Extremismus in Indonesien: Die Illusion eines moderaten Islam

Schützt Muslime vor dem Valentinstag: Schon dieser Tag sorgt in Indonesien für Proteste, weil er nach Ansicht dieser Studentinnen und vieler weiterer gegen die Lehren des Islam verstößt. Bild: dpa
Indonesien debattiert über die Todesstrafe für Homosexuelle; vorehelicher Sex soll strafbar werden – das hat Folgen weit über das Land hinaus.

Von Marco Stahlhut | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Indonesien plant, jegliche außerehelichen sexuellen Beziehungen zu kriminalisieren. Im Visier der Ultrakonservativen stehen insbesondere Homosexuelle. Die erste islamistische Partei, PAN, fordert bereits die Todesstrafe für sie. So weit wollen die anderen Parlamentsfraktionen noch nicht gehen. Aber wenn das Muster der vergangenen Jahre bestehen bleibt, nach dem die Islamisten einen politischen Vorstoß machen, der zunächst undenkbar erscheint, bis sie ihn dann nicht sehr viel später durchsetzen, wird auch das kommen.

Bereits in diesem Jahr jedenfalls, womöglich schon in den nächsten Wochen, soll das „Verbrechen“, einen anderen Menschen des gleichen Geschlechts zu lieben, mit mehrjähriger Haft bestraft werden. Stoppen könnte das Gesetz nur noch der indonesische Präsident, worauf bisher nichts hindeutet. So triumphieren die Islamisten abermals, nachdem es ihnen im vergangenem Jahr bereits gelungen war, den bekanntesten christlichen Politiker des Landes, den Ex-Gouverneur der Hauptstadt Jakarta, für zwei Jahre hinter Gitter zu bringen – wegen „Beleidigung des Korans“.

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Mit kreationistischen «Fakten» wider das «Spinner-Image»

In seinem «Faktencheck» versucht Hans Peter Homberger aufzuzeigen, dass man die Schöpfungstheorie nicht per se ausschliessen sollte. Bild: Madleine Schoder
Peter Homberger ist als promovierter Mikrobiologe und gläubiger Christ davon überzeugt, dass Gott die Welt erschaffen hat. In seinem Buch schreibt er gegen das Spinner-Image der Schöpfungs-Theoretiker an.

Der Landbote.ch

Nur zwei von drei Winterthurer Gemeinderäten glauben an die Evolutionstheorie, fast jeder fünfte ist sich nicht sicher und jeder zehnte lehnt sie gar ab. Das hat eine publizierte Umfrage des «Landboten» kürzlich ergeben. Evolution oder nicht? So einfach sei es eben nicht, begründeten einige ihre Antwort, Gläubige und Nicht-Gläubige. «Ich halte die biologische Evolution für nachvollziehbar. Aber erklärt das, wie das Leben entstanden ist?», fragte etwa eine Politikerin rhetorisch zurück.

Tatsächlich ist der Ursprung des Lebens wissenschaftlich ein nach wie vor ein ungelöstes Rätsel. Den sogenannten Missing Link zwischen Chemie und Biologie hat die Wissenschaft noch nicht gefunden, die Urknall – und Ursuppen-Theorien bleiben lückenhaft. Deswegen an die biblische Schöpfungsgeschichte zu glauben, die Entstehung der Erde in sieben Tagen, ist aber selbst für viele Gläubige keine Option mehr, für die meisten Wissenschaftler erst recht nicht.

Der gebürtige Winterthurer Hans Peter Homberger (63) hat am Institut für Zellbiologe an der ETH Zürich promoviert. Sein Fachgebiet war die Mikrobiologie: Die Organisation von Chromatin in Chromosomen bei der Zellteilung. Doch Homberger glaubt fest daran, dass Gott die Welt erschaffen hat. «Warum doch?» würde er fragen. Er, der Baptist ist und regelmässig zum Gottesdienst geht, sieht darin keinen Widerspruch. Die teilweise Arroganz von Wissenschaftlern und der Hass, mit dem Gläubige in Online-Foren als «weltfremde Spinner» abgekanzelt würde, habe ihn letztes Jahr dazu bewogen, ein Buch zu schreiben, kompakt auf 110 Seiten: «Schöpfung oder Evolution – ein Faktencheck».

