Wir müssen schneller leben

Armen Avanessian / Magdalena Lepka
Philosoph Armen Avanessian fordert eine radikale Beschleunigung des Lebens. Die Politik fürchte Zukunft und Technologie.

Yves Bossart | SRF

Slow-Food, Achtsamkeit, Entschleunigung, ein Leben auf dem Land. Am besten ohne Netz und Smartphone. Wer so denkt, hat die Zeichen unserer Zeit grundlegend missverstanden.

Das zumindest meint der österreichische Avantgarde-Philosoph Armen Avanessian. Der rückwärtsgewandten Sehnsucht nach Entschleunigung stellt er ein radikales Ja zur weiteren Beschleunigung unserer Lebensform entgegen.

Auch die schönen Dinge mache ich schnell – dann kann ich mehr davon tun.

Damit kritisiert er auch die politische Linke, der er Regression, Utopiemangel, Zukunftsangst und Technologiefeindlichkeit vorwirft. Avanessian zufolge brauchen wir ein von der Zukunft her gedachtes, beschleunigtes Leben.

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Grabeskirche in Jerusalem geschlossen – aus Protest gegen Politik

Die Stellungnahme wird vor der geschlossenen Grabeskirche vom griechisch-orthodoxen Patriarch Theophilos III. von Jerusalem (2.v.l.) verlesen. Weitere anwesende Vertreter sind Francesco Patton, Franziskanerbruder und Leiter der Kustodie im Heiligen Land . Bild: KNA
Aus Protest gegen die israelische Politik gegenüber den Kirchen haben örtliche Kirchenführer die Grabeskirche in Jerusalem bis auf weiteres geschlossen.

kirche+leben

Die »systematische und offensive Kampagne« gegen Kirchen und Christen habe mit der Ankündigung der Verantwortlichen in Jerusalem, Kircheneigentum wegen angeblicher Steuerschulden zu beschlagnahmen, »ein ungekanntes Ausmaß« erreicht, heißt es in einer am Sonntag vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. öffentlich verlesenen Erklärung. Zu den Unterzeichnern gehören neben Theophilos auch Franziskanerkustos Francesco Patton sowie der armenische Patriarch Nourhan Manougian.

Die Forderung nach einer Steuerpflicht widerspreche der historischen Stellung der Kirchen in Jerusalem, so die Kirchenführer. Die Maßnahmen der Stadt »brechen bestehende Abkommen und internationale Verpflichtungen, die die Rechte und Privilegien der Kirchen garantieren«.

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So konstruieren Sekten Fake News auf der Glaubensebene

Uriella und ihr Ehemann Icordo im Zwiegespräch mit Jesus. Bild: keystone
US-Präsident Donald Trump sieht sich umzingelt von Journalisten und Politikern, die ihn kritisieren. Seine Twitter-Tiraden gegen seriöse Medien sind legendär.

Von Hugo Stamm | watson.ch/Blogs

Alle Informationen über ihn, die seinen vermeintlichen Heldenstatus schmälern, qualifiziert er pauschal als Fake News ab. Sachliche Argumentation scheint für ihn reine Zeitverschwendung.

Dieses narzisstische Verhalten erinnert stark an das Weltbild von Sekten. Bei ihnen muss man aber nicht von Fake News sprechen, sondern von Fake Faith. Von erfundenem Glauben. Und wie Trump halten sie an ihren erfundenen Heilslehren fest, ohne sich zu fragen, ob diese auch nur ansatzweise plausibel sind.

Natürlich müssen sektenhafte Gruppen keine wissenschaftlichen Hinweise erbringen, um ihre Heilslehre zu legitimieren, schliesslich geht es um Glauben. Und glauben bedeutet, eine religiöse Idee für wahr zu halten. Trotzdem sollte man von Glaubensgemeinschaften erwarten dürfen, dass sie eine Heilslehre verkünden, die wenigstens der Spur nach nachvollziehbar und wenigstens entfernt mit unseren Erfahrungen kompatibel ist.

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Bisher geheimes Memorandum zur Russland-Affäre veröffentlicht

Mit der Veröffentlichung des Memorandums zur Russland-Affäre reagieren die amerikanischen Demokraten auf Vorwürfe des Präsidenten und seiner Partei. (Bild: NZZ)
Präsident Trump behauptet, er sei Opfer einer Hexenjagd der amerikanischen Justiz. Ein nun veröffentlichtes, auf geheimen Akten beruhendes Dokument von demokratischen Abgeordneten legt eine völlig andere Sicht der Dinge dar.

