Machen Moscheevereine genug gegen die Extremisten in ihren Reihen?


An der An-Nur-Moschee in Winterthur trieben Islamisten lange ihr Unwesen, bis die Behörden eingriffen. (Bild: Keystone / Walter Bieri)
Lassen sich Jugendliche vom radikalen Islamismus verführen, fällt dies oft auch ihren gemässigten Glaubensgenossen auf. Doch nicht immer erhalten die Behörden warnende Hinweise.

Von Beat Stauffer | Neue Zürcher Zeitung

Der junge Iraker fiel immer wieder durch seine radikalen Äusserungen und seine offen bekundete Sympathie für den IS auf. Davon wollten seine Glaubensgenossen in der arabischen Moschee im sankt-gallischen Wil, in welcher der Extremist verkehrte, nichts wissen. Der Imam Kabil Idrizi untersagte dem Iraker, das Gotteshaus zu betreten – und wandte sich, als dieser Morddrohungen aussprach, an die Wiler Behörden. Diese erliessen ein offizielles Hausverbot und schalteten die Kantonspolizei ein.

Es gibt nur wenige öffentlich bekannte Fälle wie diesen aus dem Mai 2015, in denen sich Moscheevereine aus eigenem Antrieb gegen radikale Kräfte zur Wehr setzen und die betreffenden Personen auch den Behörden melden. In vielen anderen Beispielen gibt es zwar deutliche Hinweise auf eine solche Zusammenarbeit. Doch die Behörden bewahren meist Stillschweigen. Und für die Moscheevereine ist das Thema heikel, stecken sie doch in einem Loyalitätskonflikt und setzen sich durch die Kooperation mit den Behörden der Kritik konservativer oder gar salafistischer Mitglieder aus.

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