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Katholische Kirche „Wir müssen Stellung gegen alle ausländerfeindlichen Positionen beziehen“

Gläubige sitzen im Dom St. Petri im sächsischen Bautzen während eines Ökumenischen Festgottesdiensts auf ihren Plätzen. (Foto: dpa)
Das fordert Christian Weisner von der Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Auch bei anderen Themen sollten sich die konservativen deutschen Bischöfe am liberalen Papst orientieren.

Interview von Lars Langenau | Süddeutsche Zeitung

SZ: Herr Weisner, an diesem Montag beginnt die Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe in Ingolstadt. Was erwartet ihre Bewegung​Wir sind Kirche“ von dieser Zusammenkunft?

Christian Weisner: Natürlich ist es notwendig, dass sich die Bischöfe regelmäßig treffen, aber es reicht nicht aus, dass dies immer nur hinter verschlossenen Türen wie beim Konklave zur Papstwahl geschieht. Das Kirchenvolk, dessen Hirten die Bischöfe sein wollen, ist in keiner Weise beteiligt, nicht einmal das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als offizielle Vertretung aller Katholikinnen und Katholiken. Wir kritisieren das seit Jahren. Das Ergebnis dieser Verschlossenheit ist dann, dass die Bischöfe nicht zu Lösungen für viele aktuelle Probleme kommen.

Sprechen Sie die Finanzprobleme des Bistums Eichstätt an, über die die SZ kürzlich berichtete?

Natürlich, aber das ja nicht der einzige Fall. Die Finanzkontrolle hat ja kürzlich auch bei den Hamburger Schulen oder bei den Sozialabgaben in Freiburg nicht funktioniert. Völlig versagt hatte sie beim Bischofshaus des früheren Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst in Limburg. Die Kirche sollte ein Vorbild in ethischer Geldanlage sein und nicht nur auf hohe Rendite schielen. Außerdem braucht es effektive Kontrollen und auch Mitentscheidung. Denn das sind ja nicht Privatgelder des Bischofs, es handelt sich um das Vermögen von uns allen. Dieses Umdenken und vor allem die Umsetzung sehe ich in meiner Kirche noch lange nicht gewährleistet.

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Impfung mit Stammzellen hemmt Krebs

Im Labor züchtet Joseph Wu von der Stanford University in Kalifornien aus den Zellen von Patienten Stammzellen, die als Impfung…Foto: J. Wu/Stanford
Stammzellen ähneln ein Stück weit Krebszellen und können offenbar als Impfstoff das Immunsystem von Mäusen gegen Tumore wappnen.

DER TAGESSPIEGEL

Mit speziellen Stammzellen haben Forscher Mäuse vor einer späteren Tumorerkrankung geschützt. Sie hatten im Labor Körperzellen der Mäuse in Stammzellen rückverwandelt – genannt iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen). Diese ähneln ein Stück weit Krebszellen, können sich etwa ebenfalls unbegrenzt vermehren. Wurden Mäuse mit solchen abgetöteten iPS-Zellen geimpft, löste das bei den Tieren Immunreaktionen gegen die Zellen aus. Transplantierten die Forscher später Tumore, ging das Immunsystem der Mäuse gegen die Krebszellen erfolgreicher vor als die Körperabwehr von Tieren, denen keine iPS-Zellen gespritzt worden waren, schreiben die Mediziner im Fachblatt „Cell Stem Cell“.

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Ist Religiosität für den Kindergartenplatz vortäuschen klug?

Die Religiosität eines Kindes ist kein entscheidender Faktor, wenn es um den Platz in einer konfessionellen Kita geht. Foto: Monika Skolimowska
Gerade in Ballungszentren sind Kitaplätze oft stark umkämpft. Viele Eltern versuchen dann auch, ihr Kind in einer kirchlichen Kita unterzubringen. Doch sollten sie dafür Religiosität vortäuschen?