Von Andreas Rüesch | Neue Zürcher Zeitung

Der Geheimdienstausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses hat am Wochenende ein bisher unter Verschluss gehaltenes Memorandum demokratischer Abgeordneter zur Russland-Affäre veröffentlicht. Das Weisse Haus hatte die Publikation unter Berufung auf Geheimhaltungsgründe zwei Wochen lang verzögert. Es stimmte der Freigabe schliesslich nur nach der Schwärzung zahlreicher heikler Passagen zu. Trotz diesen redaktionellen Eingriffen gibt das Dokument wichtige Aufschlüsse.

FBI in Schutz genommen

Das Memorandum widerspricht der Behauptung Präsident Trumps und führender Republikaner, dass die Bundespolizei FBI die Untersuchung zu verdächtigen Kontakten zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland aus parteipolitischen Motiven eingeleitet habe. Dabei entkräftet es namentlich den Verdacht, das FBI habe sich von einem dubiosen, von demokratischer Seite finanzierten Dossier – dem sogenannten Steele-Dossier – leiten lassen, laut dem Trump von Russland erpressbar ist.

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Hitler, menschliche Gehirne und entspannte Paviane

Bild: AG EvoBio

Sind Menschen nette oder unangenehme Primaten? Wie entstehen nette Menschen? Wie entstehen unangenehme Menschen? Wie entstehen normale Menschen, die mal nett und mal unangenehm sind? Was lässt die normalen Menschen sich mal nett, mal unangenehm verhalten? Sind die Gene dafür verantwortlich? Sind die Gehirnstrukturen schuld? Oder ist alles von der Kultur beeinflusst?

Von Steffen Münzberg | AG EvoBio

SAPOLSKY möchte in diesem Buch zeigen, wie stark unsere Persönlichkeit von Gehirnstrukturen geprägt wird und wie die Kultur unser Verhalten beeinflusst. Das menschliche Gehirn ist ein soziales Gehirn, das evolutionär für das Gruppenleben geformt wurde. Das Buch beschreibt, über welche Mechanismen die soziale Kultur in unsere Gehirne hinein wirkt und – das ist neu! – wie die Kultur über Kindheitserfahrungen sogar einige Gehirnstrukturen formt. SAPOLSKY bleibt immer hart an den wissenschaftlichen Versuchsergebnissen und gestattet sich nur wenige Thesen über die Funktionsweise verschiedener Kulturen. Dieses Buch verkleinert die noch weit klaffende Lücke zwischen Natur- und Geisteswissenschaften ein wenig. Dieses Buch ist ein schönes Beispiel, wie die Wirkung von biologischen Dingen auf das menschliche soziale Leben gut dargestellt werden kann, ohne in Biologismus zu verfallen. Noch nie gab es eine solch kompakte Darstellung der Gehirn-Zusammenhänge, die über mehrere Organisationsebene der Materie reicht – von den Genen über die Evolution, das Gehirn und die Gruppen bis hin zur Kultur.

Der Neurowissenschaftler und Primatologe Robert SAPOLSKY beginnt das Buch mit seinem Hass auf Adolf Hitler, dessen willige Helfer viele Verwandte SAPOLSKYs getötet hatten. SAPOLSKY stellt die Frage: Wieso sind so viele Menschen Hitler gefolgt? Was findet in Menschen statt, die autoritären Ideologien folgen?

Das menschliche Gehirn entscheidet über das Handeln des Menschen. Im Gehirn stoßen Biologie und Kultur zusammen. Zusammen lassen Biologie und Kultur den Menschen agieren. Alle Überlegungen, warum ein Mensch wie handelt, müssen mit dessen Gehirn beginnen. Die Struktur des Buches folgt diesem Gedanken und beginnt mit der Beschreibung augenblicklicher Entscheidungen und Handlungen, um dann zeitlich immer weiter zurückzugehen, um die verschiedenen Ursachen des Handelns zu beleuchten.

Wer denkt denn da?

Zuerst geht es darum: Welche Gehirnteile tut was? Wie interagieren die Gehirnteile miteinander? Als nächstes geht es darum, was die Gehirnteile in den letzten Minuten, Tagen und Monaten beeinflusst hat. Wie hat sich das Erlebte auf die Gehirnteile ausgewirkt? Dann wird betrachtet, wie sich das Gehirn in Pubertät, Kindheit und Schwangerschaft entwickelt. Welche äußeren und welche genetischen Einflüsse formen die Gehirne? Und wie formte die Evolution die Gene, die wiederum unsere Gehirne formen?

