Schwere Behördenpanne bei Missbrauchsfall in Staufen

In diesem See fanden Ermittler eine Festplatte mit belastendem Material der Schänder eines Neunjährigen, zu denen auch die Mutter gehört haben soll. (Foto: Simon Hofmann/Getty Images)
  • Ermittler gehen davon aus, dass eine Mutter gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten ihr neunjähriges Kind im Internet zum sexuellen Missbrauch angeboten und sich auch selbst an ihm vergangen hat.
  • Nach SZ-Recherchen wurde die Gefahr für den Jungen lange nicht richtig eingeschätzt, da die verfügbaren Informationen nicht gebündelt wurden.
  • Das zuständige Jugendamt war beispielsweise lange nicht darüber informiert, dass der bereits wegen Kindsmissbrauch verurteilte Lebensgefährte bei der Familie wohnte.

Von Ralf Wiegand | Süddeutsche Zeitung

Es ist die entscheidende Frage in all solchen Fällen. Die Antwort darauf kann strafrechtlich relevant sein, immer ist sie zur Vermeidung vergleichbarer Katastrophen unabdingbar – und die Öffentlichkeit will ohnehin als Erstes wissen: Hätte man das verhindern können? Wäre das Martyrium eines Jungen aus dem Breisgau zu beenden gewesen, bevor er durch Ermittlungen im Milieu pädophiler Krimineller gefunden wurde?

Der Fall war im Januar bekannt geworden; die Ermittler gehen davon aus, dass seine Mutter Berrin T. und ihr Lebensgefährte Christian L. das Kind aus Staufen im Internet zum sexuellen Missbrauch angeboten und sich selbst an ihm vergangen haben. Von 2015 bis September 2017 soll das dreckige Geschäft angedauert haben – unter dem Radar diverser Behörden, die entweder die Gefährlichkeit von Christian L. oder das Kindeswohl des Sohnes von Berrin T. im Blick hatten.

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Gauck: Kirchen sollen innere Einheit Deutschlands mitgestalten – die können noch nicht einmal ihre eigene Einheit gestalten

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck sieht die Kirchen bei der weiteren Entwicklung Deutschland in einer wichtigen Rolle

EKD

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat die Kirchen dazu aufgerufen, den weiteren Prozess zur inneren Einheit Deutschlands mitzugestalten. „Unterschiede werden dabei bleiben, ganz deutlich auch im religiösen Leben“, sagte Gauck beim Jahresempfang der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig.

Der Weg vom „Untertanen“ in einer Diktatur zum selbstbewusst handelnden Bürger sei lang, und unterschiedliche Prägungen überdauerten Generationen.

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Apostel Algermissen: Kirchenspaltung ist Grund für Atheismus

© Bild: katholisch.de
Der zunehmende Atheismus wie auch die Angst vor dem Islam: An beidem seien die Kirchen nicht ganz unschuldig, sagt Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen. Er spricht sogar von einem „Skandal“.

katholisch.de

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sieht in der konfessionellen Aufspaltung der Kirchen einen Grund für den fehlenden Glauben vieler Menschen. Es sei eine „bedrängende Frage, wie die Kirche ihre Sendung wahrnehmen kann, wenn die Christen untereinander nicht eins sind und der Skandal der Kirchenspaltung fortbesteht“, sagte Algermissen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Algermissen, seit 2001 Fuldaer Bischof, wird am Donnerstag 75 Jahre alt und erreicht damit die Altersgrenze, bei der Bischöfe laut Kirchenrecht dem Papst ihren Amtsverzicht anbieten müssen.

Mit einer „versöhnten Verschiedenheit“ von katholischer Kirche und reformatorischen Kirchen wolle er sich nicht abfinden, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. „Das kann nur ein Zwischenergebnis sein, bestenfalls eine erste Halbzeit.

