Erdogans kalter Sieg über die Kurden


Inhaftiert: der Vorsitzende der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas Quelle: dpa
In der Türkei schien die Zeit der Kurden anzubrechen: Erdogan startete den Dialog – dann kam die brutale Wende. Jetzt sind die Kurden wieder da, wo sie in den 90er-Jahren waren: unterdrückt, enttäuscht und radikal.

Von Boris Kálnoky | DIE WELT

Recep Tayyip Erdogans kometenhafter Aufstieg zur Macht nach der Jahrtausendwende wurde beschleunigt von einer kunstvoll komponierten Botschaft. Sie signalisierte jeder gesellschaftlichen Gruppe Respekt und Wohlwollen. Erstmals bei einer islamisch geprägten Partei war da von Offenheit für Liberale die Rede, säkularen Türken wurde versichert, dass Religion nicht entscheidend sei, Nationalisten, dass nichts wichtiger sei als die Nation. Anders als seine politischen Vorgänger gab sich Erdogan EU- und amerikafreundlich.

Vor allem aber erschloss er sich eine Wählerschaft, die säkularen türkischen Politikern zuvor weitgehend verschlossen geblieben war: die Kurden. Dosiert, aber doch erkennbar, signalisierte er Verständnis für ihren Wunsch nach mehr kulturellen Rechten und gab ihnen im Laufe der Zeit auch einiges.

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