Judenhass von rechts und links : So wird dämonisiert


Demonstration gegen Judenhass in Berlin. Bild: Picture-Alliance
Das Gerede von der „Jüdischen Weltverschwörung“ hat links wie rechts Konjunktur. Der neue Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung wird viel zu tun haben.

Von Michael Wolffsohn | Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Jüdische Weltmacht“ oder „Jüdische Weltverschwörung“ – das Thema ist wieder auf der Tagesordnung. Nicht nur in der islamischen Welt oder unter deutschen Muslimen, auch bei Alteinheimischen erhitzt es wieder die Gemüter. Deshalb hat nun eine überparteiliche Bundestagsmehrheit – sogar vor und unabhängig von der neuen Regierungsbildung – einen „Antisemitismus-Beauftragten“ installiert. Er oder sie wird sich auch mit dem Klassiker des weltweiten Antijudaismus auseinanderzusetzen haben: der Legende von der Jüdischen Weltmacht. Diese war bekanntlich so mächtig, dass Hitler und seine Schergen sechs Millionen Juden ohne Gegenwehr vernichten konnten.

Die Jüdische Weltmacht nennt man heute „Jüdische Lobby in den USA“ und Israel, also den jüdischen Staat. Die vermeintliche Lobby stellt etwa zwei Prozent der amerikanischen Bevölkerung dar, diese zirka sechs Millionen von 7,5 Milliarden Erdbewohnern. „Tut nichts! Der Jude wird verbrannt“, verkündet der Patriarch in Lessings „Nathan der Weise“. Hieran knüpfen mehr als nur im übertragenen Sinne alteingesessene Deutsche an, die fast jeder kennt. Stellvertretend seien zwei Beispiele erwähnt. Das eine von rechts, das andere von links.

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