Vulkanasche macht Beton „grüner“

Asche aus Vulkanausbrüchen eignet sich als klimafreundliches Baumaterial – wenn es dem Beton als Ersatz für Zement beigemischt wird. © USGS
Nach dem Rezept der Römer: Beton könnte durch die Beimischung von Vulkanasche stabiler und gleichzeitig umweltfreundlicher werden. Ersetzt man Teile des Zements durch gemahlenes Vulkangestein, verringern sich Energiebedarf und CO2-Ausstoß für die Herstellung des Baumaterials um fast 20 Prozent, wie Forscher ermittelt haben. Ein weiterer Vorteil: Ablagerungen von Vulkanasche gibt es in vielen Gegenden Welt reichlich.

scinexx

Beton und sein Hauptbestandteil Zement sind einer der wichtigsten Baustoffe der Menschheit. Kaum ein anderes Material wird so häufig verbaut. Doch der Zement hat eine Schattenseite: Beim Brennen des Kalksteins werden enorme Mengen Kohlendioxid (CO2) frei, gleichzeitig benötigt dies große Mengen Energie. Schätzungen zufolge gehen deshalb rund fünf Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes allein auf das Konto der Zementproduktion.

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Wo ist die Grenze bei Witzen über Kirche und Religion?

Winni Rau ist ein Urgestein der »Stunksitzung« in Köln. Foto: Jürgen Kappel
Es geht gut los. Die Kirche macht den Aufschlag in der diesjährigen Kölner Stunksitzung: Karl Marx und Friedrich Engels stehen auf einem Podest der Bühne im »E-Werk« und suchen mit Ferngläsern nach populären Personen, die sich für die Interessen der Arbeiter einsetzen.

Von Jürgen Kappel | Kirche+Leben

Viele bekannte Gesichter laufen an ihnen vorbei. Zum Beispiel der amerikanische Präsident Donald Trump, der, so behauptet er jedenfalls, ein Herz für amerikanische Arbeiter hat. Und natürlich darf auch Sahra Wagenknecht nicht fehlen, die mit scharfer Intelligenz die Rechte der proletarischen Masse medienwirksam einfordert.

Doch Marx und Engels sind nicht zufrieden. Immer wieder schütteln sie die Köpfe. Am Schluss läuft Papst Franziskus am Podium vorbei. Die beiden Kommunisten sind begeistert. Der Papst ist ein Mann nach dem Geschmack der beiden. Doch bei aller Begeisterung sind sie sehr irritiert über die Veränderung in der Kirche.

Kardinal Meisner war oft ein Ziel

So gut kommt die Kirche selten während der Stunksitzung weg. In der Vergangenheit wurden Vertreter des kirchlichen Bodenpersonals und ihre Äußerungen häufig aufgespießt. So häufig, dass für eingefleischte Katholiken die Grenzen des guten Geschmacks übertreten wurden.

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Kirche erkennt 70. Wunderheilung von Lourdes an

Seit 1858 soll es in Lourdes rund 30.000 Heilungen gegeben haben. Bild: APA/AFP/Pascal Pavani
Die katholische Kirche hat eine 70. Heilung im Marienwallfahrtsort Lourdes als medizinisch unerklärlich und damit als „Wunder“ eingestuft. Das Anerkennungsschreiben von Bischof Jacques Benoit-Gonnin von Beauvais trägt das Datum vom Sonntag.

religion.ORF.at

Es erklärt, dass die heute 79-jährige Ordensfrau Bernadette Moriau 2008 von einer langjährigen Lähmung geheilt worden sei; seit 1987 habe sie nicht mehr gehen können. Ärzte könnten den Heilungsprozess in der Folge einer Lourdes-Wallfahrt nicht medizinisch begründen.

Dreistufige Prüfung von Heilungsberichten

Seit 2006 prüft ein internationales Ärztekomitee im südwestfranzösischen Marienwallfahrtsort Lourdes Heilungsberichte in drei Stufen. In einem ersten Verfahren wird mit Blick auf die Krankengeschichte festgestellt, ob es sich um eine „unerwartete“ Heilung handelt.