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Lebensgroße Dromedar-Reliefs in der Wüste

Dieses unvollständige Relief von zwei Dromedaren prangt seit 2.000 Jahren an dieser Felsspitze in der Wüste Saudi-Arabiens. © CNRS/MADAJ, G. Charloux
Antike Felskunst: Mitten in der Wüste Saudi-Arabiens haben Archäologen 2.000 Jahre alte Felsdarstellungen von Dromedaren entdeckt. Die lebensgroßen Reliefs prangen weithin sichtbar an drei aufragenden Felsspitzen und sind erstaunlich kunstfertig ausgeführt. Wozu diese Felskunst an einem so isolierten Ort diente, ist bisher unklar. Möglicherweise dienten sie als Grenzmarkierungen oder zierten ein Heiligtum, mutmaßen die Forscher.

scinexx

Schon unsere steinzeitlichen Vorfahren schmückten Felswände und Höhlen mit Kunstwerken, deren Spanne von einfachen Handabdrücken oder Ritzzeichnungen bis zu mehrfarbigen Szenen reicht. Auch in Saudi-Arabien haben Archäologen bereits zahlreiche Felskunstwerke entdeckt, darunter einfache Ritzzeichnungen von Dromedaren, aber auch die möglicherweise älteste bekannte Darstellung angeleinter Haushunde.

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Religion: Feigenblatt der Rechten?

Sie haben keine Macht und bestimmen dennoch die politische Agenda. Rechte Christen sorgen in Deutschland mit dafür, dass die gesellschaftliche Polarisierung zunimmt. Freiwillig und unfreiwillig.

Von Astrid Prange | Deutsche Welle

Christenverfolgung, Religionsfreiheit, Missionierung unter muslimischen Flüchtlingen und die Unterstützung Israels  – in Deutschland gelingt es ultrakonservativen Christen zunehmend, ihre Kernthemen in den öffentlichen Diskurs einzuspeisen.

Das Thema Christenverfolgung, einst ein Randthema, steht mittlerweile auf der politischen Agenda weit oben. Angesichts der von dem Hilfswerk „Open Doors“ dokumentierten Gewalt gegen christliche Flüchtlinge in Asylbewerberheimen lässt Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Beispiel seit 2017 „christenfeindliche Straftaten“ gesondert erfassen.

Vorbild Trump?

Die Publizistin Liane Bednarz sieht in der Annäherung zwischen rechtskonservativen Christen und politischen Rechten eine Gefahr für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. „Wir gehen in dieselbe Richtung wie die USA“, erklärt die liberalkonservative Christin im DW-Gespräch. Die Evangelikalen in den USA, die mehrheitlich Präsident Donald Trump gewählt haben, hätten vielfach die gleichen Feindbilder wie die gen rechts gedrifteten Christen hierzulande: Islam, Gender, Homoehe und Abtreibung.

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Hilfe für Ex-Odenwaldschüler

An der Odenwaldschule in Heppenheim wurden mindestens 132 Schüler Opfer von Übergriffen durch Lehrer (Archivbild). Foto: imago
Hessen unterstützt die Opfer sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule. Für sie hat die schwarz-grüne Landesregierung finanzielle Hilfen beschlossen.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Das Land Hessen unterstützt Opfer sexuellen Missbrauchs an der mittlerweile geschlossenen Odenwaldschule. Das hat die schwarz-grüne Koalition beschlossen.

Sie gab dafür eine „haushaltsrechtliche Ermächtigung“, die nicht auf eine bestimmte Summe begrenzt ist. Damit soll es der Stiftung „Brücken bauen“ ermöglicht werden, Opfern weiterhin zu helfen.

An der Internatsschule im Heppenheimer Stadtteil Ober-Hambach waren Schülerinnen und Schüler von einer Täterbande um den früheren Schulleiter Gerold Becker sexuell missbraucht worden. Eine Untersuchung kam zu dem Schluss, dass zwischen 1965 und 1998 mindestens 132 Schüler Opfer von Übergriffen durch Lehrer geworden seien. Opfervertreter gehen sogar von etwa 500 Betroffenen aus.

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Woher bekommt der Vatikan sein Geld

Bild: tilly
Wenn es um seine Finanzen geht, gibt sich der Vatikan nach wie vor zugeknöpft. Über seine Einnahmen ist nur wenig bekannt. Fest steht nur: Vermögen und Immobilienbesitz reichen zum Überleben nicht aus.

