Die Unsterblichkeit muss warten


Edith Piaf hat auf ihre Weise die Unsterblichkeit erlangt. Ihre Wachsfigur hingegen – hier wird sie gerade für einen Transport vorbereitet – ist eher ein Sinnbild der Vergänglichkeit. (Bild: Philippe Wojazer / Reuters)
Der Mensch wird nicht ruhen, bis er seinesgleichen im Reagenzglas herstellen kann. Er übt sich darin, seit es ihn gibt. Er kann nicht anders, weil es in seinem genetischen Code steht. Besonders erfolgreich war er bisher nicht.

Von Roman Bucheli | Neue Zürcher Zeitung

Vielleicht geht alles auf eine immense Kränkung zurück. Der Mensch, das allmächtige Wesen, schaut in die Natur und sieht: Es gibt Lebewesen, die können, was er nicht kann. Ein Schneeglöcklein etwa bestäubt sich notfalls selber und reproduziert sich ohne die Mühen der Partnersuche und den ganzen nervenaufreibenden Rest von Vorspiel bis Nachspiel. Der Mensch jedoch, will er sich fortpflanzen, ist dazu verdammt, sich stets mit seinesgleichen zusammenzutun. Allein geht’s nicht. Selbstbestäubung ist ausgeschlossen.

Die Nadel-Kronenschnecke, auch Indische Turmdeckelschnecke genannt, macht ihrem zauberhaften Namen alle Ehre. Sie ist ein zierlich zartes Geschöpf und trägt ihren Lebtag ein turmartig gewundenes Gehäuse mit sich herum. Sie misst weniger als fünf Millimeter und ist vielleicht nur darum ein wenig lästig, weil sie vielen Parasiten als Zwischenwirt dient, bevor diese andere Tiere und gar den Menschen befallen. Aber auch sie beherrscht die Kunst, sich ohne Hilfe eines Artgenossen fortzupflanzen.

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