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Unterkomplexe Kreationisten und ihr Baukasten der Schöpfung

Bild: AG EvoBio

Es ist eine beliebte Strategie der Evolutionsgegner, biologische Merkmale ins Auge zu fassen und zu behaupten, diese seien zu komplex, als dass ihre Entstehung durch Evolution erklärbar sei. Beispielsweise würden die erstaunlichsten Leistungen der Tarnung und Mimikry zu viele aufeinander abgestimmte Anpassungen gleichzeitig benötigen, als dass sie bei verschiedenen Organismengruppen (Taxa) schrittweise und mehrmals unabhängig (konvergent bzw. parallel) evolviert sein könnten. In diese Richtung argumentiert beispielsweise Reinhard JUNKER von der Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, auf dessen Beitrag im Rahmen dieses Artikels eingegangen werden soll.

Von Martin Neukamm, Hans Zauner | AG EvoBio

Tarnung und Mimikry im Ameisennest

Um sich vor Räubern oder Angreifern zu schützen, verfügt die Tierwelt über ein Arsenal von Tarnvorrichtungen. Eine dieser Einrichtungen wird mit dem Begriff Mimese umschrieben. Darunter versteht man das Phänomen, dass sich das betreffende Tier optisch derart seiner Umgebung angepasst hat, dass es mit dem Wahrnehmungs-Hintergrund seiner Feinde verschmilzt und nicht mehr als Beute oder Eindringling wahrgenommen werden kann.

Zu den erstaunlichsten Beispielen mimetischer Anpassung zählen die so genannten „myrmecophilen“ Tiere. Das sind vorrangig Käfer bestimmter Entwicklungslinien, die als „Untermieter“ die Nester von Ameisen und Termiten bevölkern. Ein Ameisennest ist eine schwierige ökologische Nische, denn die Ameisen haben ja zunächst einmal nichts davon, wenn Käfer ihren Bau besiedeln. Ameisen sind äußerst wehrhafte Tiere und befördern unerwünschte Gäste rasch aus ihrem Bau oder bringen sie um. Eine Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, besteht darin, sich evolutiv ein ameisenähnliches Aussehen zuzulegen. Die Käfer mischen sich unter die Ameisenmenge und werden in Ruhe gelassen. In manchen Nestern gibt es sogar Vertreter mehrerer Käfergattungen, die jeweils so aussehen wie ihre gastgebenden Ameisen – obwohl andere Mitglieder dieser Gattungen eher wenig Ähnlichkeit miteinander haben.

Ein ähnlicher Tarnmechanismus ist die so genannte Mimikry, wonach die Tiere optisch und in ihrem Verhalten giftige, wehrhafte oder ungenießbare Tierarten nachahmen oder ihren Feinden kooperatives Verhalten signalisieren. Man kennt zum Beispiel Kurzflügler, die im Ameisenbau chemische Signale freisetzen, die sie davor schützen, gefressen zu werden. Sie bieten den Ameisen Sekrete an, die dazu führen, dass sie sogar von ihnen in ihr Nest eingetragen werden.

Unlängst wurde darüber berichtet, dass 140 Tiere aus ganz verschiedenen Gliederfüßer-Gattungen (Ameisen, Käfer, Wespen, Spinnen, Wanzen) sehr ähnliche ameisenartige Gestalten – mit Warn-Elementen an Räuber – herausbildeten. Manche dieser Arten sind tatsächlich ungenießbar, andere sprangen quasi auf den Zug auf, sind aber eigentlich ungiftig.

Dass es neben optischer Mimikry, die auch Nichtfachleute als Anpassung der Gestalt wahrnehmen, noch andere Wege der Mimikry gibt, zeigen die Ameisengrillen mit dem suggestiven Namen Myrmecophilidae („Ameisenfreunde“). Diese Gruppe umfasst 71 Arten in fünf Gattungen mit einer einzigen Art in Europa. Es sind sehr kleine Heuschrecken, die gar nicht ameisenähnlich aussehen, dennoch als Kleptoparasiten in den Nestern verschiedener Ameisen- und sogar Termitenarten leben. In der Auswahl ihrer Wirte sind sie wenig wählerisch und wohl nicht spezifisch. Sie scheinen Pheromone (Lock- und Signalstoffe) der Ameisen auf ihrer Cuticula (Außenhaut) aufzunehmen und so den Nestgeruch anzunehmen. Daneben sind sie extrem beweglich und entkommen immer wieder den zu beobachtenden Angriffen ihrer Wirte durch schnelles Ausweichen. Allerdings wurden auch Tötungen beobachtet – also eine nicht ungefährliche Lebensweise, die genau das zeigt, was aus Sicht der Evolutionsbiologie zu erwarten ist: Zum einen gibt es viel mehr als nur einen Weg. Zum anderen sind die Anpassungen der sich im Wettbewerb befindenden Organismen auf beiden Seiten alles andere als perfekt.