Von Thomas Jansen | katholisch.de

Man stelle sich vor, ein deutsches Bistum würde so etwas machen: Seinen Haushalt nicht veröffentlichen und stattdessen nur eine Pressemitteilung mit gerade mal vier Zahlen zu jährlichen Einnahmen und Ausgaben herausgeben. Was hierzulande spätestens seit der Affäre „Tebartz-van Elst“ undenkbar wäre, ist im Vatikan bis heute gängige Praxis. Trotz Kurienreform und päpstlicher Transparenz-Offensive publiziert der kleinste Staat der Welt auch im Pontifikat von Franziskus immer noch keinen detaillierten Haushalt. Wenn es darum geht, öffentlich Rechenschaft über Herkunft und Verwendung finanzieller Mittel in seinem Haushalt zu geben, bleibt der Vatikan so verschwiegen wie eine Schweizer Bank. Das führt zu Spekulationen über einen angeblich sagenhaften Reichtum des Vatikans auch außerhalb verschwörungstheoretischer Zirkel.

Nicht einmal wie hoch die Gesamteinnahmen des Vatikans überhaupt sind, lässt sich daher genau beziffern. Die letzte Zahl, die dazu vorliegt, stammt aus dem Jahr 2006. Damals hatte der Heilige Stuhl Einnahmen in Höhe von 227,8 Millionen Euro. Der Heilige Stuhl umfasst die Behörden für die Leitung der Weltkirche, von der Glaubenskongregation bis zum Päpstlichen Rat für die Kultur. Getrennt davon wird der Haushalt des Vatikanstaats aufgestellt, der vor allem die Infrastruktur enthält, etwa die vatikanische Post, die Gärtnerei oder die Gendarmerie. Für diesen Haushalt liegt für 2006 nur eine Schätzung vor; die Einnahmen lägen demnach bei etwa 150 Millionen Euro.

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Amerikaner haben privat mehr als 13 Billionen US-Dollar an Schulden

Grafik: TP
Schulden machen die USA wieder groß, was auch die Trump-Regierung trotz Kürzungen bei den Sozialprogrammen so sieht

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Trump-Regierung macht es vor bzw. hält daran fest, dass das Leben auf Pump basiert, auch wenn die Republikaner das während der Obama-Präsidentschaft moniert und einen Schuldenabbau gefordert hatten. Zwar werden auf der einen Seite von Trump Sozialprogramme gestrichen, weil aber viel mehr Geld in das Militär oder den Bau der Grenzmauer gesteckt wird, während gleichzeitig die staatlichen Einnahmen aufgrund von Steuernachlässen vornehmlich für die Reicheren und für die Unternehmen sinken, wird die Staatsverschuldung weiter steigen. Die betrifft aber die kommenden Generationen, was Trump und Co. egal zu sein scheint, sofern nur die Vermögen und Einkommen der oberen Schicht gesichert sind.

Was das Weiße Haus vorexerziert, ahmt das Volk nach und verschuldet sich immer weiter, vielleicht mit der Hoffnung, dass es irgendwann einen Schuldenschnitt geben wird oder die Wirtschaft zusammenkracht. Platzende Blasen sind schon lange in Sicht, auch wenn gerade die amerikanische Wirtschaft boomt, die Arbeitslosigkeit sinkt und Lohnsteigerungen erwartet werden. Aber wachsende Schulden bedeutet auch, dass die Schuldenlast steigt, also weniger Geld zum Ausgeben vorhanden ist.

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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen AfD-Abgeordneten Jens Maier

Jens Maier auf dem AfD-Landesparteitag in Sachsen im Januar. (Foto: dpa)
  • Gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier wird wegen des Vorwurfs der Beleidigung ermittelt.
  • In einem inzwischen gelöschten Tweet von Maiers Account wurde Noah Becker, der Sohn von Boris Becker, rassistisch beleidigt.
  • Einem Medienbericht zufolge hat der Bundestag keinen Widerspruch dagegen eingelegt, dass Maiers Immunität aufgehoben wird.

Süddeutsche Zeitung

Die Staatsanwaltschaft Dresden hat ein Ermittlungsverfahren gegen den AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier eingeleitet. Ihm wird wegen eines rassistischen Tweets strafbare Beleidigung vorgeworfen.