Frankfurter Rundschau

Manche Frage traut man kaum zu stellen – nicht einmal dem Partner, und auch nicht einem Arzt oder Anwalt. Das Thema ist unangenehm, der Einblick in die persönlichen Lebensumstände könnte peinlich und tief werden, vielleicht drohen sogar rechtliche Konsequenzen.

Doch wie gut, dass einen Freund gerade ganz genau dasselbe Problem beschäftigt. Fragen wir also doch mal für ihn… Die Frage heute: Mein Freund ist nicht religiös, würde sich aber gerne dafür ausgeben, um sich einen Kita-Platz zu sichern – heiligt der gute Zweck die Mittel?

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US-Diplomaten auf Kuba: Rätselhafte Gehirnerschütterung ohne Erschütterung

Botschaftsangestellte stehen auf dem Gelände der US-Botschaft in Havana, Kuba.Foto: Desmond Boylan/AP/dpa
Wissenschaftler haben mysteriöse Beschwerden bei US-Diplomaten untersucht. Es ist völlig unklar, ob es sich um verdeckte Angriffe handelt oder eine Massenpsychose

DER TAGESSPIEGEL

War es eine Attacke mit einer unbekannten Schallwaffe? Ein Chemie-Angriff? Oder doch eine Massenpsychose? Die plötzlichen neurologischen Beschwerden von US-Diplomaten auf Kuba bleiben auch nach detaillierter Untersuchung der Betroffenen rätselhaft. Forscher der University of Pennsylvania zeigten, dass die Symptome am ehesten denen einer Gehirnerschütterung gleichen – nur das eben keine Erschütterung vorausgegangen war, wie sie im Fachblatt „JAMA“ berichten. Die meisten Betroffenen hatten ein durchdringendes Geräusch gehört, was Spekulationen über einen gezielten Angriff ausgelöst hatte.

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5.000 Marstage auf dem Roten Planeten

Seit 5.000 Marstagen ist der NASA-Marsrover Opportunity inzwischen auf dem Roten Planeten unterwegs © NASA/JPL
Er läuft und läuft: Der NASA-Marsrover „Opportunity“ ist seit 5.000 Marstagen auf dem Roten Planeten unterwegs – länger als jedes andere menschengemachte Gefährt. Seit 14 Jahren holpert der Golfwägelchen-große Rover über die Marsoberfläche. Ihm verdanken wir mehr als 225.000 Bilder, unzählige Analysedaten und reichlich Überraschungen – darunter auch eine ganz aktuelle: Opportunity hat in einer Schlucht bislang rätselhafte Geröllstreifen entdeckt.

scinexx

Eigentlich sollte die Mission nur 90 Marstage dauern: Als der Marsrover „Opportunity“ am 25. Januar 2004 auf dem Roten Planeten landete, sollte er vor allem rund um seinen Landeplatz im Eagle Krater nach Spuren von Wasser suchen und Gesteinsanalysen durchführen. Und er war erfolgreich: Schon in den ersten Monaten wies der Rover Bromverbindungen und Sulfatablagerungen im Marsstaub nach, die auf die frühere Präsenz von Wasser hindeuteten.

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Ewiggestrige Christdemokraten: § 219a StGB muss bleiben

CDL fordert: Wir brauchen nicht mehr Werbung für Abtreibung, sondern mehr politischen Einsatz für das Lebensrecht – „Wer wie Stapf verkündet, mehr als 100.000 Abtreibungen durchgeführt zu haben, ist ein brutaler Tötungsspezialist“

kath.net

Zu der nächsten Woche beginnenden Parlamentsdebatte über die Streichung des § 219a StGB nimmt die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben, Mechthild Löhr, Stellung:

Der politische Aktionismus, der in dieser Berliner „Interregnumszeit“ insbesondere von den Parteien der Grünen, Linken, SPD und der FDP unter Beweis gestellt wird, zielt erstaunlicherweise schwerpunktmäßig auf ein Thema: „Kein Werbeverbot für Abtreibungen“ und „Weg mit dem § 219a StGB“.