Konvergenzen, Parallelismen

All diese Tarnvorrichtungen haben eines gemeinsam: Die betreffenden Tiere entwickelten vielfach unabhängig voneinander ganz ähnliche Merkmale, sie haben sie also nicht von ihrem gemeinsamen Vorfahren geerbt. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Biologie allgemein als Konvergenz oder als Parallelismus (Parallelentwicklung). Von letzterem sprechen Biologen insbesondere dann, wenn die unabhängig erworbenen Merkmale bei relativ nahe verwandten Arten in geographisch getrennten Regionen auftreten.

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Röntgensignal von Dunkler Materie?

Von der Perseus-Galaxie geht ein Röntgensignal aus, das möglicherweise für die Existenz von leichten Teilchen der Dunklen Materie spricht. © NASA/CXC/SAO/E.Bulbul, et al./ ESA
Verräterische Strahlung: Ein mysteriöses Röntgensignal aus nahen Galaxien könnte einen Hinweis auf die Natur der Dunklen Materie liefern. Denn wie Astrophysiker jetzt ermittelt haben, passt die Signatur dieser Strahlung zur Präsenz von extrem leichten Teilchen Dunkler Materie – beispielsweise den hypothetischen sterilen Neutrinos. Treffen diese Partikel aufeinander, löschen sie sich gegenseitig aus und setzen dabei Röntgenstrahlung frei, so jedenfalls die aktuelle Theorie.

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Obwohl die Dunkle Materie vier Fünftel der Masse in unserem Universum ausmacht, ist noch immer völlig unbekannt, woraus sie besteht. Von den bislang favorisierten WIMPs (Weakly Interacting Massive Particles), fehlt bislang jede Spur, auch wenn ein seltsamer Überschuss an Gammastrahlen in der Milchstraße und Zwerggalaxien auf die Präsenz solcher schwerer, sich gegenseitig auslöschender Teilchen hindeuten könnte.

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Wiedertäufer in Münster: „Regelloser Geschlechtsverkehr in unersättlichem Wechsel“

So stellten sich die Zeitgenossen das Treiben in Münster vor – Zeichnung von Virgil Solis (1514-1562) Quelle: picture-alliance / akg-images
Das „Tausendjährige Reich“ der Wiedertäufer in Münster 1534/35 zeichnete sich durch Gütergemeinschaft und Polygamie aus. Dahinter stand nicht nur Terror, sondern tatsächlich so etwas wie Zustimmung.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Auch in Münster feiert man Karneval. Aus rheinischer Perspektive handelt es sich allerdings eher um eine gedämpft wirkende Angelegenheit, die weniger auf der Straße als am überdachten Thresen zelebriert wird. Das mag damit zusammenhängen, dass der traditionelle Rosenmontagsumzug auch über den Prinzipalmarkt zieht, die erste Adresse der Stadt. Von dort hat man einen guten Blick auf die Lambertikirche und die drei Käfige, die an ihrem Turm hängen. Heute sind sie leer, aber im 16. Jahrhundert verrotteten dort die Knochen der Führer eines Regimes, das als erstes „Tausendjähriges Reich“ in Deutschland für Schrecken gesorgt hatte: das „Königreich Sion“ der Wiedertäufer.

Es war im Februar des Jahres 1534, als ein gewisser Jan Mathys in die Stadt einzog. Zwar waren die Bewohner der Bischofsstadt in den vorangegangenen Jahren Anhänger Luthers geworden. Aber die uralten Traditionen, den Beginn der vorösterlichen Fastenzeit mit allerlei Schabernack zu feiern, wird vielen noch im Bewusstsein gewesen sein. Doch die Monate, die folgten, sollten alles in den Schatten stellen, was bis dahin erdacht worden war, um böse Geister zu vertreiben. Denn aus Spaß wurde blutiger, tödlicher Ernst.