Der Bundestag hat einem Bericht der Welt zufolge gegen diesen Schritt innerhalb einer Frist von 48 Stunden keinen Widerspruch eingelegt – womit die Immunität von Maier für die Dauer des Verfahrens aufgehoben ist. Dem Bericht zufolge hatte die Staatsanwaltschaft Maier in den vergangenen Tagen über die geplante Einleitung des Verfahrens unterrichtet. Maier habe darauf nicht reagiert.

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Ketone gegen Diabetes?

Ein Schluck Ketone für einen stabilen Blutzuckerspiegel – einer Studie zufolge könnte das tatsächlich funktionieren. © Monkeybusinessimages/ istock
Hilfe für Diabetes-Patienten: Ein spezielles Getränk könnte Zuckerkranken künftig dabei helfen, die Glucose-Konzentration in ihrem Blut unter Kontrolle zu behalten. Die entscheidenden Inhaltsstoffe: Ketone. Wer den Drink zu sich nimmt, bei dem schnellt der Blutzuckerspiegel nach einem zuckerreichen Snack weniger stark in die Höhe, wie eine Studie zeigt. Ketonhaltige Getränke könnten sich daher womöglich als Nahrungsergänzungsmittel für Menschen mit Diabetes oder einem erhöhten Risiko für die Erkrankung eignen.

scinexx

Normalerweise verbrennt unser Organismus überwiegend Zucker und Kohlenhydrate, um Energie zu gewinnen. Doch in Hungerphasen stellt der Körper seinen Stoffwechsel um: Er verbrennt nun Fett. Dabei produziert die Leber sogenannte Ketonkörper – chemische Verbindungen, die in den Organen und im Gehirn durch bestimmte Enzyme wieder in den Energieträger Acetyl-CoA zerlegt werden können. Dieser Effekt tritt nicht nur beim Fasten, sondern auch bei der Low Carb-Ernährung auf. Sie wird aus diesem Grund oft als ketogene Diät bezeichnet.

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Koloniale Raubkunst: Berlins verfluchte Schätze

Der Gedenkkopf einer Königinmutter, erbeutet im 16. Jahrhundert aus dem Königreich Benin (Nigeria).Foto: Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker
Es wurde betrogen, gestohlen, gemordet – an vielen Kunstwerken in Berliner Museen klebt Blut. Forscher ergründen nun deren Vergangenheit. Und müssen sich fragen: Dürfen sie noch hierbleiben?

Von Nicola Kuhn | DER TAGESSPIEGEL

Stolz steht das Haupt der Königinmutter in der Vitrine. Vom Licht der Galeriefenster des Bode-Museums umspielt, wirkt sie größer, mächtiger als sie mit ihren 51 Zentimetern vom Sockel bis zur Spitze ihrer gewölbten Krone tatsächlich ist. Vermutlich stellt die Büste Idia dar, die Mutter von Oba Isgle, einem Herrscher des Königreichs Benin im 16. Jahrhundert.

Die Monarchin aus Afrika steht inmitten der italienischen Renaissance: zur Überraschung der Besucher, von denen die wenigsten wissen, welche Tragödie sich mit dem Kunstwerk verbindet. Vis-à-vis von ihr befindet sich das marmorne „Bildnis einer jungen Dame“ von da Settignano.

Die beiden Büsten bilden ein Paar in der Ausstellung „Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum“. Es ist ein Vorspiel für das Humboldt Forum, das Ende 2019 im wieder errichteten Stadtschloss eröffnet. Der Bund finanziert den 600 Millionen Euro teuren Bau.

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Indischer Kardinal wegen Finanzgeschäften in der Bredouille

Bild: tilly
Syro-malabarischem Großerzbischof Alencherry wurde nach Verlusten bei Immobiliengeschäften die wirtschaftliche Kontrolle über seine Erzdiözese entzogen

kath.net

Dem indischen Großerzbischof Kardinal George Alencherry ist die wirtschaftliche Kontrolle über seine Erzdiözese entzogen worden. Hintergrund sind verdächtige Operationen beim An- und Verkauf von Grundstücken, wie die Online-Portale „cath.ch“ und „Vatican News“ am Dienstag berichteten. Alencherry ist Oberhaupt der mit Rom verbundenen syro-malabarischen katholischen Kirche. Der Kardinal ist Erzbischof von Ernakulam-Angamaly im Südwesten Indiens, wo die meisten Christen des Subkontinents leben.