Was hierzu derzeitig bundesweit medial und politisch inszeniert und veranstaltet wird, ist in seiner Verve nahezu beispiellos und wäre für viele andere wichtige Fragen der Familienförderung mehr als wünschenswert. In den nächsten Wochen hagelt es Aktionen vor und im Parlament, die sich mit der für unser Land wenig hilfreichen Frage befassen, wie der Gesetzgebern „endlich“ Abtreibungsärzten in Deutschland öffentliche Werbung für ihr Abtreibungsangebot ermöglichen oder erleichtern kann.

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Anklage des US-Sonderermittlers: Im Internet weiß niemand, dass du Russe bist

Bild: heise.de
Mehrere Russen sollen versucht haben, die US-Demokratie zu manipulieren. Das jedenfalls wirft ihnen der Sonderermittler Robert Mueller vor. Die Anklageschrift erklärt, wie sie sich die sozialen Netze zunutze machten.

Von Martin Holland | heise online

Die am Freitag veröffentlichte Anklageschrift des US-Sonderermittlers Mueller ist ein Genickschlag für die US-Demokratie. Ausführlich wird darin beschrieben, wie russische Angreifer Grundpfeiler des von US-Diensten dominierten Internets ausnutzten, um US-Bürger zu manipulieren und deren politische Haltung zu beeinflussen.

Bei der Wahl zum US-Präsidenten, die Donald Trump Dank weniger zehntausend Stimmen in einigen überproportional wichtigen Bundesstaaten gewann, könnte die russische Kampagne durchaus das entscheidende Zünglein an der Waage gewesen sein. Aber selbst wenn nicht, zeigen die Details zu dem Angriff gleich mehrere Achillesfersen moderner Demokratien. Hätte Trump nicht gewonnen, wäre die Einmischung wahrscheinlich nie untersucht und die russischen Aktivitäten unbeleuchtet geblieben.

Wie Mueller und seine Kollegen ausführen, gingen die Angestellten der berüchtigten Internet Resarch Agency unter Anleitung eines engen Vertrauten von Wladimir Putin strategisch und gezielt vor. Sie legten sich vermeintliche US-Identitäten zu und erstellten damit Accounts bei Facebook, Twitter und Co. Denen verschafften sie durch ausgetüftelte und mit der Zeit immer mehr verfeinerte Beiträge jede Menge Follower, um für künftige Operationen über die nötige Reichweite zu verfügen.

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Der türkische Nationalismus in neuer Blüte

Foto: Operation Olive Branch/Twitter
Der türkische Nationalismus des Erdogan-Regimes breitet sich in allen gesellschaftlichen Bereichen rasant aus. Die Anzeichen eines türkischen Protektorates in Nordsyrien verdichten sich

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Präsident Erdogan möchte die Wahlen in 2019 um jeden Preis gewinnen; nein, er muss sie gewinnen. Denn im Falle einer Niederlage und einer Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit in der Türkei würden er und seine Vasallen sich wegen diverser Verfassungsbrüche, Korruption und Terrorismusunterstützung vor Gericht und wahrscheinlich im Gefängnis wiederfinden.

Nach der erfolgten Gleichschaltung der Medien, der Abschaffung der Judikative, der Zerschlagung der Opposition und der Selbsternennung zum „Reis“, dem Oberhaupt der Türken, zückt Erdogan nun die nationalistische Karte und koppelt diese an den politischen Islam der Muslimbrüder.

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass Erdogan den ganzen Nordwesten Syriens, von Afrin über Jarablus, von Azaz bis nach Idlib als Protektorat dauerhaft besetzen will. Dabei knüpft er an das Osmanische Reich an, und Erinnerungen an die Übernahme der Provinz Hatay Ende der 1930er Jahre werden wach.

Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg auf Afrin mit seinen Kriegsverbrechen, wie der Völkerrechtler Norman Paech dies in einem Artikel der in Deutschland erscheinenden Zeitung „Yeni Özgür Politika“ benennt, dient Erdogan dazu, die türkische Bevölkerung in nationalistischer Euphorie hinter sich zu scharen.