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In drei eisernen Käfigen am Turm von St. Lamberti Münster, verrotteten die Knochen der Anführer. Bild: bb

Der Todeskampf des türkischen Schulsystems

Indoktrinierung statt Freiheit – bald in allen Klassenzimmern? Eine Mittelschule in der Provinz Van, im äußersten Osten der Türkei. (Foto: Alamy/mauritius images)
Schulen werden islamisiert, die Evolutionslehre wird aus den Lehrplänen gestrichen: Die säkulare Türkei gehört der Vergangenheit an.

Von Yavuz Baydar | Süddeutsche Zeitung

Diese Tage sind lange her, fast vergessen. Es war in den späten Sechzigerjahren. In einem Gymnasium in Eskişehir, einer anatolischen Industriestadt, habe ich mit einem Schulfreund Zeit außerhalb der Klasse verbracht, ohne unsere Mitschüler. Mein Freund hieß Haluk, glaube ich – ein stiller, bedachter Junge.

Es war noch die „alte Türkei“, die beharrlich daran arbeitete, ein säkulares Leitbild in der Gesellschaft zu verankern, ganz im Sinne des Gründers der Republik, Mustafa Kemal Atatürk. In den Grundschulen wurde Religion nicht unterrichtet. Später durfte man selbst wählen, ob man den Religionsunterricht besuchen möchte.

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Missbrauchsvertuschung in der Kirche: „Die Kirche will ja den Opfern glauben“

Franziskus nimmt einen Bischof in Schutz, der Missbrauch vertuscht haben soll. Wider besseres Wissen? Ein Vertreter der päpstlichen Kinderschutzkommission nimmt Stellung.

Von Annette Langer | SpON

Der Fall hat weltweit Empörung unter Opfern sexueller Gewalt ausgelöst: Papst Franziskus verteidigt einen chilenischen Bischof gegen Vorwürfe, Missbrauch verschleiert zu haben. Obwohl eines der Opfer dem Pontifex schon Jahre zuvor einen Brief geschrieben und darin erklärt hat, der Bischof habe sexuelle Übergriffe nicht nur geheim gehalten, sondern ihnen sogar beigewohnt.

SPIEGEL ONLINE hat den vatikanischen Kinderschutzexperten Hans Zollner nach seiner Einschätzung gefragt.

SPIEGEL ONLINE: Hat Papst Franziskus den Brief des mutmaßlichen Missbrauchsopfers Juan Carlos Cruz gelesen?

Zollner: Das weiß nur der Papst allein. Mich wundert, dass viele davon ausgehen, wo doch klar ist, dass Franziskus jeden Tag Tausende Schreiben bekommt, von denen er nur einen Bruchteil lesen kann. Ich habe ihm selbst einmal zwei Briefe in die Hand gegeben – und weiß trotzdem nicht, ob er sie gelesen hat.

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Dodo Müller: „Suizidale Modernisierung“ der Kirche

Gerhard L. Müller links im Bild
Früherer Präfekt der Glaubenskongregation äußert sich zu Amoris laetitia, Reformation und dem Vorschlag zur Segnung von Homopaaren.

kath.net

Kardinal Gerhard Müller bedauerte bei einem Vortrag die Trennung von Dogmatik und Morallehre. Er sprach von einer unterwürfigen „Umwandlung der Kirche in eine NGO“ mit dem Ziel der Verbesserung innerweltlicher Lebensbedingungen. Dabei handle es sich allerdings um eine „suizidale Modernisierung“. Dies betrüge die Menschen um die Wahrheit Gottes. Müller präsentierte demgegenüber das Christentum als einen theozentrischen Humanismus. Das berichtete die Würzburger „Tagespost“. Müller äußerte sich anlässlich der Würdigung der Enzyklika Veritatis splendor (VS) von Johannes Paul II. zu ihrem 25. Jahrestag durch die Slowakische Bischofskonferenz und die Comenius-Universität in Bratislava.

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Warum pflanzen wir uns durch Sex fort?