Das menschliche Gehirn ist ein soziales Gehirn. Wie die Gehirne vieler anderer Primaten. Viele Gehirnfunktionen sind für das Zusammenleben mit vielen Gruppenmitgliedern herausgebildet worden. Wer war mal nett zu mir? Wer hatte mir mal die Beeren geklaut? Wer hat mich bei meinem Paarungsversuch gestört? Wer hat mir mal bei einer Keilerei geholfen? Wer sind die Freunde und Verwandte dieser netten oder unangenehmen Primaten? Unser Gehirn führt Buch über all das, was uns widerfährt und vom wem es uns widerfährt.

Mein Gehirn und die Anderen

Unser soziales Gehirn liebt es, in Gruppen-Kategorien zu denken: Meine Gruppe = alles tolle Typen, andere Gruppe = alle doof. SAPOLSKY zeigt in seinem Buch, wie dieses Gruppendenken im Gehirn arbeitet. Er zeigt an vielen interessanten Beispielen, wie durch Schlüsselworte, Umgebungsbedingungen und vorangegangene Ereignisse unser Gruppendenken beeinflusst wird. Wenn wir auf einem harten Stuhl sitzen, empfinden wir Menschen der anderen Gruppe unangenehmer, als wenn wir unseren Allerwertesten auf einem weichen Sessel positioniert haben. Unsere Vorliebe für Sauberkeit und unsere Angst vor Parasiten werden manchmal zur Manipulation unseres Gruppenverhaltens missbraucht. SAPOLSKY meint: „Traue niemandem, der die Anderen als Ratten oder Schaben bezeichnet!“.

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Warum ist Erdogans Hass so erfolgreich?

Er baut Feindbilder auf, die ihm nützen: Präsident Erdogan Quelle: AP
Der türkische Präsident schafft es, mit seinem ultranationalistischen Kurs sogar säkular eingestellte Türken zu gewinnen. Der Westen hat bisher keine Antwort darauf gefunden.

Von Zafer Senocak | DIE WELT

Im Jahr 1945 veröffentlichte der Philosoph Karl Popper sein epochemachendes Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. Dieses Buch hat das Denken der freiheitlichen Gesellschaften geprägt und diesen während des Kalten Krieges Orientierung gegeben.

Heute müsste es wiederentdeckt werden. Denn wir sind gerade Zeugen der Gründung einer Internationale, die man als ein Bündnis der Feinde der offenen Gesellschaft bezeichnen kann. Dieses Bündnis reicht inzwischen von China bis nach Europa hinein und bedroht global den Frieden und die Sicherheit.

Ihre giftige Wirkung aber entfaltet diese Bewegung in Ländern, in denen die Demokratie nicht gefestigt ist, wie zum Beispiel in der Türkei, aber auch in Teilen Osteuropas. Ankara ist inzwischen zu einem Symbol der Wiederkehr längst überwunden geglaubter Denkmuster geworden, die nicht mehr nur den Frieden in der Türkei selbst bedrohen.

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«Muslime werden oft nicht angesprochen»

Der Psychologe Ahmad Mansour zählt zu den profiliertesten Islamismus-Experten in Deutschland. | Bild: Heike Steinweg

Für Ahmad Mansour stehen vor allem die Schulen in der Pflicht, wenn es um die Prävention von religiöser Radikalisierung und Antisemitismus geht. Die Politik habe die Dimension der Integrationsaufgabe noch nicht verstanden, sagt der Psychologe.

Interview Isabelle Daniel | Luzerner Zeitung

Familiennachzug, Alterskontrollen bei Flüchtlingen, muslimischer Antisemitismus: In den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Union spielten Einwanderung und Integration eine grosse Rolle. Gehen die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag in die richtige Richtung?

Nein, absolut nicht. Die Massnahmen, die im Koalitionsvertrag genannt werden, sind viel zu allgemein formuliert. Ich habe viele wohlgemeinte Worte, aber keine konkreten Massnahmen im Koalitionsvertrag finden können.

Was fehlt aus Ihrer Sicht?

Es fehlt eine zentrale Strategie, schon mit Blick auf die Definition von Integration: Wann ist jemand eigentlich integriert? Wie vermitteln wir Werte? Wie gehen wir mit Menschen um, die in unserem Land leben, aber unsere Werte und Gesetze nicht akzeptieren? Wie erreichen wir, dass Menschen ihre antisemitische Einstellung aufgeben? Dass auf diese Fragen Antworten fehlen, zeigt, dass die Unterzeichner des Koalitionsvertrags die Dimension dieser Aufgabe noch nicht richtig verstanden haben.

