tag für Tag setzt die Menschheit fast 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre frei – trotz weltweiter Klimaschutzbemühungen. Angesichts der schleppenden Fortschritte in Sachen CO2-Emissionen plädieren immer mehr Forscher dafür, das klimaschädliche Treibhausgas auch durch technische Lösungen aus der schützenden Hülle um unseren Planeten zu entfernen: zum Beispiel mithilfe des sogenannten Carbon Capture and Storage (CCS).

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#MeToo reist auch zur Pilgerfahrt nach Mekka mit

foto: afp/karim sahib Menschendichte, Anonymität: für manche Männer einladend.
Sexuelle Belästigung an der heiligsten Stätte des Islam wird vermehrt thematisiert

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Die seltsame Umgebung, in der die Diskussion über sexuelle Belästigung in Mekka, der Geburtsstadt des Islam, stattfindet, ist mit folgendem Satz gut illustriert: „Ich hatte Angst, das zu teilen, denn es könnte eure religiösen Gefühle verletzen“, schrieb Sabica Khan in ihrem Facebook-Eintrag Anfang Februar. Die Frau aus Pakistan hatte zuvor geschildert, wie sie bei der großen islamischen Pilgerfahrt, der Hajj, belästigt worden war. Und zwar genau bei der für viele Muslime und Musliminnen spirituell besonders bedeutenden Umrundung der Kaaba in der Großen Moschee von Mekka.

Der Eintrag löste eine Reihe von Reaktionen aus, unter anderem auch Botschaften anderer Frauen mit ganz ähnlichen Erlebnissen. Solche Berichte hat es zwar auch schon früher hin und wieder gegeben, aber #MeToo ist eben nun auch dort angekommen, wo man sonst doch lieber den Mund hält. Zu quantifizieren ist das Phänomen nicht: Bei Millionen Pilgern jährlich – außer der großen Wallfahrt gibt es ja auch die kleine, die Umrah, die man jederzeit absolvieren kann – wird die Zahl wohl nicht besonders ins Gewicht fallen. Aber das Problem für jene Frauen, die sexuelle Belästigung erlebt haben, ist nicht nur die persönliche Betroffenheit, sondern auch das Gefühl der Beschmutzung des Glaubens. Und der wird geschützt, indem man lieber nichts sagt.

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Religion tötet keine Menschen, Menschen mit Religion töten Menschen

Weshalb sollen wir jenen Menschen partout nicht glauben, dass ihr Handeln etwas mit Religion zu tun hat, wenn sie sich bei ihrem Handeln doch explizit auf göttliche Anleitung berufen?

Von Valentin Abgottspon | Richard-Dawkins-Foundation

Dieser Text wurde von Valentin Abgottspon ursprünglich am 5. Februar 2015 für die Freidenker-Kolumne auf news.ch nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015 veröffentlicht.

Anlässlich von Terrorakten und Gräueltaten vernehmen wir immer wieder mal ein „Das hat mit (wahrer) Religion nichts zu tun!“ oder „Das sind keine Muslime, das hat mit dem Islam nichts zu tun!“ Eine Aussage, die mich befremdet.

Gar nichts habe es mit Religion, Allah oder anderen Göttern zu tun, wenn Menschen während sie Schwule von Hochhäusern stürzen, Piloten bei lebendigem Leibe anzünden, Homosexuellen sagen, dass sie in der Hölle schmoren werden, anderen Köpfe abhacken und so weiter und dabei laut schreien: „Allah/Gott/Jahwe ist groß!“ „Im Namen der Religion!“ „Für Gott!“. Mich befremdet es, dass ausgerechnet solche Handlungen angeblich nichts mit Religion zu tun haben sollen. Weshalb sollen wir jenen Menschen partout nicht glauben, dass ihr Handeln etwas mit Religion zu tun hat, wenn sie sich bei ihrem Handeln doch explizit auf göttliche Anleitung berufen?