Welchen Nutzen hat Sex? © Grinvalds/ thinkstock
Sex als Schutzmechanismus: Fast alle höheren Lebewesen pflanzen sich durch Sex fort – obwohl diese Form der Vermehrung aus evolutionsbiologischer Sicht durchaus Nachteile hat. Forscher liefern nun eine mögliche Erklärung für dieses Paradox: Ihnen zufolge entstand Sex als Folge der Erfindung der Sauerstoffatmung. Denn damit waren eukaryotische Zellen plötzlich mit gefährlichen Sauerstoffradikalen konfrontiert. Zum Schutz vor Schäden musste eine effiziente DNA-Reparatur her – und die ermöglichte der Sex.

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Der Mensch tut es, viele Tiere tun es, ja nahezu alle höheren Lebewesen tun es: Sie pflanzen sich durch Sex fort. Bei diesem Prozess verschmelzen die Keimzellen zweier Elternteile miteinander und damit auch deren Erbgut. Diese Rekombination führt dazu, dass sich die Zellen der Nachkommen genetisch von denen der Eltern unterscheiden – es entsteht eine neue Mischung.

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Zentralrat plant Jüdische Akademie

Die Stadt Frankfurt am Main stellt ein ehemaliges Professorenhaus und ein angrenzendes freies Grundstück am Rand des geplanten Kulturcampus zur Verfügung. ©Thinkstock
Der Magistrat der Stadt unterstützt das Projekt mit 4,5 Millionen Euro

Jüdische Allgemeine

Der Zentralrat der Juden in Deutschland plant die Errichtung einer Jüdischen Akademie in Frankfurt am Main. Der Magistrat der Stadt entschied am Freitag, das 15,6 Millionen teure Projekt mit 4,5 Millionen Euro zu unterstützen, wie das Presseamt bekannt gab.

Die Stadt stelle ein ehemaliges Professorenhaus und ein angrenzendes freies Grundstück am Rand des geplanten Kulturcampus an der Senckenberganlage nahe dem Messegelände zur Verfügung. Auch das Land Hessen habe Unterstützung zugesagt.

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Trotz Tausender Todesopfer: Evangelikale in den USA predigen Glaube statt Medizin

Die Grippewelle hat allein in Texas schon 2300 Tote gefordert. Da wirken Empfehlungen einer evangelikalen Predigerin besonders zynisch: Statt einer Impfung empfiehlt sie den festen Glauben an Gott.

Badische Zeitung

Die USA erleben eine der schlimmsten Grippewellen seit Jahren. Bis Januar waren daran allein in Texas schon mehr als 2 300 Menschen gestorben. Laut der texanischen Gesundheitsbehörde gab es seit dem Ausbruch der Schweinegrippe 2009 nicht mehr so viele stationäre Einweisungen aufgrund von Grippe. Vor diesem Hintergrund sorgt ein Video der TV-Evangelistin Gloria Copeland für Empörung. Statt einer Impfung könne auch ein fester Glaube an Gott vor Grippe schützen, erklärte sie in einem Filmbeitrag auf Facebook.

Grippeimpfungen seien überflüssig, predigt die 75-jährige TV-Evangelistin einer Megakirche. Schließlich habe Jesus selbst die Menschen gegen Grippe geimpft:

„Durch seine Wunden sind wir geheilt“, sagt sie in dem Video. Copeland glaubt daher auch gar nicht an die aktuelle Grippewelle. Sie meint: „Es gibt eine Entenzeit, eine Wildzeit – aber keine Grippezeit.“Gloria Copeland

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Du kommst hier nicht rein!

Der Weltgewerkschaftsbund (WFTU), ein zu Zeiten des kalten Kriegs kommunistisch-links geprägtes Pendant zum Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, blieb auch nach dem Ende des kalten Kriegs und des Zerfalls des Warschauer Pakts aktiv.

Von Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Er ist weiterhin bei der UNO und UNESCO registriert, während sich der Internationale Bund Freier Gewerkschaften mit dem Weltverband der Arbeitnehmer und weiteren internationalen Gewerkschaftsvertretungen zum Internationalen Gewerkschaftsbund zusammenschloss.