Dabei bedient er sich einer einfachen Formel: „Wer hinter mir und dem Krieg steht, ist ein guter Türke, wer gegen den Krieg ist, ist ein Vaterlandsverräter.“ Nationalismus und „Türkentum“ will Erdogan nicht der rechten Konkurrenz der neuen IYI-Parti oder der faschistischen MHP überlassen. Diese Parteien könnten eine ernsthafte Konkurrenz für die AKP sein. Deswegen macht es aus Erdogans Sicht Sinn, auf einen aggressiven und euphorischen Nationalismus zu setzen.

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Picasso-Gemälde mit Vorleben

Picassos Gemälde „La Miséreuse accroupie“ beim Röntgenfluoreszenz-Scan © Art Gallery of Ontario (AGO)
Versteckte Landschaft: Hightech-Analysen haben neue Einblicke in ein berühmtes Gemälde von Pablo Picasso geliefert. Demnach übermalte der Künstler mit seiner „sitzenden Bettlerin“ das Landschaftsbild eines Malerkollegen – und nutzte sogar Strukturen des Vorgängerbildes für sein eigenes Gemälde. Zudem enthüllen die Scans, dass Picasso die Frauendarstellung mehrfach veränderte.

scinexx

Moderne Analysetechniken und multispektrale Bildgebung haben sich in den letzten Jahren schon häufiger als wertvolle Helfer der Kunstgeschichte und Archäologie erwiesen. So enthüllten sie, dass Edvard Munch sein berühmtes Bild „Der Schrei“ nicht im Freien, sondern drinnen malte. Unter einem Frauenportrait von Edward Degas entdeckten Forscher das Bildnis eines jungen Modells und auch ein Rembrandt-Gemälde verbarg ein älteres, verborgenes Bild.

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Religiotie: Orbán warnt vor Islamisierung – „Christentum ist Europas letzte Hoffnung“

Ungarns Regierungschef Viktor Orban. – (c) APA/AFP/ATTILA KISBENEDEK (ATTILA KISBENEDEK)
Berlin, Brüssel und Paris beabsichtigten, Ungarn zum „Einwanderungsland“ zu machen, polterte Ungarns Premier zum Wahlkampfauftakt. Die Fidesz-Partei hat gute Chancen, am 8. April die Verfassungsmehrheit zu holen.

Die Presse.com

Victor Orbán rüstet sich für den Wahlkampf: Am 8. April finden in Ungarn Parlamentswahlen statt. In seiner Rede zur Nation wählte Ungarns Premier einmal mehr scharfe Worte gegen Zuwanderer.

„Das Christentum ist Europas letzte Hoffnung“, sagte Orbán, dessen Fidesz-Partei gute Aussichten auf eine dritte Amtszeit hat. Mit der Massen-Eineinwanderung, hauptsächlich aus Afrika, „könnten unsere schlimmsten Albträume wahr werden. Der Westen wird fallen, während Europa nicht einmal bemerkt, dass es überrannt wird“, sagte er in seiner Ansprache vor treuen Parteigängern.

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Atomausstieg: Volles Risiko

Das Atomkraftwerk Krümmel südöstlich von Hamburg ist bereits 2011 vom Netz gegangen. Der Energiekonzern Vattenfall fordert Schadenersatz. (Foto: Daniel Reinhardt/picture alliance/dpa)
Im Streit zwischen der Bundesregierung und dem Atomkonzern Vattenfall um eine Milliarden­entschä­digung steht das Urteil bevor. Die Chancen für einen Kompromiss wurden vertan.