Wir können verstehen oder zu verstehen versuchen, was auf dem politischen Parkett damit gemeint ist, wenn beispielsweise der französische Präsident in der Folge der islamischen Terrorakte gegen die Redaktion des Charlie Hebdo behauptete, das habe nichts mit dem Islam zu tun. Er meint damit: „Die Mehrheit der Muslime ist friedlich. Wir wollen und dürfen den Islam nicht unter Generalverdacht stellen und die Menschen, welche sich als Muslime bezeichnen dürfen wir nicht vorverurteilen.“ Es ist pragmatisch, dergleichen zu äußern. Damit die Grenze zu den Attentätern klarer wird. Ehrlicher und korrekter wäre es aber, zu formulieren: „Das hat mit Religiosität und Islam, wie ihn die Mehrheit hier lebt, nicht viel zu tun!“ Eben nicht nichts. Und schon gar nicht „gar nichts“.

Tut man denn dem Islam oder allgemein der Religion einen Dienst, wenn man ihre schlechten Seiten, die extremistischen Ausprägungen auszublenden sucht? Sie irgendwo anders anrechnen will, bloß nicht bei der Religion, damit diese schön rein und nur für Positives verantwortlich bleibt?

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EKD-Ratschef kritisiert Vereinbarung zum Familiennachzug

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD zum Familiennachzug scharf kritisiert.

evangelisch.de

Die Kirche sehe mit großer Sorge, dass das Recht auf Familiennachzug aufgegeben sei, sagte Bedford-Strohm der „Berliner Zeitung? (Freitag). Die Familienzusammenführung sei für die Integration von Flüchtlingen von großer Bedeutung, betonte er. Laut dem Koalitionsvertrag bleibt der Familiennachzug für subsidiär geschützte Flüchtlinge bis Ende Juli ausgesetzt. Danach werden monatlich bis zu 1.000 enge Angehörige aufgenommen. „Aber man weiß nicht, nach welchen Kriterien sie ausgesucht werden sollen“, kritisierte Bedford-Strohm. Wer in ständiger Angst um seine Familie lebe, könne sich hier viel schlechter integrieren.

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Steinzeit-Briten waren dunkelhäutig

So könnte der „Cheddar Man“ vor 10.000 Jahren ausgesehen haben: tiefdunkle Haut, aber helle AUgen. © Channel 4/ Plimsoll Productions
Von wegen blond und hellhäutig: Die steinzeitlichen Europäer behielten die dunkle Haut ihrer afrikanischen Vorfahren offenbar länger als gedacht. DNA-Analysen eines vor 10.000 Jahren in England gestorbenen Mannes enthüllen, dass dieser noch dunkelhäutig war. Dafür aber besaß er bereits helle, blaue Augen. Möglicherweise etablierte sich die heute typische helle Haut der Europäer sogar erst mit der Jungsteinzeit, so die Vermutung der Forscher.

scinexx

Als sich der Homo sapiens in Afrika entwickelte, hatte er eine dunkle Haut – angepasst an das sonnenreiche Klima. Doch als unsere Vorfahren dann vor rund 50.000 Jahren nach Europa zogen, kamen sie in deutlich sonnenärmere Gefilde. Ihre dunkle Haut war hier eher ungünstig: „Helle Haut kann UV-Licht besser absorbieren und das hilft, einen Vitamin-D-Mangel zu vermeiden“, erklärt Tom Booth vom Museum of Natural History in London.

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Verschwörungsmystiker wie der Basler Daniele Ganser kapern Rudolf-Steiner-Bewegung

Das Goetheanum in Dornach ist mit seiner typischen anthroposophischen Architektur das Weltzentrum der Steiner-Bewegung. © Landratsamt Lörrach
Verschwörungsmystiker wie der Schweizer «Friedensforscher» Daniele Ganser oder der deutsche Youtube-Moderator Ken Jebsen erhalten Unterstützung durch die anthroposophische Bewegung von Rudolf Steiner. Am 3. März findet in Basel die Tagung «Terror, Lüge und Wahrheit» statt, an der die Propagandisten einer Weltverschwörung ihre Thesen ausbreiten können.

Von Christian Mensch | AARGAUER ZEITUNG

Am Samstag, 3. März, kommt es zum grossen Schaulaufen. Im anthroposophischen Veranstaltungsort «Scala», einem ehemaligen Basler Kino in der Freien Strasse, treten mit Daniele Ganser, Ken Jebsen und Elias Davidsson gleich drei Redner aus der ersten Fraktion der deutschsprachigen Verschwörungsmystiker auf.

