Katholische Kirche „Wir müssen Stellung gegen alle ausländerfeindlichen Positionen beziehen“


Gläubige sitzen im Dom St. Petri im sächsischen Bautzen während eines Ökumenischen Festgottesdiensts auf ihren Plätzen. (Foto: dpa)
Das fordert Christian Weisner von der Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Auch bei anderen Themen sollten sich die konservativen deutschen Bischöfe am liberalen Papst orientieren.

Interview von Lars Langenau | Süddeutsche Zeitung

SZ: Herr Weisner, an diesem Montag beginnt die Frühjahrskonferenz der deutschen Bischöfe in Ingolstadt. Was erwartet ihre Bewegung​Wir sind Kirche“ von dieser Zusammenkunft?

Christian Weisner: Natürlich ist es notwendig, dass sich die Bischöfe regelmäßig treffen, aber es reicht nicht aus, dass dies immer nur hinter verschlossenen Türen wie beim Konklave zur Papstwahl geschieht. Das Kirchenvolk, dessen Hirten die Bischöfe sein wollen, ist in keiner Weise beteiligt, nicht einmal das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als offizielle Vertretung aller Katholikinnen und Katholiken. Wir kritisieren das seit Jahren. Das Ergebnis dieser Verschlossenheit ist dann, dass die Bischöfe nicht zu Lösungen für viele aktuelle Probleme kommen.

Sprechen Sie die Finanzprobleme des Bistums Eichstätt an, über die die SZ kürzlich berichtete?

Natürlich, aber das ja nicht der einzige Fall. Die Finanzkontrolle hat ja kürzlich auch bei den Hamburger Schulen oder bei den Sozialabgaben in Freiburg nicht funktioniert. Völlig versagt hatte sie beim Bischofshaus des früheren Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst in Limburg. Die Kirche sollte ein Vorbild in ethischer Geldanlage sein und nicht nur auf hohe Rendite schielen. Außerdem braucht es effektive Kontrollen und auch Mitentscheidung. Denn das sind ja nicht Privatgelder des Bischofs, es handelt sich um das Vermögen von uns allen. Dieses Umdenken und vor allem die Umsetzung sehe ich in meiner Kirche noch lange nicht gewährleistet.

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