Wie man Diktatoren erzieht und dabei ums Leben kommt


Das Haifischbecken Rom wurde dem Philosophen Seneca zum Verhängnis. (C.H.Beck / Manuel Domínguez Sánchez: The Death of Seneca (1871))
Ein berühmter Philosoph wird zum Kaisererzieher berufen und bezahlt seine Zusage teuer: Der Zögling Nero zwingt den Lehrer Seneca zum Selbstmord. Neros Karriere als mieser Schurke der Weltgeschichte hat James Romm faszinierend beschrieben.

Von Paul Stänner | Deutschlandfunk Kultur

Acht Jahre hatte Seneca auf dem damals öden Korsika gelebt. Jetzt aber kam die Chance seines Lebens: Agrippina, die Gattin des Kaiser Claudius, brauchte für ihren Sohn Nero einen Erzieher, um ihn regentschaftstauglich zu machen. Dies war umso wichtiger, als mit dem jüngeren Stiefbruder Britannicus ein Konkurrent auf die Macht lauerte. Um ihn auszustechen brauchte Nero eine erstklassige Ausbildung. Das sollte Seneca erledigen, der berühmte, gefeierte Philosoph, Schriftsteller und Redner.

Letztlich war es mit der Ausbildung nicht so wichtig. Als es zur Entscheidung kam, Britannicus oder Nero, hat Nero seinen Stiefbruder kurzerhand umgebracht – Philosophie hin oder her.

Möglicherweise war damals, als Seneca seine Erzieherstelle antrat, diese Neigung Neros zum kurzen Dienstweg noch nicht absehbar. Oder doch? Warum ließ sich Seneca aus der philosophischen Beschaulichkeit Korsikas fortlocken? Zog es ihn in das Haifischbecken Rom zurück in der Hoffnung, er könne als Philosoph und Erzieher des künftig mächtigsten Mannes des Erdkreises die Weltpolitik beeinflussen? Und bei der Gelegenheit ordentlich Reichtümer einsammeln?

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