An der öffentlichen Tagung referieren sie über «Terror, Lüge und Wahrheit». Wer sich die geballte Einigkeit anhören will, dass die Welt von okkulten Mächten gesteuert werde und die grossen Terroranschläge der vergangenen Jahrzehnte Inszenierungen von Geheimdiensten gewesen seien, kann ein Ticket zu sechzig Franken erwerben.

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Vatikan-Finanzen: Die Kleriker schlagen zurück

Bild: tilly
Die katholische Kirche in Deutschland wird von Finanzskandalen erschüttert. Wie zuvor die Vatikanbank. Dort wurden beim Großreinemachen die Kurien-Kleriker durch Nicht-Priester ersetzt. Jetzt wird die Uhr offenbar erneut zurückgedreht. Geistliche geben wieder den Ton an. Das Aus für Laien?

Von Thomas Migge | Deutschlandfunk

„Ich frage mich immer wieder, auch jetzt, wieso die Reformen, die Papst Franziskus in die Wege leitet, jedes Mal ab einem bestimmten Punkt an Schubkraft verlieren oder aber – trotz vieler schöner Worte – aufgegeben und nie in die Realität umgesetzt werden.“

Der Journalist Gianluigi Nuzzi, Autor verschiedener Enthüllungsbücher zur vatikanischen Finanzpolitik, hatte große Hoffnungen in Papst Franziskus gesetzt – vor allem in Sachen Vatikanbank IOR. Dass sie jetzt wieder überwiegend von katholischen Geistlichen geführt wird, ist für den Vatikanexperten Nuzzi ein Rückschritt in längst vergangen geglaubte Zeiten:

„Wir müssen vorsichtig sein, auch wenn die meisten Medien lange Zeit berichteten, dass mit Franziskus‘ IOR-Reform alles besser werde, dass alles fortan transparent ablaufen würde.“

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USA drängen auf dauerhafte Nato-Mission im Irak

Die Kurden, auch bei den Peschmerga, und die Frauen … Bild: via Twitter
Deutschland hat die militärische Ausbildung der Peschmerga trotz des weiter schwelenden Konflikts zwischen Erbil und Bagdad verlängert und wird unter einer schwarz-roten Regierung sich auch tiefer in den Irak hineinziehen lassen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

2015 hatte die Ausbildungsunterstützung der Sicherheitskräfte der Regierung der Region Kurdistan-Irak und der irakischen Streitkräfte, gemeint sind die Peschmerga, durch die Bundeswehr begonnen. Diese würde „im Rahmen eines Systems gegenseitiger kollektiver Sicherheit handeln“ und „der Aufforderung des Sicherheitsrates“ nachkommen, „die irakische Regierung im Kampf gegen ISIS zu unterstützen“. Zudem wurden Waffen wie MILAN-Raketen geliefert. Im Dezember hatte der Bundestag beschlossen, die am 31. Januar 2018 auslaufenden Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan, in Mali und im Mittelmeer, die Teilnahme an der Anti-IS-Allianz und eben die Ausbildung der Peschmerga (mit einer personellen Obergrenze von 150 Soldatinnen und Soldaten) noch einmal um 3 Monate zu verlängern.

Kurzfristig war der Einsatz einmal im Oktober letzten Jahres unterbrochen worden, als es nach dem Unabhängigkeitsreferendum der irakischen Kurden im September zu Gefechten zwischen den Peschmerga und irakischem Militär mitsamt schiitischen Milizen der PMU gekommen war und die Kurden aus Kirkuk und anderen besetzten Gebieten, die sie nach der Flucht des irakischen Militärs vor dem IS eingenommen hatten, vertrieben wurden (Unabhängigkeitsvotum, Kurdistan versinkt im Chaos). Jetzt haben sich zwar kurdische Widerstandsgruppen gebildet, die kurdische Regionalregierung sucht jedoch angesichts der militärischen Überlegenheit nach einer Lösung des Konflikts mit Bagdad (Neue Allianzen zwischen kurdischen Separatisten und dem Islamischen Staat?. Der Waffenstillstand ist allerdings prekär.)