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Groko will Dschihadisten ausbürgern

Ein Propagandavideo der IS-Miliz zeigt vollverschleierte Frauen mit Gewehren, die angeblich der Al-Chansaa-Brigade angehören. Zuletzt hatten sich vermehrt Frauen aus Deutschland den IS-Milizen angeschlossen. (Foto: Syriadeeply.org/S/dpa)
  • Union und SPD wollen Islamisten die Staatsangehörigkeit entziehen, wenn „die konkrete Beteiligung an Kampfhandlungen einer Terrormiliz im Ausland nachgewiesen werden kann“.
  • Voraussetzung ist, dass die Betroffenen noch einen zweiten Pass besitzen und nicht staatenlos werden.
  • Die Maßnahme soll die Rückkehr von ausgereisten Islamisten verhindern.

Von Georg Mascolo, Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

In Artikel 16 Absatz 1 des Grundgesetzes steht ein Bekenntnis. Die deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht entzogen werden. Hintergrund ist die Erfahrung der NS-Zeit, damals hatten jüdische Emigranten im Ausland die Nachricht erhalten, dass ihre deutschen Pässe annulliert worden seien. Gleichzeitig hat das Grundgesetz aber eine Hintertür offengelassen. Solange die Menschen nicht staatenlos werden, sprich: solange sie noch einen zweiten Pass aus einem anderen Land besitzen, darf ein Verlust des deutschen Passes „gegen den Willen des Betroffenen“ unter Umständen durchaus „eintreten“.

Darauf setzen nun die Parteien der großen Koalition. Um deutsche Dschihadisten, die ins syrisch-irakische Bürgerkriegsgebiet ausgereist sind, von einer Rückkehr abzuhalten, wollen sie diese ausbürgern. Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD darauf geeinigt, das Staatsangehörigkeitsgesetz dahingehend zu ändern, dass der Pass künftig kassiert werden kann, wenn einem Bürger „die konkrete Beteiligung an Kampfhandlungen einer Terrormiliz im Ausland nachgewiesen werden kann“ und er nicht staatenlos wird. Die Union wollte die jetzige Regelung, die SPD hat sich ihr nicht mehr entgegengestellt.

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Die Obergrenze für (tödlichen) Frauenhass ist erreicht

Grafik: TP
Selbst Kriminologe Christian Pfeiffer muss es inzwischen zugeben: Junge Männer, die aus muslimischen, muslimisch geprägten oder Ländern mit einer muslimischen Mehrheit einwanderten, sind ein Problem. Ein Problem in Sachen (Klein-)Kriminalität, aber auch in Bezug auf die öffentliche Sicherheit – vor allem die der Frauen. Selbstverständlich nicht jeder Einzelne, aber viele. Zu viele.

Von Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Und fast immer handelt es sich um (junge) Männer aus dem fundamental-islamischen Milieu, aus den hier ansässigen Communities oder kürzlich als Asylsuchende nach Deutschland gekommen.

Die Verkündung dieser schlechten Nachricht endet für die Überbringerinnen – nicht nur, aber vor allem in linken und antifaschistischen Zusammenhängen – häufig wie einst in der Antike: Sie werden zwar nicht geköpft, aber geschmäht, beleidigt, beschimpft und diffamiert. Während die rechte Szene diese schlechten Nachrichten nur zu gern aufgreift.

Die Folge ist so simpel wie verheerend: Frauen fühlen sich mit ihren Ängsten allein gelassen, nicht nur das, sondern sie werden als „Rassistin“ beschimpft, so geschehen mit einigen der Opfer der Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16, die die ethnische Herkunft der Täter nicht verschwiegen, und werden anfällig für die Propaganda rechter Gruppierungen.

Aktuelles Beispiel dafür ist der für den 17.2.2018 angekündigte „Marsch der Frauen“ zum Kanzleramt, der von der AfDlerin Leyla Bilge organisiert wird und sich großen Zuspruchs auch von Feministinnen erfreut.