Von Michael Bauchmüller, Claus Hulverscheidt | Süddeutsche Zeitung

Es ist ein Urteil, das auch dem Sieger noch viel Ärger einbringen könnte – jedenfalls dann, wenn er tatsächlich Vattenfall heißen sollte. Irgendwann dieser Tage wird ein Schiedsgericht in Washington darüber entscheiden, ob es der Klage des staatlichen schwedischen Energieriesen stattgibt und die Bundesrepublik Deutschland wegen grober Patzer beim Atomausstieg zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet. 4,4 Milliarden Euro verlangt der Konzern nach SZ-Informationen, bisher war von 4,7 Milliarden die Rede gewesen. Folgen die Richter dem Antrag, freut sich die Firmenspitze in Stockholm. Auf die Presseabteilung hingegen käme eine Lawine an Arbeit zu, denn in Berlin würde wohl umgehend das Wehklagen über den bösen ausländischen Atomkonzern beginnen, der sich dank dubioser juristischer Helfer über die Beschlüsse demokratisch gewählter Politiker hinweggesetzt hat.

Konzern gegen Staat, Staat gegen Konzern – und das alles vor einem dieser gesichtslosen internationalen Schiedsgerichte: Es ist genau die Konstellation, die es aus Sicht vieler Globalisierungskritiker gar nicht geben sollte und deren bloße Existenz dazu beitrug, dass die Verhandlungen über den geplanten europäisch-amerikanischen Freihandelsvertrag TTIP am Ende versandeten. Doch wie so oft sind die Dinge auch im Fall ARB/12/12 komplizierter.

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Black Box Amri: Hatte ein zweiter V-Mann Kontakt zu dem Attentäter?

Grafik: TP
Im Untersuchungsausschuss in Berlin treten immer mehr Widersprüche auf – Tabu um unbekannte „V-Person“ – Amri doch kein Einzeltäter?

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Puzzlestück für Puzzlestück wird eine zweite Wirklichkeit hinter der offiziellen Darstellung des LKW-Anschlages auf dem Breitscheidplatz von Berlin sichtbar. Am 19. Dezember 2016 starben zwölf Menschen. Alleinverantwortlich, so die Version der Bundesanwaltschaft, der tunesische Islamist und IS-Sympathisant Anis Amri.

Die Zweifel daran werden auch nach der jüngsten Sitzung des Untersuchungsausschusses (UA) in Berlin stärker: Gab es eine zweite V-Person mit Kontakt zu Amri? Welche Rolle spielte Bilel Ben Ammar? War Amri Teil einer Gruppe? Welche Verbindungen hatte er selber zu den Sicherheitsdiensten?

In den Fokus der Ermittler war Amri durch eine V-Person (VP) des Landeskriminalamtes von Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) geraten. Dieser Informant, der unter der Bezeichnung „VP 01“ oder „Murat“ gehandelt wird, bewegte sich im Umfeld einer islamistischen Gruppe um die Person Abu Walaa. Die Ermittlungen dazu führte die Ermittlungskommission (EK) Ventum des LKA von NRW.

Die Ermittler hatten mehrere V-Personen in der Abu Walaa-Gruppe im Einsatz, wie sich jetzt während der Sitzung des UA vom 16. Februar im Abgeordnetenhaus durch die Befragung des Leiters der EK Ventum, Kriminalhauptkommissar (KHK) M., ergab. Um wen und um wie viele VPs es sich handelte, ist nicht bekannt. Das könnte für die weiteren Aufklärungen aber noch eine Rolle spielen.

Laut einem Dritten soll „VP 01 Murat“ Amri zu einem Anschlag angestachelt haben. Dieser Dritte könnte eine solche VP gewesen sein. Die Frage, was die VPs über die Anschlagspläne Amris möglicherweise wussten, ist bisher nicht beantwortet und bleibt auf der Tagesordnung. Zur „VP 01“ hat der Generalbundesanwalt ein absolutes Auskunftsverbot erlassen. (Siehe TP v. 28.1.2018: Was wollten die Behörden mit Amri?).