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Licht bremst Elektronen

Licht kann seine Energie an Materie übertragen, doch unter extremen Bedingungen kann es auch umgekehrt sein. © fotojog/ thinsktock
Exotischer Effekt: Physiker haben erstmals einen physikalischen Effekt experimentell nachgewiesen, der sonst nur bei Schwarzen Löchern und anderen extremen Phänomen des Kosmos auftritt – die Strahlungs-Rückwirkung. Durch die Kollision intensiver Laserpulse mit einem extrem beschleunigten Elektronenstrahl kehrten sie die typische Richtung der Energieübertragung von Licht und Materie um: Die Photonen wurden energiereicher, die Elektronen dagegen abgebremst.

scinexx

Wenn Licht auf Materie trifft, wird normalerweise ein Teil seiner Energie absorbiert, der Rest reflektiert und gestreut. Durch diese Wechselwirkung können beispielsweise Atome durch elektromagnetische Strahlung in einen angeregten Zustand versetzt werden – Phänomene wie Polarlichter und die Fluoreszenz beruhen darauf.

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Dodo Marx: Kirche muss für die Freiheit aller Menschen einstehen

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx hat dazu aufgerufen, dass die Kirche nicht nur an sich selbst denken dürfe, sondern an die Gesellschaft denken müsse, in der sie wirke.

kath.net

In einer offenen Gesellschaft sei die Kirche eine wichtige Partnerin von Staat und Gesellschaft, sagte der Erzbischof von München und Freising in einem Vortrag am Dienstagabend, 6. Februar, im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau. Er sprach vor gut 200 Gästen des katholischen Erwachsenenbildungswerks Dachauer Forum über „Die Sendung der Kirche in einer offenen Gesellschaft“. „Als Kirche sind wir gefordert, für die Freiheit aller Menschen einzutreten“, so Marx. „Ich hoffe, dass wir nicht um Demokratie und Freiheit kämpfen müssen – bin mir aber nicht sicher. So ausgemacht ist das nicht. Aber dann möchte ich doch, dass die Kirche auf der richtigen Seite steht und für die Freiheit auch derer kämpft, die nicht unsere Position haben.“

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Oxfam-Mitarbeiter ließen sich Prostituierte bezahlen

Laut Oxfam wurden einige Mitarbeiter nach der internen Untersuchung versetzt. Foto: christoph boeckheler
Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam haben sich während eines Einsatzes in Haiti offenbar Orgien mit Prostituierten bezahlen lassen.

Frankfurter Rundschau

Mitarbeiter der Hilfsorganisation Oxfam haben sich während eines Einsatzes in Haiti Prostituierte bezahlen lassen. Mit dem Geld der Nichtregierungsorganisation hätten die Oxfam-Mitarbeiter, die nach dem Erdbeben von 2010 zu einem Hilfseinsatz in dem Karibikstaat waren, Orgien mit Prostituierten veranstaltet, berichtete die britische Zeitung „The Times“ am Freitag. Oxfam habe 2011 eine interne Untersuchung eingeleitet, die eine „Kultur der Straflosigkeit“ unter den Oxfam-Kollegen ans Licht brachte.

Eine ungenannte Quelle, auf die sich die Zeitung berief, sagte, die Sexpartys hätten in von Oxfam bezahlten Unterkünften und Hotelzimmern in Haiti stattgefunden. Fotos von einer der Partys zeigten demnach Prostituierte in Oxfam-T-Shirts.

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Muslime enttäuscht von Koalitionsvereinbarung

Der GroKo-Koalitionsvertrag © MiG
Muslime sind enttäuscht von der schwarz-roten Koalitionsvereinbarung. Der Vertrag schüre Angst vor Muslimen und befördere Vorurteile. Die Türkische Gemeinde kritisiert den Heimat-Begriff. Er sei historisch belastet und könne Ausgrenzung und Spaltung fördern.

MiGAZIN

Vertreter der Muslime in Deutschland zeigen sich enttäuscht von der Koalitionsvereinbarung zwischen Union und SPD. In Zeiten von „Pegida“ sowie täglichen verbalen und körperlichen Angriffen auf Muslime und ihre Einrichtungen „wäre eine gesonderte Thematisierung der immer stärker werdenden Islamfeindlichkeit in unserem Lande mehr als nötig“, erklärte der Vorsitzende des Islamrates für die Bundesrepublik Deutschland, Burhan Kesici, am Donnerstag in Köln. Die Stimmung gegenüber Muslimen und dem Islam durchlaufe derzeit „eine Talfahrtphase“.

