Menschenversuche in Hessen: Als Jürgens Kopf erforscht wurde


Röntgenaufnahme eines Kinderschädels: Der Arzt Willi Enke hat an Heimkindern geforscht – und die Kinder wahnsinnigen Schmerzen ausgesetzt. Foto: privat
Im hessischen Treysa wurde an Heimkindern experimentiert – mit schrecklichen Methoden.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Jürgen war zehn Jahre alt, als ihm Doktor Willi Enke die Hirnflüssigkeit (Liquor) aus dem Kopf abließ, den Schädelraum mit Luft füllte und Röntgenbilder anfertigte. Es war der 4. Dezember 1957, und der Neurologe hatte kein schlechtes Gewissen wegen der Pneumenzephalographie, die er an Jürgen praktizierte. Im Gegenteil: Er präsentierte die Ergebnisse seiner Forschung an einem nordhessischen Heimkind in der Öffentlichkeit.

Jürgen ging ins sechste Schuljahr der Hilfsschule, als der Chef der Neurologie der Hephata-Anstalten in Treysa 1958 über ihn schrieb. Er galt als Kind mit „seelischer Entwicklungshemmung erheblichen Grades“. Ein verhaltensauffälliger Junge oder, wie er damals beschrieben wurde: „Gefährdung durch haltlose Unbekümmertheit und durch innere Aufladung zu expansiver Aggression. Deren Formen können wechseln; zu klären bleibt, ob hirnorganische Teilursachen dahinterstehen.“

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