Gencode der Farben: Die Maler der Natur

Das irisierende Blau des Morphofalters. Bild: Wiener Zeitung.at
Pfauenfedern, Schmetterlingsflügel und bunt schillernde Bakterien: Forscher gehen der Genetik der irisierenden Farben auf den Grund.

Von Eva Stanzl | Wiener Zeitung.at

Pfauenfedern leuchten in lebhaft schillernder Farbenpracht, ebenso wie die erfinderisch gemusterten Flügelpaare zahlreicher Schmetterlingsarten oder die dicken Panzer einiger Käfer. Doch wie die Natur ihren poppigen Schiller malt, ist weitgehend unbekannt. Wissenschafter der britischen Universität Cambridge haben den genetischen Code für die lebende Buntheit ein Stück weit entschlüsselt. Es sei die erste Studie zur Genetik der strukturellen Farbgebung, berichtet das Team in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Villads Egede Johansen vom Institut für Chemie der Universität Cambridge und seine Kollegen haben bestimmte Bakterien aus dem Hafenbecken von Rotterdam untersucht. Es handelt sich dabei um Flavobakterien, die zu metallisch leuchtenden, gelben, grünen, roten, rosa-violetten oder blauen Flächen-Kolonien heranwachsen.

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Finanzkommission: ARD nimmt zu viel Geld ein

Grafik: Initiative No Billag
Bei der Volksabstimmung zur Abschaffung der Rundfunkpauschale in der Schweiz könnten Einkommensschwache den Ausschlag geben

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

In ihrer Berechnung des Finanzbedarfs für die Jahre 2017 bis 2020 hatte die ARD eine Deckungslücke von 142,4 Millionen Euro geltend gemacht. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) kommt in einem gestern erschienenen 420 Seiten dicken Bericht zu einem ganz anderen Ergebnis: Danach nimmt die ARD in diesem Zeitraum nicht 142,4 Millionen Euro zu wenig, sondern 502,4 Millionen Euro zu viel ein.

Beim ZDF, das sich einen Fehlbetrag von 63,6 Millionen Euro errechnet hatte, kam die KEF auf einen Überschuss in Höhe von 27,7 Millionen Euro. Die Unterschiede ergeben sich unter anderem dadurch, dass ARD und ZDF der KEF zufolge die steigende Entwicklung der Beitragseinnahmen auf insgesamt 31,185 Milliarden Euro bis 2020 ebenso wenig ausreichend berücksichtigten wie die voraussichtlich 1,03 Milliarden Euro an Werbe- und weitere 156,8 Millionen Euro aus Sponsoringeinnahmen.

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Katholische Kirche untersucht Betrugsverdacht in Kinderheim

Freiburger Erzapostel Stephan Burger. Bild: Archiv/dpa
Krisenmanagement in der Erzdiözese Freiburg: Es geht um einen Betrugsverdacht in einem kirchlichen Kinderheim in Sigmaringen. Parallel läuft die Aufarbeitung einer millionenschweren Finanzaffäre.

Eßlinger Zeitung

Nach dem Betrugsverdacht in einem katholischen Kinderheim in Sigmaringen hat die Kirche Aufklärung angekündigt. Der Fall werde umfassend untersucht, sagte ein Sprecher der Erzdiözese Freiburg am Montag. Dies stehe jedoch erst am Anfang. Um welche Betrugssummen es sich handele, könne noch nicht beziffert werden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hechingen sagte, die Behörde sei von der Kirche informiert worden und prüfe den Fall. Einzelheiten seien noch nicht bekannt. Der Vize-Direktor des erzbischöflichen Kinderheims steht den Angaben zufolge im Verdacht, die Einrichtung betrogen zu haben. Laut Erzbistum Freiburg geht es dabei um Personal- und Finanzthemen. Zuvor hatte die „Schwäbische Zeitung“ berichtet.