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Das Lachen der Mutter des Mörders

Was vom Haus der Jarrars übrig geblieben ist. Israelische Sondereinheiten zerstörten es Mitte Januar. (Bild: Ulrich Schmid)
Ahmed Jarrar hat einen jüdischen Siedler umgebracht. Daraufhin haben die Israeli ihn getötet und etliche Häuser seines Clans zerstört. Ein Besuch bei der Mutter des Täters.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Ahmed Jarrar, 22, war ein vergnügter junger Mann. Er lebte ein unauffälliges Leben, ging gerne aus mit seinen Freunden, interessierte sich für Kleider und Mode und verstand sich gut mit seinen drei Geschwistern. Vor allem seine jüngere Schwester Gina mochte er. Am 9. Januar erschoss er auf der Hauptstrasse 60 aus einem Auto heraus, das sein Cousin steuerte, den 35-jährigen Rabbi Raziel Shevach, der in der Siedlung Havat Gilad bei Nablus gewohnt hatte. Sofort leiteten die Israeli eine Grossfahndung ein. Am 17. Januar umstellten sie das Haus der Jarrars in Jenin und töteten seinen Cousin. Ahmed konnte fliehen. Drei Wochen lang zog er von Dorf zu Dorf. Am 6. Februar wurde er bei einem Raid in al-Yamun bei Jenin erschossen.

Wiedersehen im Himmel

An diesem 6. Februar wurde Ahmeds Mutter, Khitam Jarrar, 47 Jahre alt. Wir treffen sie in Jenin, im Hause ihrer Schwägerin. Khitam Jarrar trägt ein dunkles Trauerkleid mit grünem Schleier, sie lächelt oft und fast immer, wenn sie von Ahmed erzählt. Manchmal, wenn sie sich an seine Streiche oder Essensvorlieben erinnert, lacht sie in der innigen, träumerisch-liebenden Art von Müttern vor sich hin. Ja, so einer war er. Ein Geschenk Gottes. Wie kann sie lachen, so kurz nach dem Tod des Sohnes? «Ich habe es noch nicht begriffen. Er ist noch da. Aber ich weiss, dass es kommt.»

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Alkohol: Regelmäßiges Trinken erhöht Demenz-Risiko enorm

foto: getty images/istockphoto Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht auch das Risiko, an Bluthochdruck, Diabetes, Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz zu erkranken.
Französischen Forschern zufolge sind 39 Prozent aller Demenzerkrankungen auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen

derStandard.at

Regelmäßiger starker Alkoholkonsum ist laut französischen Wissenschaftern ein entscheidender Faktor bei allen Formen der Demenz, insbesondere bei frühzeitigem Gedächtnisverlust. Die Ergebnisse der landesweiten Beobachtungsstudie, die von 2008 bis 2013 lief, wurden nun im Fachmagazin „The Lancet Public Health“ veröffentlicht.

Für die Studie wurden Daten aus französischen Krankenhäusern verwendet, insgesamt konnten so 57.000 Personen mit Hirnschäden, vaskulärer Demenz oder anderen Demenzerkrankungen (einschließlich Alzheimer) – verursacht durch übermäßigen Alkoholkonsum – in die Untersuchung eingeschlossen werden.

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Kulturstaatsministerin Grütters warnt vor Entchristlichung der Gesellschaft

Monika Grütters (2009). Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 de – Christof Rieken

Monika Grütters hat vor einer Entchristlichung der deutschen Gesellschaft gewarnt. Mit einer strikten religiösen Neutralität lege man die „Axt an ihre Wurzeln“, so die Kulturstaatsminsterin am Freitagabend in Hamburg.

DOMRADIO.DE

„Eine strikte religiöse Neutralität des Staates und eine Privatisierung der Religion fördert nicht Toleranz und Weltoffenheit der Gesellschaft. Im Gegenteil: So legt man die Axt an ihre Wurzeln“, sagte CDU-Politikerin Grütters am Freitagabend in der Hamburger Petrikirche.

Christentum präge Kultur der Verständigung

Grütters verwies auf ein Dilemma bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Religion: „Wo sie im öffentlichen Leben Präsenz zeigt, gelten Weltoffenheit und Toleranz häufig als gefährdet. Wo sie aber aus dem öffentlichen Leben verschwindet, ertönt das Klagelied vom Untergang des Abendlandes.“

Sie plädierte für eine Gesellschaft, die sich zu ihren christlichen Wurzeln und ihrer Identität bekennt. Gerade dadurch könne man dem Fremden Raum geben, ohne sich bedroht zu fühlen: „Unsere vom Christentum geprägte Geschichte, trägt und prägt auch unsere Kultur der Verständigung.“