Es sei besorgniserregend, dass mit keinem Wort die akuten Sorgen von Muslimen angesprochen würden, erklärte Kesici. „Das ist realitätsfremd und kein Zeichen ausgeprägter umfassender staatlicher Fürsorge.“ Die Enttäuschung in diesem Punkt sei auch deshalb so groß, weil man seit Jahren einen Dialog unter anderem in der Deutschen Islam Konferenz pflege und die Sorgen der Muslime dort zur Sprache bringe. „Jedoch vermissen wir auch ausgehend von der Schwerpunktlegung der Koalitionsvereinbarung auf Sicherheitsthemen in Zusammenhang mit muslimischem Leben in Deutschland eine nachhaltige Berücksichtigung dieses Dialoges“, mahnte Kesici.

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Weltweit gebremste Freiheit

Weltkarte: Wikimedia / Public Domain. Quelle: Atlas der Zivilgesellschaft. Grafik: TP
Wo und warum Aktivisten gefährlich leben, erklärt der State Of Civil Society Report jetzt auch als „Atlas der Zivilgesellschaft“

Von Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Ein Index aus 195 untersuchten Staaten bietet Ernüchterung: Der State Of Civil Society Report 2017 beschreibt den Freiraum für zivilgesellschaftliches Engagement erdenweit. Allen Freiheitsliebenden verpasst er einen gehörigen Dämpfer. Der Bericht stuft nur einen winzigen Bruchteil der Staatengebilde (22 Staaten) als wirklich „offen“ ein. Bei allen anderen Ländern hapert es offenbar an der Freiheit. Die Organisation Civicus, der Initiator des Reports, sieht sich selbst als Weltallianz der Zivilgesellschaften und koordiniert Anstrengungen auf globaler Ebene.

Im gerade vorgestellten Dossier werden die Länder in fünf Kategorien eingeteilt: closed / repressed / obstructed / narrowed / open. Mit dem Ergebnis: Nur zwei Prozent der Weltbevölkerung leben in Nationen, in denen sie ihre Grundrechte auf Meinungsäußerung, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit uneingeschränkt ausüben können. Mehr als die Hälfte der so Privilegierten soll in Deutschland leben, der Rest in Österreich, der Schweiz, Portugal, den baltischen Ländern, Norwegen, Finnland, Island und Irland. Deutschland wird so beschrieben:

Civic freedoms, including freedoms of association, peaceful assembly, and expression are widely respected in both law and practice in Germany. Civil society organisations can be formed and operate freely, most protests are peaceful and well-policed, while a vibrant media sector ensures there is a plurality of views in Germany’s public discourse. Recent political events, and the large numbers of refugees arriving in Germany in 2015 has led to an increase in hate speech, attacks on human rights defenders and others supporting refugees and some attacks by far-right groups on pro-refugee demonstrations.

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„National Prayer Breakfast: „Kaffee- und Kuchen-Veranstaltung mit Donald Trump

Themenbild: Prayer Breakfast, Quelle: http://www.whitehouse.gov
Wenn namhafte Politiker über Gott und die Welt reden wollen, gehen sie zum „National Prayer Breakfast“ in Washington. Nur auf Einladung darf man teilnehmen. Bei der überparteilichen und religiösen Kontaktbörse gibt es Kaffee, Kuchen – und jede Menge Kontakte zu knüpfen.

Von Florian Schillat | stern.de

Es ist eine exklusive Veranstaltung, zu der es einer persönlichen Einladung bedarf, der US-Präsident Donald Trump ist dabei und vermutlich viele weitere hochrangige Politiker: Das „National Prayer Breakfast“, das nationale Gebetsfrühstück, findet seit 1953 statt. Rund 3000 Teilnehmer aus über 100 Länder reisen jedes Jahr zu der religiösen Kontaktbörse in der US-Hauptstadt. Auch eine Delegation aus Bundestagsabgeordneten wird am 8. Februar an der Veranstaltung im „Hilton“-Hotel teilnehmen. Angeführt wird die Delegation vom ehemaligen SPD-Staatssekretär Thilo Braune. Die AfD hat ebenfalls vorab kommuniziert, wer teilnimmt. Volker Münz, Abgeordneter der AfD, darf in die USA reisen.