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Pflanzen eroberten das Land früher

Lebermoose, hier Moerckia flotoviana, gehören zu den ursprünglichsten Landpflanzen. Ihre Vorfahren könnten schon vor mehr als 500 Millionen Jahren das Land besiedelt haben. © Des Callaghan/ CC-by-sa 4.0
Meilenstein der Evolution: Die Pflanzen könnten die Landmassen der Urerde früher als gedacht besiedelt haben. Genanalysen deuten darauf hin, dass die ersten Landpflanzen schon vor rund 515 Millionen Jahren existiert haben könnten. Damit ereignete sich einer der folgenreichsten Schritte der Evolution fast 100 Millionen Jahre früher als bisher anhand von Fossilfunden angenommen, wie die Forscher berichten. Für Atmosphäre, Geochemie und Stoffkreisläufe der Erde hatte das entscheidende Auswirkungen.

scinexx

Die Besiedlung des Landes durch die ersten Pflanzen war einer der folgenreichsten und wichtigsten Schritte der Evolution auf unserem Planeten. Denn mit der Entwicklung der Vegetation auf den zuvor noch kahlen Landmassen veränderten sich die geochemischen Kreisläufe, neue ökologische Nischen entstanden und in der Atmosphäre nahm der Sauerstoffgehalt zu und der Kohlendioxidgehalt ab.

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Wegen Grippewelle: Kein Weihwasser, keinen Friedensgruß – ein verdammter Mangel an Gottvertrauen

Wegen der starken Grippewelle in Bayern hat der Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche in Weiden (Bistum Regensburg) am vergangenen Wochenende auf das Weihwasser und den Friedensgruß verzichtet.

kath.net

Wegen der starken Grippewelle in Bayern hat Stadtpfarrer Gerhard Pausch in Weiden/Bistum Regensburg am vergangenen Wochenende auf das Weihwasser und den Friedensgruß verzichtet. Das Weihwasserbecken der Herz-Jesu-Kirche blieb leer. Das berichtete der „Merkur“ anhand einer Darstellung der Regionalzeitung „Der neue Tag“.

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Islam im Dritten Reich: Für Führer und Prophet

Muslimische Waffen-SS-Mitglieder lesen ein Heft mit dem Titel: ‚Islam und Judentum‘. (HO / AFP)
Hitler konnte das Christentum nicht ausstehen. Dem Islam konnte er etwas abgewinnen. Das NS-Regime ließ Hunderttausende muslimische Rekruten für Deutschland kämpfen. Dahinter stand „militärisches Kalkül“, sagte der Historiker David Motadel im Dlf. Ideologische Motive waren sekundär.

David Motadel im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Es geht hier und jetzt um eine merkwürdige Allianz: um die Allianz der Nazis mit den Muslimen. Die hat ein junger Historiker erforscht. Er heißt David Motadel. Er ist 1981 in Detmold geboren – als Sohn iranisch-deutscher Eltern mit Wurzeln in viele Religionsgemeinschaften. Er lehrt heute in England als Professor für Internationale Geschichte an der London School of Economics. Sein Buch über die Allianz der Nazis mit den Muslimen ist zuerst in den USA und England erschienen. Jetzt drei Jahre später auch auf Deutsch. Es hat den Titel „Für Prophet und Führer. Die Islamische Welt und das Dritte Reich“.

Ian Kershaw, einer der wichtigsten Forscher zum Nationalsozialismus, hat es als „herausragend“ bezeichnet, womit der Verlag auch – berechtigterweise – Werbung macht. Auch die Kritik in Deutschland ist ausgesprochen positiv ausgefallen. Ich kann nur ergänzen: Das ist ein Buch, das einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Hochgradig spannend – gerade, weil es so nüchtern und sachlich ist. Ich bin nun verbunden mit David Motadel. Willkommen und hallo, David Motadel.

David Motadel: Hallo Herr Main.

Main: Herr Motadel, lassen Sie uns mit der Tür ins Haus fallen. Heutige Neonazis hassen alle gleichermaßen: Juden, Gelbe, Braune, Schwarze, auch Muslime. Damit stehen sie im Gegensatz zum Original. Führende Nazis des sogenannten Dritten Reiches bewunderten Muslime offenbar. Verkehrte Welt?

