Ruhe! Ich seh‘ nichts!


Grafik: TP
Unsere Sinne beeinflussen einander. Versuche an Mäusen verdeutlichen, warum Blinde besser hören und fühlen

Von Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Am Ende ist alles eins. Die Gegenstände in unserer Wahrnehmung – bzw. deren mentale und neuronale Repräsentationen – erscheinen als Einheiten, die auf verschiedene Sinne wirken und dabei doch immer Urheber der Wahrnehmung bleiben. Ich kann einen Menschen sehen, hören, fühlen, riechen und in besonderen Situationen auch schmecken, und erfahre damit Eigenschaften dieses Menschen.

Aber am Anfang, da scheint alles getrennt zu sein. Die Musik im Radio kann ich nur hören, die Landschaft vor dem Zugfenster nur sehen, den Schweiß in der U-Bahn nur riechen. Jede Sinnesmodalität wird anscheinend gesondert aufgenommen und verarbeitet. Erst die fertigen Bilder, Geräusche, Gerüche und Fühleindrücke werden zu Repräsentationen verbunden auf eine Weise, die noch rätselhaft und hier nicht Thema ist – mutmaßlich über das synchrone und schnelle Feuern weitläufig vernetzter Neuronen aus den beteiligten Gehirngebieten.

In diesen Gebieten aber wird jeder Sinneseindruck, der von den Sinnesorganen kommt, zunächst einmal ganz für sich ausgewertet. Daher gibt es eine Sehrinde am Hinterende des Großhirns, und völlig getrennt davon eine Hörrinde auf dem Schläfenlappen, und wiederum ganz woanders, im Scheitellappen hinter der Zentralfurche, die Fühlrinde.

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