Religion tötet keine Menschen, Menschen mit Religion töten Menschen


Weshalb sollen wir jenen Menschen partout nicht glauben, dass ihr Handeln etwas mit Religion zu tun hat, wenn sie sich bei ihrem Handeln doch explizit auf göttliche Anleitung berufen?

Von Valentin Abgottspon | Richard-Dawkins-Foundation

Dieser Text wurde von Valentin Abgottspon ursprünglich am 5. Februar 2015 für die Freidenker-Kolumne auf news.ch nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo vom 7. Januar 2015 veröffentlicht.

Anlässlich von Terrorakten und Gräueltaten vernehmen wir immer wieder mal ein „Das hat mit (wahrer) Religion nichts zu tun!“ oder „Das sind keine Muslime, das hat mit dem Islam nichts zu tun!“ Eine Aussage, die mich befremdet.

Gar nichts habe es mit Religion, Allah oder anderen Göttern zu tun, wenn Menschen während sie Schwule von Hochhäusern stürzen, Piloten bei lebendigem Leibe anzünden, Homosexuellen sagen, dass sie in der Hölle schmoren werden, anderen Köpfe abhacken und so weiter und dabei laut schreien: „Allah/Gott/Jahwe ist groß!“ „Im Namen der Religion!“ „Für Gott!“. Mich befremdet es, dass ausgerechnet solche Handlungen angeblich nichts mit Religion zu tun haben sollen. Weshalb sollen wir jenen Menschen partout nicht glauben, dass ihr Handeln etwas mit Religion zu tun hat, wenn sie sich bei ihrem Handeln doch explizit auf göttliche Anleitung berufen?

Wir können verstehen oder zu verstehen versuchen, was auf dem politischen Parkett damit gemeint ist, wenn beispielsweise der französische Präsident in der Folge der islamischen Terrorakte gegen die Redaktion des Charlie Hebdo behauptete, das habe nichts mit dem Islam zu tun. Er meint damit: „Die Mehrheit der Muslime ist friedlich. Wir wollen und dürfen den Islam nicht unter Generalverdacht stellen und die Menschen, welche sich als Muslime bezeichnen dürfen wir nicht vorverurteilen.“ Es ist pragmatisch, dergleichen zu äußern. Damit die Grenze zu den Attentätern klarer wird. Ehrlicher und korrekter wäre es aber, zu formulieren: „Das hat mit Religiosität und Islam, wie ihn die Mehrheit hier lebt, nicht viel zu tun!“ Eben nicht nichts. Und schon gar nicht „gar nichts“.

Tut man denn dem Islam oder allgemein der Religion einen Dienst, wenn man ihre schlechten Seiten, die extremistischen Ausprägungen auszublenden sucht? Sie irgendwo anders anrechnen will, bloß nicht bei der Religion, damit diese schön rein und nur für Positives verantwortlich bleibt?

weiterlesen