Motadel: Ja, einige führende Nazis, also allen voran Hitler und Himmler, waren vom Islam tatsächlich fasziniert. Und sie haben auch wiederholt ihre Sympathie für den Islam bekundet. Das heißt zum Beispiel: Wann immer Hitler während der Kriegsjahre die katholische Kirche kritisierte, verglich er sie gleichzeitig mit dem Islam als gewissermaßen positives Gegenbeispiel.

Das heißt, während er den Katholizismus als schwache, verweichlichte Religion verurteilte, lobte er den Islam oft als starke, aggressive Kriegerreligion. Also, da gab es eine gewisse Faszination für den Islam.

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149 Kältetote in diesem Winter in der Bastion des Christentums Ungarn

In diesem Winter sind in Ungarn bis Mitte Februar 149 Menschen erfroren. Das berichtete das Internet-Portal „24.hu“ unter Berufung auf das Ungarische Sozialforum, ein Netzwerk unabhängiger Hilfsorganisationen.

Frankfurter Rundschau

Bei 47 Prozent der Opfer handele es sich um Menschen, die in Armut lebten und in ihren ungeheizten Wohnungen erfroren seien, heißt es in dem Bericht. Die anderen starben an Erfrierungen, die sie im Freien erlitten hatten.

Stiftung gegen ZDF-Werbung für Potsdamer Garnisonkirche

NS-Propagandakarte, Kunstverlag Wentz & Co. 1933

Die Garnisonkirchen-kritische Martin-Niemöller-Stiftung nimmt Anstoß an einem ZDF-Werbespot für den Wiederaufbau des Potsdamer Gotteshauses.

evangelisch.de

Der Stiftungsvorsitzende Michael Karg forderte am Montag in Wiesbaden eine sofortige Einstellung der kostenlosen Werbung und kündigte eine Beschwerde beim Fernsehrat an. Der Film war am Sonntag unmittelbar vor den 19-Uhr-Nachrichten erstmals ausgestrahlt worden.

Karg monierte, das ZDF gebe mit dem Spot seine „bisherige ausgewogene Berichterstattung auf“ und werde „werbend tätig“. Es handele sich dabei um „eine einseitige Parteinahme für ein auch international umstrittenes erinnerungspolitisches Projekt“. Die Martin-Niemöller-Stiftung, die dem Wiederaufbau kritisch gegenübersteht, will nun wissen, ob der ZDF-Fernsehrat über diesen Vorgang informiert war.

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Es ist fünf vor zwölf in Afrika

Nigerias Präsident Buhari überreicht dem Parlament im November das Staatsbudget. (Reuters)
Ein Jahrzehnt nach dem letzten grossen Schuldenerlass drohen in Afrika wieder Staatsbankrotte. Das hat mit schlechter Regierungsführung und dem Fluch der Rohstoffe zu tun, aber auch mit der kopflosen Profitgier westlicher Investoren.

Von Fabian Urech | Neue Zürcher Zeitung

Als Nigerias Präsident Muhammadu Buhari dem Parlament vor einigen Wochen ein Rekordbudget für 2018 vorstellte, war ihm der Applaus gewiss. Im Blitzlichtgewitter der Kameras überreichte er den Abgeordneten symbolisch eine Art Geschenkbox in den Landesfarben, die die Ausgabenposten enthielt. Seine Regierung werde nach der jüngsten Rezession alles tun, um Nigeria zurück zur Prosperität zu führen, sagte Buhari in seiner Rede. Er sprach von neuen Strassen, Spitälern, Kraftwerken und Jobs.

Was Buhari während des freudvollen Zeremoniells indes vermied, war ein Hinweis auf jenen Budgetposten, der im Vergleich zum Vorjahr am stärksten – nämlich um über 20 Prozent – angestiegen war: der Schuldendienst.

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Vatikan-Richter wegen Kinderpornografie verurteilt

Er war Richter an einem der höchsten Gerichte der katholischen Kirche. Jetzt wurde Pietro A. selbst verurteilt – wegen Belästigung und Besitzes von Kinderpornografie. Ins Gefängnis muss er aber nicht.

katholisch.de

Wegen der Belästigung eines 18-Jährigen und des Besitzes kinderpornografischer Bilder ist ein Richter eines hohen vatikanischen Gerichts zu 14 Monaten Haft verurteilt worden. Wie italienische Medien am Montag berichteten, wurde die Strafe eines italienischen Gerichts zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte, Pietro A., ist Priester aus Süditalien und Richter am Appellationsgericht der Römischen Rota.