In dieser Funktion, als ein bei der UNO registrierter Gewerkschaftsbund, sollte der Weltgewerkschaftsbund, kurz nach den Initialen seines Namens World Federation of Trade Unions WFTU genannt, im März, vertreten durch seinen Generalsekretär, an einer UN-Sitzung in New York teilnehmen. Einige Tage später sollte Giorgos Mavrikos, der von 2007 bis 2013 für die Kommunistische Partei Griechenlands im Parlament saß, als Hauptredner einer internationalen Gewerkschaftstagung in Los Angeles beiwohnen.

Das geht nicht, befanden aber die Behörden der USA. Als Kommunist steht Mavrikos auf einer Liste mit Personen, denen die Einreise in die Vereinigten Staaten verboten wird. Der offizielle Ablehnungsbescheid verweist auf Terrorismusverdacht. Theoretisch genießen griechische Staatsbürger Reisefreiheit in die USA.

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Erdogans kalter Sieg über die Kurden

Inhaftiert: der Vorsitzende der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas Quelle: dpa
In der Türkei schien die Zeit der Kurden anzubrechen: Erdogan startete den Dialog – dann kam die brutale Wende. Jetzt sind die Kurden wieder da, wo sie in den 90er-Jahren waren: unterdrückt, enttäuscht und radikal.

Von Boris Kálnoky | DIE WELT

Recep Tayyip Erdogans kometenhafter Aufstieg zur Macht nach der Jahrtausendwende wurde beschleunigt von einer kunstvoll komponierten Botschaft. Sie signalisierte jeder gesellschaftlichen Gruppe Respekt und Wohlwollen. Erstmals bei einer islamisch geprägten Partei war da von Offenheit für Liberale die Rede, säkularen Türken wurde versichert, dass Religion nicht entscheidend sei, Nationalisten, dass nichts wichtiger sei als die Nation. Anders als seine politischen Vorgänger gab sich Erdogan EU- und amerikafreundlich.

Vor allem aber erschloss er sich eine Wählerschaft, die säkularen türkischen Politikern zuvor weitgehend verschlossen geblieben war: die Kurden. Dosiert, aber doch erkennbar, signalisierte er Verständnis für ihren Wunsch nach mehr kulturellen Rechten und gab ihnen im Laufe der Zeit auch einiges.

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Gewaltfreie Proteste gut für eine Gesellschaft

Bild von einer Pegida-Demo. Twitter
Die Studentenproteste der 1968er Jahre haben nach Ansicht des Konfliktforschers Thorsten Bonacker zur positiven Entwicklung der Bundesrepublik beigetragen.

Von Stefanie Walter | evangelisch.de

„Konflikte, so lange sie gewaltfrei bleiben, sind zentral für eine Demokratie“, sagte der Marburger Soziologe in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). 1968, also vor 50 Jahren, war das Jahr der Studentenunruhen, der Attentate auf Martin Luther King und Robert Kennedy sowie der Niederschlagung des „Prager Frühlings“.

Oft würden Konflikte negativ bewertet. „Aber die Studentenbewegung hat gezeigt: Durch die Austragung von Konflikten kann sich sozialer Wandel vollziehen“, sagte Bonacker Die Auseinandersetzungen der 60er Jahre hätten eine „erste große Liberalisierungswelle“ gebracht, und zwar für fast alle westlichen Gesellschaften.

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Was unsere meistbenutzten Emojis über uns verraten

Die Emoji-Palette wird um 157 Symbole erweitert. Doch was sagt ihr Gebrauch eigentlich über ihre Nutzer? (Bild: Unicode Consortium)
Wer viele gefühlvolle Emojis benutzt, ist eher emotional instabil, und wer gerne Einhörner verschickt, ist gewissenhaft. Das zumindest behauptet eine Psychologin.

Von Esthy Rüdiger | Neue Zürcher Zeitung

Ein Gesicht, das in Tränen auszubrechen droht, ein erfrierendes Smiley und ein feierwütiges Konfetti-Emoji: Das Unicode-Konsortium hat vor wenigen Tagen bekanntgegeben, die Emoji-Palette um 157 Symbole zu erweitern – und ermöglicht den Nutzern damit, ihre emotionalen Ausbrüche noch treffender zu unterstreichen.

Denn: Wenn die Augen der Spiegel der Seele sein sollen, was verraten dann erst die meistbenutzten Emojis über das Innenleben derer, die sie verschicken? Diese Frage stellte sich das amerikanische Magazin «Fast Company». Mithilfe von Traitify, einem Unternehmen, das sich auf die Persönlichkeitserkennung mittels digitaler Daten spezialisiert hat, untersuchte es den Emoji-Gebrauch seiner Redaktion.