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Insekten sollen die zwei großen Ernährungsprobleme lösen

Der Wurmburger als Alternative zum bisherigen Fleischbratling? Seit Jahresbeginn dürfen auch Mehlwürmer und Heuschrecken in der EU verkauft werden. Auf der Grünen Woche können die neuen Menü-Zutaten schon probiert werden. Quelle: WELT/Katharina Puche
In vielen Ländern sind Käfer und Grillen bereits wichtiger Bestandteil der Ernährung. In Europa ruft der Gedanke an Insekten-Burger oft noch Ekel hervor. Dabei könnten die Insekten nicht nur den weltweiten Hunger stillen.

Von Ernst August Ginten | DIE WELT

Unter harten Jungs galt es früher als Mutprobe, einen Regenwurm zu verspeisen – meist unter großem Gejohle. Das war eklig. Aber heute essen genau diese mittlerweile groß gewordenen Männer rohen Fisch, glibberige Austern oder Garnelen aller Art.

Und viele finden es vielleicht bald schon gar nicht mehr so eklig, Wurm-Burger und hochproteinhaltige Insektenriegel zu verspeisen. Die wird es nämlich bald auch in vielen deutschen Supermärkten geben, auch in Bioqualität.

Seit Anfang des Jahres sind laut einer neuen Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union Insekten als Nahrungsmittel erlaubt. Und darauf hat eine ganze Reihe deutscher Start-ups nur gewartet. Denn das Marktpotenzial ist groß. Weltweit essen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation FAO rund zwei Milliarden Menschen fast jeden Tag Eiweiß in Insektenform – und schonen damit die Umwelt und das Klima.

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Neue Partei Les Patriotes : Frankreich soll sofort raus aus der EU

Florian Philippot ist Vorsitzender der Partei Les Patriotes. Zuvor war er Chefstratege beim Front National. Bild: AFP
Frankreich hat eine neue Partei rechts des Front National: Les Partiotes (die Patrioten). Ihr Vorsitzender ist der ehemalige Stellvertreter von Marine le Pen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Nach seinem Bruch mit der Rechtspopulistin Marine Le Pen bringt ihr früherer Stellvertreter Florian Philippot eine neue Anti-EU-Partei in Frankreich in Stellung. Philippots Anhänger kamen am Sonntag nahe dem nordfranzösischen Arras zum Gründungsparteitag der „Patrioten“ zusammen. Sie wollen bei Wahlen auch gegen Le Pens Front National (FN) antreten. Der ohne Gegenstimme zum Vorsitzenden gewählte Europa-Abgeordnete Florian Philippot wirbt für den sofortigen Austritt Frankreichs aus der EU.

Philippot hatte die FN im Herbst im Streit verlassen. Er war nach den Schlappen bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen unter Druck geraten, weil die besonders von ihm vertretene Forderung nach einem Euro-Austritt bei den Wählern nicht ankam. Le Pen stellt dieses Thema inzwischen nicht mehr in den Vordergrund.

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Berlinale: Kirchen mit Fokus auf Digitalisierung

Im Rahmen der Berlinale haben Kirchenvertreter die Folgen der Digitalisierung für die Filmbranche in den Fokus gerückt. „Das Kino hat im Zuge der Digitalisierung seine Möglichkeiten, die Bilder zu perfektionieren und für den Zuschauer ein immersives Erlebnis zu schaffen, beträchtlich erweitert“, sagte der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, am Sonntag beim traditionellen Ökumenischen Empfang auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin.

evangelisch.de

Das Gemeinschaftserlebnis sei im magischen Dunkel des Kinosaals durch nichts zu ersetzen, sagte Fürst. Zudem gebe es in der „Bildindustrie“ die Tendenz zu immer perfekter gestalteten Bildern. Durch die digitale Bearbeitung entferne sich das Bild immer mehr von der Realität. „Die Bilder triumphieren über die Realität“, erklärte der Bischof.

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, würdigte zudem den Film- und Theaterregisseur Andres Veiel als einen der profiliertesten deutschen Vertreter einer politisch engagierten Kunst.

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Überlebende attackieren die amerikanische Waffenlobby und den Präsidenten

Emma Gonzales sprach in ihrer bewegenden Rede den amerikanischen Präsidenten direkt an.Foto: Rhona Wise/AFP
Zu jung fürs Bier, aber nicht fürs Gewehr: Nach dem Massaker von Parkland fordern US-Schüler strengere Waffengesetze.