Den Berichten zufolge hatte Amenta Anfang März 2017 in Rom einen 18-jährigen Rumänen verfolgt und belästigt, der sich daraufhin an eine Polizeistreife wandte. Bei den weiteren Ermittlungen fanden Beamte auf Amentas Computer 80 pornografische Bilder von Minderjährigen. Die römische Rota (Rota Romana) ist eines der drei höchsten kirchlichen Gerichte und als letzte Instanz vor allem für die meisten Fälle von Eheannullierungen zuständig.

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„Vergewaltigung der Zehn Gebote“ – ein Geschäft in Tschechien

Bild: Ekem/public domain
Eines der katholischsten Länder Europas (Polen) Europas grenzt an eines der religionsfreiesten (Tschechien) – mit Folgen

Von Jens Mattern | TELEPOLIS

Die Folge: Eingriffe, die den polnischen weiblichen Unterleib betreffen und dem Klerus sowie einer traditionellen Gesellschaft nicht gefallen, finden im säkulären Nachbarland statt. Lange war Tschechien ein wichtiges Reiseziel vor allem für Polinnen mit ungewollter Schwangerschaft, mittlerweile hat man sich dort auch auf die nördlichen Nachbarn mit dem unerfüllten Kinderwunsch eingestellt. In den Kliniken wird Polnisch gesprochen, aber auch andere Sprachen: Das traditionell kirchenskeptische Land ist eine Art Anlaufstelle für die Befruchtung im Reagenzglas für viele Ausländer geworden. Die in den 1970er Jahren entwickelte Methode wird an der Moldau als Errungenschaft der Technik gepriesen, die In-Vitro-Kinder und ihre Eltern feiern sich selbst in Massenevents. Schon 60 Prozent der Frauen über 35 Jahren in Tschechien nutzen diese Methode der künstlichen Befruchtung.

Die tschechischen Kliniken wiederum halten jedoch bewusst keinen Kontakt zu polnischen Krankenhäusern, um ihre Patienten vor einem möglichen schlechten Ruf zu schützen. Vom rechtskatholischen Milieu werden solche Kinder teils als „Monster“ geschmäht. In Polen kostet zudem ein Versuch der Befruchtung im Reagenzglas mit rund 8000 bis 12.000 Zloty (2000 bis 3000 Euro) zu Buche, dies ist im Schnitt in Tschechien etwas billiger.

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Warum das Mittelmeer zur Wüste wurde

Vor rund sechs Millionen Jahren hob sich der Meeresgrund bei Gibraltar und schnitt das Mittelmeer vom Atlantik ab. © Roger Pibernat/ Daniel Garcia-Castellanos, CC-by-sa 3.0
Urzeit-Katastrophe im Mittelmeer: Ein bisher kaum bekannter tektonischer Prozess könnte zum Trockenfallen des Mittelmeers vor sechs Millionen Jahren beigetragen haben. Denn damals kam es unter der Meerenge von Gibraltar zu einer seitlichen Verschiebung und Stauchung eines untergetauchten Plattenstücks, wie Forscher herausgefunden haben. Dieses sogenannte „Slab Dragging“ führte zu einer Hebung des Meeresbodens und dies schnitt das Mittelmeer vom Wassernachschub aus dem Atlantik ab.

scinexx

Vor rund sechs Millionen Jahren erlebte das Mittelmeer eine dramatische Veränderung: Der Untergrund unter der Meerenge von Gibraltar hebt sich und schneidet dem Binnenmeer die Wasserzufuhr ab. Als Folge dieser messinischen Salinitätskrise wird das Mittelmeer zunächst immer salziger und trocknet dann völlig aus. Erst mehrere hunderttausend Jahre später endet diese Krise in einer gewaltigen Katastrophe: Der Gibraltar-Damm bricht und enorme Flutwellen ergießen sich in die Senke.