Leyla Bilge will die Kanzlerin auffordern, „sich gegen die sexuellen Übergriffe und Morde an Frauen, gegen Kinderehen, aber auch gegen Freiheitsberaubung, gegen Verhüllungszwang und gegen die Zwangsverstümmelung an wehrlosen Kindern einzusetzen. Wir sind hier in Deutschland im 21. Jahrhundert, es darf keinen Rückfall ins Mittelalter und schleichenden Einführung der Scharia geben..“

Das Kanzleramt ist zwar derzeit unbesetzt, die Bundesgeschäftsführerin, die da ansonsten residiert, ist verzweifelt damit beschäftigt, irgendwen zu finden, die oder der bereit wäre, das Land mit ihr zu regieren.

Womit wir beim eigentlichen Kern des Problems wären: Deutschland befindet sich gegenwärtig in der vermutlich größten politischen Krise seit Gründung der Bundesrepublik, das Parteiensystem hat abgewirtschaftet, die Parteien, insbesondere die SPD, wurden in diesem Prozess zerrieben, die parlamentarische Demokratie ist am Ende. Da es keine fortschrittlichen oder gar linken, z. B. basisdemokratischen Gegenentwürfe gibt, füllt die AfD dieses Machtvakuum.

Während die Linke/LINKE auf die AfD starrt wie das Kaninchen auf die Schlange. In der jüngeren Vergangenheit waren linke und fortschrittliche Organisationen und deren Protagonistinnen und Wortführer damit beschäftigt, einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung unaufhörlich als „Rassistinnen“ oder gar „Nazis“ zu beschimpfen, sich über deren ökonomischen Probleme und Ängste lustig zu machen und keine Gelegenheit auszulassen, der AfD Aufmerksamkeit zu bescheren.

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Hidschab und die Würde der Frauen

Schon Mädchen im Alter von neun Jahren sind in Iran gesetzlich dazu verpflichtet, sich zu verhüllen. Bild: AFP
Sie stehen auf öffentlichen Plätzen und protestieren gegen den Hidschab-Zwang: In Iran riskieren Frauen ihre Freiheit.

Von Karen Krüger | Frankfurter Allgemeine

Das iranische Regime hat die Demonstrationen gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und soziale Missstände zu Beginn des Jahres niedergeschlagen. Protestaktionen gibt es jedoch immer noch. Die Akteurinnen sind vor allem mutige Frauen. Mit Kopftuch oder ohne stehen sie auf öffentlichen Plätzen und halten in der hochgereckten Hand einen Stock, an den ein Hidschab gebunden ist. Die Frauen sind jung oder alt – ein Video, das in den sozialen Medien kursiert, zeigt eine ältere Dame, die in einem verschneiten Park auf den Rand eines Brunnens geklettert ist und ihr Kopftuch an ihrem Krückstock schwenkt.

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Blick in eine Erdbeben-„Fabrik“

3D-Modell der Megathrust-Verwerfung vor Costa Rica. Die flach abfallende Plattengrenze ist von langen Furchen durchzogen. © Edwards et al./ Nature Geoscience, Feb-2018
Gefährliche Plattengrenze: Forscher haben erstmals dreidimensionale Einblicke in eine der großen Erdbeben-„Fabriken“ der Erde gewonnen – die Megathrust-Verwerfung vor der Küste von Costa Rica. Ihre akustischen Messungen enthüllten, dass die Plattengrenze entlang dieser Subduktionszone von breiten, tiefen Furchen gezeichnet ist. Dies ist das erste Mal, dass solche Furchen an einer Plattengrenze im Ozean nachgewiesen wurden, so die Forscher im Fachmagazin „Nature Geoscience“.

scinexx

Ob der Sumatra-Tsunami im Jahr 2004 oder das Tohoku-Erdbeben im März 2011 vor Japan: Viele der schwersten Starkbeben ereignen sich an sogenannten Megathrust-Verwerfungen entlang von Subduktionszonen. Dort wird eine Erdplatte unter die andere gedrückt und die im Untergrund schräg verlaufende Plattengrenze kann bei einem Erdbeben besonders stark nach oben und zur Seite rutschen.