Von Thomas Seibert | DER TAGESSPIEGEL

Sie haben Mitschüler sterben sehen, sie haben Todesangst durchgemacht – und sie wollen, dass sich etwas ändert. Nach dem Tod von 17 Menschen beim Massenmord an der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida fordern die Überlebenden strengere Waffengesetze und machen Druck auf die Politiker in Washington. Der 19-jährige Ex-Schüler Nikolas Cruz hatte am Mittwoch an seiner ehemaligen Schule in der Stadt Parkland mit einem Sturmgewehr des Typs AR-15 auf Kinder und Lehrer geschossen. „Wie kam Nikolas Cruz an eine AR-15?“ fragt Ashley Laurent, die kürzlich an der Schule ihr Abitur machte. Sie ist nicht die einzige, die auf Reformen dringt.

Am Samstag versammelten sich mehrere tausend Menschen, darunter Schüler und Lehrer von Douglas High, in Fort Lauderdale in der Nähe von Parkland, um für schärfere Waffengesetze zu demonstrieren. Die Oberschülerin Emma Gonzalez, die sich bei dem Massaker in der Schule verschanzt hatte, sagte in einer Rede, wenn alles beim Alten bleibe mit den Waffengesetzen, „dann werden weiter Menschen sterben“.

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Ade, Maria!: Wieso sich mein Kirchenaustritt wie eine Trennung anfühlte

Unser Autor ist mit der Kirche aufgewachsen, sie hat ihn ein Leben lang begleitet. Doch passt sie wirklich noch zu ihm? © Mario Wezel
Unser Autor glaubt an Gott, irgendwie. Doch mit den Jahren hat er sich zunehmend von der katholischen Kirche entfremdet. Jetzt will er es wissen: Hält ihn noch irgendetwas in der Kirche?

Von Christopher Piltz | stern.de

Und nun sitze ich also da, in einem weißen Ledersessel, und fühle mich wie vor einem Trennungsgespräch. Ein wenig nervös, ein wenig schuldig, ein wenig hoffend, dass alles doch noch gut ausgeht. Wenn ich mich nach diesem Gespräch trenne, dann nicht von einer Frau, sondern von einem wichtigen Teil meiner Vergangenheit, die nun in Form von Markus Grabowski vor mir sitzt. Gebetsbücher umgeben mich und Kreuze und Bibeln und ein Bild der Heiligen Mutter Maria. An einer Wand hängt ein Poster, „Der Herr ist mein Hirte“, Psalm 23. Grabowski, schwarzes Hemd, schwarze Hose, weißer Kragen. Grabowski, 41, war früher mein Pfarrer.

Als ich Grabowski kennenlernte, war ich 16 und er 28. Er kümmerte sich damals bei uns in der Gemeinde viel um die Jugend, organisierte Fußballturniere und Grillfeste. Er wollte uns Jugendliche für den Glauben begeistern, und bei mir hat es funktioniert.

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Jerusalem-Frage: Palästinenser bitten Vatikan um Konferenz

Jerusalem. Bild: Andrew Shiva / CC BY-SA 4.0
Welchen Status hat Jerusalem? Zur Beantwortung dieser Frage aus Kirchensicht wünscht sich die palästinensische Regierung eine Konferenz aller christlichen Kirchen. Ob ein solches statfinden kann, ist aber noch unklar.

domradio.de

Die palästinensische Regierung hat den Vatikan gebeten, eine Konferenz aller christlicher Kirchen zum Status von Jerusalem auszurichten. Bei einem solchen Treffen könnten die Repräsentanten aller Kirchen und getauften Gemeinschaften deutlich machen, dass die Christen nicht auf ihre Interessen verzichten würden, die immer mit der Stadt, wo Jesus gekreuzigt wurde und auferstand, verbunden blieben, sagte der palästinensische Außenminister Riyad al-Maliki laut der italienischen Tageszeitung „Il Messaggero“ (Samstag).

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