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Eine Million Babys sterben am Tag ihrer Geburt – wo sind die scheinheiligen Christen für das Leben

Die Mehrzahl der Todesfälle sei vermeidbar, sagte Unicef-Direktorin Henrietta Fore. (Foto: AP)
  • Jährlich sterben Unicef zufolge weltweit 2,6 Millionen Babys im ersten Lebensmonat, eine Million davon am Tag ihrer Geburt.
  • Die höchste Sterberate hat Pakistan. Dort stirbt eins von 22 Neugeborenen in seinem ersten Lebensmonat.
  • Acht der zehn Länder, die in dem Unicef-Ranking am schlechtesten abschneiden, liegen im Afrika südlich der Sahara.

Süddeutsche Zeitung

Babys, die in Pakistan, der Zentralafrikanischen Republik und Afghanistan geboren werden, haben die schlechtesten Überlebenschancen weltweit. Das zeigt ein Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) zur Sterblichkeit bei Neugeborenen. Statistisch gesehen stirbt demnach in Pakistan eins von 22 Neugeborenen in seinem ersten Lebensmonat, in der Zentralafrikanischen Republik eins von 24 und in Afghanistan eins von 25.

Jährlich sterben in den ersten vier Wochen Unicef zufolge weltweit 2,6 Millionen Babys, eine Million davon am Tag ihrer Geburt. Acht der zehn Länder, die in dem Unicef-Ranking am schlechtesten abschneiden, liegen im Afrika südlich der Sahara. Darunter sind etwa Somalia, die in Südafrika gelegene Enklave Lesotho sowie die westafrikanischen Staaten Guinea-Bissau, Mali und die Elfenbeinküste.

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Gleichberechtigung im Islam?

Bild: RDF
Immer wieder behaupten Islamapologeten aber vor allem Islamapologetinnen in Fernsehsendungen und Artikeln, dass im Islam Frauen und Männer gleichberechtigt seien.

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Sie gehen manchmal so weit wie beispielsweise Khola Maryam Hübsch und geben an, dass Mohammed der erste Feminist gewesen sei. Nachfolgend möchte ich zunächst eine berühmte Stelle aus dem Koran, namentlich Sure 4:34, zitieren, welche die entsprechenden absurden Behauptungen sofort widerlegt, wonach der Scharia-Islam so etwas wie die Gleichberechtigung der Geschlechter kenne. Die Übersetzung stammt von Rudi Paret, die in Fachkreisen als die beste Koranübersetzung in deutscher Sprache gilt.

„Die Männer stehen über (qauwāmūn ʿalā) den Frauen, weil Gott sie (von Natur aus vor diesen) ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen (als Morgengabe für die Frauen?) gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind (Gott) demütig ergeben und geben acht auf das, was (den Außenstehenden) verborgen ist, weil Gott (darauf) acht gibt (d.h. weil Gott darum besorgt ist, dass es nicht an die Öffentlichkeit kommt). Und wenn ihr fürchtet, dass (irgendwelche) Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie (wa-dribū-hunna)! Wenn Sie euch (daraufhin wieder) gehorchen, dann unternehmt (weiter) nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß.“

Im ersten Teil dieser Koranstelle wird klar die Überordnung des Mannes gegenüber der Frau festgelegt. Dies steht einerseits wortwörtlich dort und ferner entspricht diese Interpretation auch der Meinung der Tradition. Darüber hinaus – und das ist das Wichtigste – ist dies die praktizierte Realität in der islamischen Welt, was für alle Menschen, die in der Lage sind, objektiv zu denken, völlig offensichtlich ist. Der Schluss der vorzitierten Koranstelle sieht – so wie man dort nachlesen kann – ein Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber seiner Frau vor. Dabei gibt es eine Kaskade von drei Stufen, was von gewissen Musliminnen und Muslimen als eine Art Errungenschaft empfunden wird. Zuerst soll die Frau ermahnt werden und nicht gleich geschlagen. Dann gibt es Sexentzug, was insbesondere für jene muslimische Frauen, die ohne eigene Einwilligung in einer Ehe leben müssen, eine enorme Strafe sein muss. Erst dann, wenn selbst das nicht gewirkt hat, dann soll geschlagen werden. Dazu gibt es übrigens Regeln. Man(n) schlägt seine Frau nicht einfach so, wie es einem gerade passt! Die Scharia gibt dazu nützliche Tipps, wie diese beiden Damen aus Australien in diesem Film mit viel Detailwissen darlegen. Auch andere Filme auf YouTube sagen darüber ähnliche Dinge. Der Mann soll mit einem kleinen Stecken schlagen, mit einem Tuch oder mit der flachen Hand jedoch nicht mit der Faust und vor allem niemals mit Verletzungsabsicht (weil man(n) sein “Eigentum” nicht zerstören sollte, ist schließlich Gabe Gottes).