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Vietnamkrieg: „Für jeden Toten bekommt ihr einen Preis“

Es war die größte Schmach in der Geschichte der stolzen Militärmacht: Der Rückzug der USA aus Vietnam löste ein nationales Trauma aus. Quelle: Die Welt/wochit
Im April 1968 gerät eine Gruppe amerikanischer Soldaten im Dschungel Vietnams in einen Hinterhalt. Ein Kriegsfotograf macht ein Bild, das zur Ikone wird. Zwei, die dabei waren, blicken zurück.

Von Dylan Lovan | DIE WELT

Dallas Brown kann sie immer noch sehen, auch noch nach 50 Jahren, die Kugeln, die plötzlich kamen, im Boden vor seinen Füßen aufschlugen. Das war, als er am 1. April 1968 mit seiner Einheit im Dschungel im Großraum der alten Kaiserstadt Hué in einen Hinterhalt nordvietnamesischer Soldaten geriet.

Nur Minuten später, als das Feuergefecht abebbte, wurden Brown und seine Kameraden von der 101. US-Luftlandedivision sozusagen unsterblich. Art Greenspon, freischaffender Fotojournalist der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP), hielt die Szene auf einem Bild fest, das zu einem der eindringlichsten, drastischsten Zeugnisse der Schrecken des Vietnamkrieges wurde.

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Gefängnisstrafe für Haverbeck: Keine Flucht ins Ausland

Ursula Haverbeck auf der Anklagebank beim Prozess in Verden. Bild: NDR.de

Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck muss nun doch ins Gefängnis: Nach mehreren Verurteilungen ist ein erstes Urteil gegen die Rechtsextremistin rechtskräftig geworden.

Von Robert Bongen, Julian Feldmann | panorama ARD.de

Gegenüber Panorama sagte sie, sie wisse noch nicht genau, wie es nun weitergehe. Unterstützer hätten ihr eine Flucht ins Ausland nahegelegt. „Fahnenflucht kommt für mich in meinem Alter aber nicht infrage“, unterstrich die 89-jährige Frau.

Zwei Jahre Haft stehen der Auschwitz-Leugnerin Haverbeck jetzt bevor, weil sie wiederholt die Nazi-Verbrechen bestritten und damit die Herrschaft der Nationalsozialisten gerechtfertigt hatte. Das Oberlandesgericht Celle hat die Revision gegen ein Urteil vom Landgericht Verden zurückgewiesen, wie eine Sprecherin Panorama bestätigte. Damit ist das Urteil rechtskräftig und Haverbeck muss demnächst ihre Haftstrafe antreten. Über eine mögliche Haftunfähigkeit muss die zuständige Staatsanwaltschaft Verden entscheiden.

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Ralf Meister: Fleischproduktion so nicht zukunftsfähig

Themenbild. Bild: 4ever.eu
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat zu Beginn der Fastenzeit zu einem bewussteren Umgang mit Fleisch aufgerufen.

evangelisch.de

„Die Art und Menge der Fleischproduktion ist so nicht zukunftsfähig“, sagte der evangelische Theologe der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). „Wir werden die wachsende Weltbevölkerung mit dieser Form der Fleischerzeugung nicht satt bekommen, ohne das Ökosystem der Erde massiv zu schädigen.“

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The Future of Science Is Black

A decolonization-focused protest at the American Museum of Natural History in New York. Image: Sarah Luby Burke
I did not struggle through the academy as a Black girl from a marginalized socio-economic background just to teach white people that Black peoples are human.

Cynthia Malone | MOTHERBOARD

In January, H&M added itself to a very long list of retailers trafficking in scientific racism. The viral images, from H&M’s UK retail site, featured a young Black boy modeling a sweatshirt with the words “Coolest Monkey in the Jungle” and a young white boy modeling a sweatshirt with the words “Mangrove Jungle…Official Survival Expert.”

The internet erupted at this injustice. In South Africa, the Economic Freedom Fighters, a “radical and militant economic emancipation movement” and political party, led protests at six H&M stores in the Gauteng province of Johannesburg. Police fired rubber bullets at activists, and critics focused on the destruction of property rather than the violence of dehumanization.

We know this story. Just as former US President Barack Obama was frequently rendered a monkey in political cartoons, H&M styling those particular kids in those particular sweatshirts was not an accident. The part of the story we often leave out is how the history of this racism is intimately linked to the history of science.

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