Auf ein Frühstücksei mit Donald Trump

Donald Trump hat vergangenes Jahr zum ersten Mal auf der Veranstaltung gesprochen. Er reiht sich damit in eine lange Reihe von US-Präsidenten als Redner ein, die bis ins Jahr 1953 zurückgeht. Damals machte Dwight D. Eisenhower, der 34. Präsident der Vereinigten Staaten, das Gebetsfrühstück zu einer präsidialen Institution. Beim 65. „National Prayer Breakfast“ im vergangen Jahr sprach Trump rund 20 Minuten zu seinen Gästen, bedankte sich gebetsmühlenartig bei seinen Mitstreitern im Kampf gegen Ungleichheit und Terror und beschwor die Religionsgemeinschaft. Betonte aber auch: „Wir haben das großzügigste Einwanderungssystem der Welt“ – aber leider Gottes Menschen, die dieses ausnutzen würden. Das war im Februar 2017.

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Haftstrafe für Macher des verbotenen Neonazi-Portals „Altermedia“

Einer der beiden Hauptangeklagten sitzt im Stuttgarter Oberlandesgericht zu Beginn eines Prozesses gegen Betreiber des…Foto: Marijan Murat/dpa
Braune Hetze, Hass auf Ausländer, Morddrohungen wurden bis vor zwei Jahren im Internet auf der Neoanazi-Plattform „Altermedia“ verbreitet. Jetzt wurden die Macher in Stuttgart verurteilt.

DER TAGESSPIEGEL

Über Jahre haben sie im Internet Hass gegen Ausländer, Flüchtlinge und Juden geschürt, Nazi-Parolen verbreitet und den Holocaust geleugnet – am Donnerstag wurden vier Macher der seit zwei Jahren verbotenen Neonazi-Seite „Altermedia“ unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt. Gegen den Kopf hinter der rechtsextremistischen Plattform, einen 29 Jahre alten Informatiker aus dem Schwarzwald, wurde wegen Rädelsführerschaft in einer kriminellen Vereinigung eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verhängt. Drei mitangeklagte, ältere Frauen kamen mit Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren davon.

Die Taten machten ihn „sprachlos“, sagte der Vorsitzende Richter des 5. Strafsenats, Herbert Anderer, bei der Urteilsbegründung. Er stehe dem Ganzen nach wie vor „ratlos“ gegenüber. Der Prozess habe nicht klären können, was die Angeklagten umgetrieben habe. „Haben diese Menschen gar nichts gelernt? Haben sie gar nichts verstanden?“

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Rücktritt Benedikts XVI.: „Akt extremer Distanzierung von den Zuständen der Kirche“

Bild: brightsblog
Der Rückzug Papst Benedikts XVI. im Februar 2013 wurde mit zunehmender körperlicher und geistiger Schwäche begründet. Der Vatikan-Kenner Volker Reinhardt bringt eine wesentlich politischere Deutung ins Spiel.

Von Birgit Wilke | DIE WELT

Warum trat Benedikt XVI. (reg. 2005–2013) am 28. Februar 2013 vom Papstamt zurück? Volker Reinhardt, Historiker an der Universität Fribourg in der Schweiz, hat maßgebliche Bücher über die Päpste, die Kirche und Italien verfasst. Für ihn war der Schritt des Ratzinger-Papstes von tiefer Symbolik geprägt.

Frage: Herr Professor Reinhardt, wie bewerten Sie als Historiker den Amtsverzicht Benedikts XVI.?

Volker Reinhardt: Das war eine echte Sensation. Einen wirklich freiwilligen Rücktritt hat es zuvor über sieben Jahrhunderte nicht gegeben. 1294 trat Coelestin V. zurück, nach nur einem halben Jahr im Amt. Die Nachricht schlug dann ja auch ein wie eine Bombe. Dass Könige und Königinnen zurücktreten, ist inzwischen ja üblich geworden, auch weil die Menschen immer älter werden. Aber der Rücktritt eines Papstes erschien wie ein Tabubruch, weil ihn viele nicht mit dem Amt assoziierten. Dabei ist ein solcher Rücktritt im Kirchenrecht durchaus vorgesehen ist, wenn er freiwillig vollzogen wird. Und natürlich ging dann sofort die Suche nach den Gründen los.

Frage: Was scheint Ihnen am plausibelsten?