Nach Kenntnis dieser Koranstelle kann nicht wirklich behauptet werden, dass im Islam Frau und Mann gleichberechtigt seien. Dies widerspricht dem klaren Wortlaut des Koran und entsprechende Behauptungen sind nichts anderes als Taqiya, um den Islam vor Kritik von “Ungläubigen” zu verteidigen, außer die Person, die solchen Unsinn ausspricht, hätte tatsächlich keine Ahnung vom Islam. Jedenfalls sollten solche Äußerungen nicht ernst genommen werden. Wer in Anbetracht dieser Koranstelle von Gleichberechtigung sprechen will, hat sicherlich nicht das gleiche Verständnis davon, was normalerweise unter diesem Begriff verstanden wird. Wer solchen Unsinn verbreitet wie, dass Mohammed der erste Feminist gewesen sei wie Khola Maryam Hübsch im oben verlinkten Artikel, unterscheidet sich nicht wirklich von Kellyanne Conways mit ihren “Alternative Facts“.

Um es noch deutlicher zu machen, weshalb nach islamischer Vorstellung Frauen Männern untergeordnet sind, möchte ich aus dem Nasihat al Muluk (Ratgeber für Könige) des “großen” islamischen Denkers al-Ghazali zitieren. Damit die Bedeutung und der Stellenwert dieses al-Ghazali im Islam von den Lesern eingeordnet werden kann, hier ein Auszug aus dem Wikipedia-Eintrag über diesen “Philosophen”:

„Abū Hāmid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazālī, kurz auch Alghazāli (arabisch أبو حامد محمد بن محمد الغزالي, DMG Abū Ḥāmid Muḥammad b. Muḥammad al-Ġazzālī; persisch ابو حامد محمد غزالی; lateinisch Algazel; geboren 1058 in Tūs bei Maschhad; gestorben am 19. Dezember 1111, mit dem ehrenden Beinamen Huddschat al-Islām, war ein persischer islamischer Theologe, Philosoph und Mystiker. Ghazali zählt bis heute zu den bedeutendsten religiösen Denkern des Islams. (…) Während er einerseits für den Untergang der Philosophie im islamischen Osten (im Gegensatz zum islamischen Spanien, wo sie aufblühte) verantwortlich gemacht wird, bewirkte er auf der anderen Seite eine Wiederbelebung der Theologie.“

Mit anderen Worten stellt das Werk Nasihat al Muluk etwas Ähnliches dar wie Il Principe (Der Fürst) von Machiavelli im Westen, wobei al-Ghazali in der islamischen Welt eine ähnliche Rolle spielt wie der bedeutende Denker der Renaissance. Jedenfalls ist dieser al-Ghazali so bedeutend, dass vier seiner Werke in die UNESCO-Sammlung repräsentativer Werke aufgenommen wurden, wobei ich fairerweise einräumen muss, dass Nasihat al Muluk nicht dazu gehört.

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Mikroplastik auch in Fischen

Ökosystem Meer: Raubfische auf der Jagd nach Sardellen © Bruno de Giusti / CC-by-SA 2.5
Pappsatt: Drei von vier Fischen aus mittleren Tiefen des Atlantiks haben Mikroplastik im Magen, wie neue Analysen enthüllen. In den Fischbäuchen fanden die Wissenschaftler dabei vor allem Plastikfasern aus Funktionstextilien. Die untersuchte Fischgruppe wandert intensiv zwischen den Meerestiefen und könnte die Kunststoffteilchen damit von der Wasseroberfläche zum Meeresboden bringen. Da diese Fische auch vielen Speisefischen als Nahrung dienen, könnte sich das Mikroplastik weiter in der Nahrungskette und auch bis zum Menschen ausbreiten.

