Koloniale Raubkunst: Berlins verfluchte Schätze


Der Gedenkkopf einer Königinmutter, erbeutet im 16. Jahrhundert aus dem Königreich Benin (Nigeria).Foto: Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker
Es wurde betrogen, gestohlen, gemordet – an vielen Kunstwerken in Berliner Museen klebt Blut. Forscher ergründen nun deren Vergangenheit. Und müssen sich fragen: Dürfen sie noch hierbleiben?

Von Nicola Kuhn | DER TAGESSPIEGEL

Stolz steht das Haupt der Königinmutter in der Vitrine. Vom Licht der Galeriefenster des Bode-Museums umspielt, wirkt sie größer, mächtiger als sie mit ihren 51 Zentimetern vom Sockel bis zur Spitze ihrer gewölbten Krone tatsächlich ist. Vermutlich stellt die Büste Idia dar, die Mutter von Oba Isgle, einem Herrscher des Königreichs Benin im 16. Jahrhundert.

Die Monarchin aus Afrika steht inmitten der italienischen Renaissance: zur Überraschung der Besucher, von denen die wenigsten wissen, welche Tragödie sich mit dem Kunstwerk verbindet. Vis-à-vis von ihr befindet sich das marmorne „Bildnis einer jungen Dame“ von da Settignano.

Die beiden Büsten bilden ein Paar in der Ausstellung „Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum“. Es ist ein Vorspiel für das Humboldt Forum, das Ende 2019 im wieder errichteten Stadtschloss eröffnet. Der Bund finanziert den 600 Millionen Euro teuren Bau.

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