Reinhardt: Die einzig sichere Quelle, die wir haben, ist seine Rücktrittserklärung vom 11. Februar: Er beruft sich da auf seine zunehmend körperliche und geistige Schwäche. Was seine geistige Schwäche betrifft: Das stimmt einfach nicht. Auch acht Jahre nach seinem Rücktritt ist er auf der Höhe seines Intellekts. Die körperliche Schwäche darf man eigentlich nicht als Grund für einen Rücktritt in Anspruch nehmen. Das hat Johannes Paul II. ja eindrucksvoll bewiesen, der schwer krank im Amt geblieben und schließlich auch als Papst gestorben ist.

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Rekrutiert die Türkei IS-Kämpfer?

Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) an der Front in Afrin. – REUTERS
Berichten zufolge will Ankara im syrischen Afrin auf die Erfahrungen von Kämpfern der Terrormiliz IS zurückgreifen.

Die Presse.com

Seit die Türkei die „Operation Olivenzweig“ im syrisch-kurdischen Afrin gestartet hat, kämpft sie an vorderster Stelle mit den türkischen Soldaten mit: die Freie Syrische Armee (FSA). Ob und inwieweit es sich bei der FSA um freie und demokratische Kräfte handelt, ist höchst umstritten. Analysten gehen davon aus, dass sich diese „Armee“ zu einem großen Teil aus jihadistischen Kräften zusammensetzt.
Die britische Zeitung „Independent“ geht einen Schritt weiter: Ihren Recherchen zufolge stammten Teile der FSA-Kämpfer, die gegen Kurden in Afrin im Einsatz sind, aus dem Milieu des sogenannten Islamischen Staats (IS). Türkische Soldaten würden sie für den Einsatz gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) rekrutieren.

Aus Sicht der Türkei bringen die ehemaligen IS-Kämpfer insofern einen Vorteil mit, da sie sich in der Region auskennen und hier Kampferfahrung haben, schreibt die Zeitung. Nur was die Taktik betrifft, würden sie von türkischen Militärs eine gesonderte Ausbildung erhalten, wie ein ehemaliger IS-Kämpfer schildert: Türkische Soldaten würden von den für den IS typischen Selbstmordattentaten abraten. Damit wäre der Einsatz von IS-Kämpfern in Afrin zu eindeutig, sagt der Mann. Videos, die online kursieren und deren Authentizität schwer nachzuprüfen ist, zeigen FSA-Mitglieder in Afrin, die sich damit rühmen, früher in Tschetschenien und für den Terrorpaten Osama bin Laden gekämpft zu haben.

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Pläne für Religionsbeauftragten stoßen auf Zustimmung

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die geplante Einführung eines Beauftragten für Religionsfreiheit in der künftigen Bundesregierung begrüßt. Wichtig sei, dass die Beauftragten für Religionsfreiheit und für Menschenrechte eng kooperierten, sagte der EKD-Bevollmächtigte in Berlin, Martin Dutzmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

„Unsere Recherchen zeigen, dass dort, wo die Religionsfreiheit eingeschränkt wird, regelmäßig auch andere Menschenrechte missachtet oder verletzt werden“, sagte er. Auch die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte betonte die Relevanz des neuen Amtes, das der Koalitionsvertrag von Union und SPD vorsieht. Dutzmann erklärte, dass der Beauftragte für Religionsfreiheit und der Beauftragte für Menschenrechte Hand in Hand arbeiten müssten. Er betonte zudem: „Auch wenn gegenwärtig in zahlreichen Ländern besonders Christen massiv verfolgt werden, muss die Stelle alle Religionsgemeinschaften gleichermaßen im Blick behalten.“

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Check Out These Weird-Ass Ancient Proto-Spiders Trapped in Amber

Huang et al
A list of things creepier than spiders: parasitic worms, ticks, ancient proto-spiders.

Michael Byrne | MOTHERBOARD

What, you may ask, is a proto-spider? It’s the thing that preceded spiders in evolution—the first attempt, the dry run. Thanks to two international teams of paleobiologists, we now have a collection of four proto-spider specimens preserved in amber and dating back some 100 million years. Their work is published this week in two papers in Nature Ecology and Evolution.

The spiders are of the type Chimerachne yingi, a name that translates from Latin to “chimera spider.” This is meant to reflect its evolutionary „in-betweenness.“

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