scinexx

Wir leben im Zeitalter des Plastiks: Mikroplastik schwimmt in Seen, Flüssen und sogar der Tiefsee. Meeresorganismen nehmen die winzigen Kunststoffteile auf, die anschließend zu Entzündungen und Gewichtsverlust führen und schließlich tödlich wirken können. Während schon viel zum Plastikverzehr von Meeresvögeln bekannt ist, haben sich bisher nur wenige Studien mit den Meeresbewohnern Nummer Eins beschäftigt – den Fischen.

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Warum KI die Welt besser regieren könnte als Menschen

Wenn es um künstliche Intelligenz und die Möglichkeit geht, dass sie ein Bewusstsein entwickelt, stoßen wir auf eine tiefsinnige philosophische Schwierigkeit. Ich bin philosophischer Naturalist. Ich bin Vertreter der Ansicht, dass nichts in unserem Gehirn die Gesetze der Physik verletzt, dass es nichts gibt, was prinzipiell nicht auch von Technologie reproduziert werden kann.

Von Richard Dawkins | Richard-Dawkins-Foundation

Es wurde noch nicht gemacht und wir sind vielleicht noch weit davon entfernt es zu tun, aber ich sehe keinen Grund zu glauben, warum wir nicht in der Zukunft an den Punkt gelangen sollten, an dem ein menschengemachter Roboter dazu in der Lage ist ein Bewusstsein zu entwickeln und Schmerzen zu empfinden. Wir können Schmerz empfinden, warum sollten sie es nicht können? Und die ist besonders verstörend, weil uns der Gedanke gegen den Strich geht, dass eine Maschine aus Metall und Siliziumchips Schmerz empfinden könnte, aber ich sehe keinen Grund, warum sie es nicht tun könnte.

Und deshalb wird es in der Zukunft moralische Überlegungen geben, wie man künstlich intelligente Roboter behandelt, ein Problem über das Philosophen und Moralphilosophen bereits sprechen. Noch einmal: Ich bin davon überzeugt, dass dies möglich ist. Ich vertrete die Ansicht, dass alles, was ein menschliches Gehirn kann, ebenfalls durch Silizium repliziert werden kann. Und ich kann die Bedenken, die von hochangesehenen Personen wie Elon Musik und Stephen Hawking geäußert wurden nachempfinden, laut denen wir nach dem Vorsorgeprinzip besorgt sein müssen, dass eine Machtergreifung durch Roboter, die wir selbst erschaffen haben, möglich ist, besonders, wenn sie sich selbst vervielfältigen können, sich fortentwickeln und nicht mehr auf uns angewiesen sind.

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Umfrageschock für Sozialdemokraten: AfD liegt erstmals vor SPD

Andrea Nahles – imago/Jörg Schüler
Die Rechtspopulisten überholen erstmals in einer repräsentativen Umfrage die Sozialdemokraten.

Die Presse.com

Es hatte sich in den vergangenen Wochen angedeutet. Im Sog der SPD-Personaldebatten und des Führungschaos war die Alternative für Deutschland zuletzt in den Umfragen immer näher an die Sozialdemokraten herangerückt. Nun hat die rechtspopulistische Partei erstmals die Sozialdemokraten in einer repräsentativen Umfrage für die „Bild“-Zeitung überholt.

Die Meinungsforscher des Instituts Insa weisen die AfD bei 16 Prozent (plus ein Prozentpunkt) und die SPD bei 15,5 Prozent (minus ein Prozentpunkt) aus. Auch die Grünen verringern den Abstand auf die SPD stetig (13 Prozent), dahinter liegen Linkspartei (elf Prozent) und FDP (neun Prozent). Angela Merkels Union rangiert auf Platz eins und verbessert sich um 2,5 Prozentpunkte auf 32 Prozent.

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Apostel Burger und Fürst widersprechen Marx: Keine Segnung für Homopaare!

