Ade, Maria!: Wieso sich mein Kirchenaustritt wie eine Trennung anfühlte


Unser Autor ist mit der Kirche aufgewachsen, sie hat ihn ein Leben lang begleitet. Doch passt sie wirklich noch zu ihm? © Mario Wezel
Unser Autor glaubt an Gott, irgendwie. Doch mit den Jahren hat er sich zunehmend von der katholischen Kirche entfremdet. Jetzt will er es wissen: Hält ihn noch irgendetwas in der Kirche?

Von Christopher Piltz | stern.de

Und nun sitze ich also da, in einem weißen Ledersessel, und fühle mich wie vor einem Trennungsgespräch. Ein wenig nervös, ein wenig schuldig, ein wenig hoffend, dass alles doch noch gut ausgeht. Wenn ich mich nach diesem Gespräch trenne, dann nicht von einer Frau, sondern von einem wichtigen Teil meiner Vergangenheit, die nun in Form von Markus Grabowski vor mir sitzt. Gebetsbücher umgeben mich und Kreuze und Bibeln und ein Bild der Heiligen Mutter Maria. An einer Wand hängt ein Poster, „Der Herr ist mein Hirte“, Psalm 23. Grabowski, schwarzes Hemd, schwarze Hose, weißer Kragen. Grabowski, 41, war früher mein Pfarrer.

Als ich Grabowski kennenlernte, war ich 16 und er 28. Er kümmerte sich damals bei uns in der Gemeinde viel um die Jugend, organisierte Fußballturniere und Grillfeste. Er wollte uns Jugendliche für den Glauben begeistern, und bei mir hat es funktioniert.

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