Fake-Fäkalien: Werden Bauprojekte mit gefälschten Tierkotspuren blockiert?


Foto: Bahnprojekt Stuttgart-Ulm
Besteht der Verdacht, dass vom Aussterben bedrohte Tierarten an einer Stelle heimisch sind, an welcher gebaut werden soll, kommen auf den Bauherrn einige Probleme zu – Inzwischen besteht bei mehreren Bauprojekten der Verdacht, dass falsche Spuren gelegt wurden

Von Christoph Jehle | TELEPOLIS

Dieser Tage wurde von der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH das Baufeld für das Rosensteinportal im Anschluss an die künftige Neckarbrücke frei gemacht. Dies bedeutet im Detail, dass für den Bau des Portals für den Tunnel Bad Cannstatt im Rosensteinpark rund 100 Bäume gefällt wurden. Unter diesen Bäumen befanden sich auch sechs sogenannte Juchtenkäfer-Verdachtsbäume. Der Juchtenkäfer hat bekanntermaßen in Stuttgart im Zusammenhang mit dem Bau von Stuttgart 21 eine überregionale Bekanntheit erlangt.

Um die sechs Verdachtsbäume fällen zu dürfen, hatte man eine besondere Zustimmung der Kommission der Europäischen Union benötigt. Die sechs Verdachtsbäume wurden jeweils in kleinen Teilen mit Hilfe von Hubsteigern gefällt. Die Fällfolge der Baumteile wurde dabei von der ökologischen Bauüberwachung vorgegeben. Nach Aussagen der Bahnprojektgesellschaft fand man bei den Arbeiten in einer Rotbuche Rosenkäferlarven und Mulm, die jetzt in drei Eimern zusammen mit dem Mulm bis zum kommenden Sommer aufbewahrt und dann in den Rosensteinpark verbracht werden sollen. Beim Rosenkäfer handelt es sich um eine Käferart, welche nicht so streng geschützt ist wie der Juchtenkäfer.

Am Fuß eines Stammes der inzwischen gefällten Bäume wurden vor Beginn der Baumfällung Kotpillen entdeckt, die einen Hinweis auf eine mögliche Besiedlung des Baumes mit Juchtenkäfern gaben. Ein anwesender Fachgutachter stufte den Baum daraufhin zunächst als Verdachtsbaum ein. Während der Fällung stellte sich jedoch heraus, dass dieser Baum über keinerlei Mulmhöhlen verfügte.

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