SWR: Die Bischöfe der beiden katholischen Bistümer Baden-Württembergs widersprechen Überlegungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, Homopaare im Einzelfall kirchlich zu segnen.

kath.net

Die Bischöfe der beiden katholischen Bistümer Baden-Württembergs widersprechen Überlegungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, Homopaare im Einzelfall kirchlich zu segnen. Nach Angaben des SWR erläuterte Bischof Gebhard Fürst/Rottenburg-Stuttgart, dass die Spendung des Ehesakramentes der Ehe vorbehalten bleibe, er verwies auf die natürliche Offenheit für Kinder. Ein Sprecher des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger erläuterte ebenfalls gegenüber dem SWR, dass die katholische Kirche eine Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ablehne, deshalb könne sie hier auch keinen Segen geben.

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Masernfälle in Europa steigen um 400 Prozent

Durch ausreichende Impfungen könnten Masernfälle vermieden werden. (Foto: Marius Becker/dpa)
  • In der WHO-Region Europa erkrankten 2017 mehr als 21 000 Menschen, 35 starben.
  • Als Grund nennt die Behörde die sinkenden Impfquoten.
  • Auch in Deutschland wurden größere Ausbrüche registriert.

Von Berit Uhlmann | Süddeutsche Zeitung

35 Europäer sind nach einer Bilanz der Weltgesundheitsorganisation WHO im vergangenen Jahr an den Masern gestorben. Mehr als 21 000 Menschen erkrankten. Damit zogen sich viermal mehr Menschen als im Vorjahr die vermeidbare Infektionskrankheit zu. „Das ist eine Tragödie, die wir einfach nicht akzeptieren können“, erklärte die für Europa zuständige WHO-Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab. Als Ursachen für den aktuellen Anstieg nennt die WHO die rückläufigen Impfquoten. Teilweise sei auch kein Impfstoff verfügbar gewesen.

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Freilassung von Deniz Yücel: Kein Grund zur Entwarnung

Der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel ist nach einem Jahr in Haft endlich frei, doch an der Situation von Presse und Justiz in der Türkei hat sich damit nichts geändert.

Von Ulrich von Schwerin | Qantara.de

Ein Jahr hatte die türkische Justiz Zeit, um die Anklageschrift für Deniz Yücel vorzubereiten. Am Ende hat sie drei dürre Seiten vorgelegt, die kaum mehr Substanz hatten als das, was die Staatsanwaltschaft vor einem Jahr vorgebracht hatte, um die Untersuchungshaft für den „Welt“-Korrespondenten zu rechtfertigen. Wie schon damals lautet der Vorwurf auf „Volksverhetzung“ und „Terrorpropaganda“, als Beweis werden Yücels Artikel zum Kurdenkonflikt und zum gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 angeführt. Die Strafforderung beträgt bis zu 18 Jahre Haft.

Zwar ordnete das Gericht bei der ersten Anhörung am 16. Februar an, Yücel für die Dauer des Verfahrens freizulassen, worauf er umgehend das Land verließ, doch bleibt er weiter angeklagt – angeklagt für seine Arbeit als Journalist. Die Vorwürfe sind dabei so absurd, die Begründung so dürftig und die Strafforderung so exzessiv wie in anderen Prozessen gegen Journalisten. Mehr als 150 sitzen weiter in Haft, weil sie ihre Aufgabe als kritisches Korrektiv der Macht ernst genommen und sich nicht damit begnügt haben, das Sprachrohr der Mächtigen zu sein.

Maulkorb für Dissidenten und Querulanten

„Auch wenn ich nicht Ihrer Meinung bin, werde ich mein Leben dafür geben, Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen“, hatte Recep Tayyip Erdoğan im Jahr 2001 unter Abwandlung eines Voltaire-Zitats* gesagt, als er die Gründung seiner Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) verkündete. Sie werde die Rechte und Freiheiten in ihrer breitest möglichen Form verteidigen, versprach er. Die Hoheit des Rechts und die Unabhängigkeit der Justiz hätten für sie höchste Bedeutung als Grundlage des Zusammenlebens.

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*Das Zitat ist im Original nicht von Voltaire, sondern von Evelyn Beatrice Hall in Die Freunde von Voltaire(1906)