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Ruhe! Ich seh‘ nichts!

Grafik: TP
Unsere Sinne beeinflussen einander. Versuche an Mäusen verdeutlichen, warum Blinde besser hören und fühlen

Von Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Am Ende ist alles eins. Die Gegenstände in unserer Wahrnehmung – bzw. deren mentale und neuronale Repräsentationen – erscheinen als Einheiten, die auf verschiedene Sinne wirken und dabei doch immer Urheber der Wahrnehmung bleiben. Ich kann einen Menschen sehen, hören, fühlen, riechen und in besonderen Situationen auch schmecken, und erfahre damit Eigenschaften dieses Menschen.

Aber am Anfang, da scheint alles getrennt zu sein. Die Musik im Radio kann ich nur hören, die Landschaft vor dem Zugfenster nur sehen, den Schweiß in der U-Bahn nur riechen. Jede Sinnesmodalität wird anscheinend gesondert aufgenommen und verarbeitet. Erst die fertigen Bilder, Geräusche, Gerüche und Fühleindrücke werden zu Repräsentationen verbunden auf eine Weise, die noch rätselhaft und hier nicht Thema ist – mutmaßlich über das synchrone und schnelle Feuern weitläufig vernetzter Neuronen aus den beteiligten Gehirngebieten.

In diesen Gebieten aber wird jeder Sinneseindruck, der von den Sinnesorganen kommt, zunächst einmal ganz für sich ausgewertet. Daher gibt es eine Sehrinde am Hinterende des Großhirns, und völlig getrennt davon eine Hörrinde auf dem Schläfenlappen, und wiederum ganz woanders, im Scheitellappen hinter der Zentralfurche, die Fühlrinde.

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Jeden Tag vier antisemitische Straftaten in Deutschland

Bild: bb
Im vergangen Jahr wurden in Deutschland 1453 antisemitische Straftaten registriert.

stern.de

Im vergangen Jahr wurden in Deutschland 1453 antisemitische Straftaten registriert. Das sind ungefähr soviel wie 2016, aber mehr als 2015, wie der „Tagesspiegel“ (Montagausgabe) unter Berufung auf Angaben der Bundesregierung berichtete. Die Zahl von durchschnittlich vier Straftaten am Tag würden vermutlich noch steigen, da nicht alle Angaben der Länder bereits endgültig erfasst seien.

Bei 1377 aller Delikte gehen die Behörden von rechts motivierten Tätern aus, wie die Bundesregierung auf Fragen von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) mitteilte. 33 Straftaten werden ausländischen Judenfeinden ohne Islamisten zugeschrieben, weitere 25 Delikte „religiös motivierten“ Antisemiten, also meist muslimischen Tätern ausländischer sowie deutscher Herkunft.

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Debatte um Heimatministerium hält an

Die Diskussion um die geplante Erweiterung des Innenministeriums um die Zuständigkeit für Heimat dauert an. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby verteidigte das Vorhaben am Sonntag im Deutschlandfunk. Man dürfe dieses Thema nicht nur den Rechtspopulisten überlassen. Der Berliner Historiker Paul Nolte warnte dagegen vor einer Verklärung des Begriffs „Heimat“, es gehe eigentlich um Grenzkontrolle und Immigrationspolitik, sagte Nolte dem epd über ein Superministerium mit Horst Seehofer (CSU) an der Spitze.

evangelisch.de

Der im Senegal geborene SPD-Politiker Diaby sagte, der Koalitionsvertrag definiere die Heimat als jenen Ort, an dem die Menschen lebten. Es gehe also vor allem um die Kommunen und darum, dass das Leben auch in strukturschwachen Regionen lebenswert bleibe.

„Kommunen sind die Heimat der Menschen und das Fundament des Staates“ zitierte Diaby den Koalitionsvertrag: „Und das muss jetzt mit Inhalten gefüllt werden.“ Die Abwanderung junger Menschen aus strukturschwachen ländlichen Gebieten beispielsweise könne verhindert werden, in dem man die Attraktivität dieser Orte durch Innovationen steigere.

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