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Das Universum ist flach

Expansion des Universums und Entwicklungsstadien als Modell (Bild: NASA / WMAP Science Team, Public Domain)
In den letzten Jahrzehnten haben Astronomen intensiv geprüft, ob wir in einem Universum leben, in dem sich die Lichtstrahlen geradeaus bzw. entlang einer Kurve fortsetzen. Auskunft darüber beantwortet die Frage nach der Geometrie des Universums – im großen Maßstab

Raúl Rojas | TELEPOLIS

In der Schule lernen wir euklidische Geometrie. Mit Hilfe von Zirkel und Lineal zeichnen wir Dreiecke und ziehen Parallellinien. Zwei Geraden, die parallel zueinander sind, treffen sich niemals, auch wenn wir sie bis ins Unendliche ziehen würden. Das ist die intuitive Geometrie, die von den Griechen bereits vor mehr als zwei Jahrtausenden formalisiert wurde.

Wenn wir jedoch über das ganze Universum nachdenken, ist es nicht von vornherein klar, dass unsere abstrakte Vorstellung des Raumes auch der echten Physik des Kosmos entspricht. Wären wir kleine zweidimensionale Lebewesen, die auf der Oberfläche einer sehr großen Kugel leben, würden wir den Raum rundherum als flach empfinden. Im kleinen Maßstab, d.h. lokal, wirkt die Geometrie des Raumes für uns euklidisch, obwohl diese zweidimensionale Welt im großen Maßstab eigentlich sphärisch wäre. Deswegen ist die Erde in fast allen alten Religionen flach. Nicht einmal die Krümmung der Erdoberfläche war für primitive Kulturen vorstellbar.

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Erdogan fragt weinendes Kind, ob es Märtyrer werden will

Recep Tayyip Erdogan während seiner Ansprache bei einem Kongress der türkischen Regierungspartei AKP am Samstag neben einem Mädchen in Militäruniform Quelle: pa/Murat Cetinmu/Pool Presidential Press Service/Murat Cetinmuhurdar
Kein Mitleid: Präsident Erdogan hat bei einer Rede ein Kind in Uniform und Tränen in den Augen getadelt, Soldaten würden nicht weinen. Die Türkei rief andere Regierungen auf, den syrischen Angriffen auf Ost-Ghuta Einhalt zu gebieten.

DIE WELT

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat während einer Rede auf einem Kongress seiner Partei AKP in Kahramanmaras ein Mädchen in Soldatenuniform auf die Bühne geholt und es gefragt, ob es Märtyrer werden will. Darüber berichten die regierungskritische türkische Zeitung „Cumhuriyet“ und die Nachrichtenplattform Haberdar.

Dem Kind, dem wohl vor Aufregung die Tränen gekommen waren, erklärte er: Soldaten weinen nicht. „Wenn du fällst, werden wir dich mit einer Fahne zudecken, bereit für alles, richtig?“, sagte Erdogan.

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Ecuador wirft Grossbritannien vor, den Fall Assange zu blockieren

Julian Assange (wikipedia)

Die britische Regierung hat nach Angaben von Ecuador ein Verhandlungsangebot zur Lösung des Falls des Wikileaks-Gründers Julian Assange abgelehnt. Assange sitzt seit fast sechs Jahren im ecuadorianischen Botschaftsasyl in London fest.

Neue Zürcher Zeitung

Er befürchtet, nach Verlassen des Gebäudes festgenommen und an die USA ausgeliefert zu werden, die in ihm einen Verräter sehen.

Für eine Verhandlung brauche es zwei Parteien, sagte die ecuadorianische Aussenministerin María Fernanda Espinosa am Freitagabend (Ortszeit) in Quito. «Ecuador war gewillt, die andere Seite nicht unbedingt.» Ihre Regierung werde Assange weiterhin Schutz gewähren.

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So drangsaliert Polens Regierung die Justiz

Gegen die Justizreform der Regierung wird in Polen immer wieder protestiert. Hier eine Kundgebung in Warschau im Dezember. (Foto: AFP)
Beobachter bescheinigen dem Land inzwischen einen Rückfall in die Zeit der Sowjetjustiz. Immer mehr Richter machen die Erfahrung: Wer sich gegen die Regierung stellt, wird kurzerhand gefeuert. Manchmal einfach per Fax.

Von Florian Hassel | Süddeutsche Zeitung

Ende November reiste die Richterin Beata Morawiec ins Golfsultanat Oman. Mitten im Urlaub las sie eine E-Mail von einer Kollegin aus ihrer Heimatstadt Krakau. „Beata – du bist entlassen“, stand darin. Polens Justizminister hatte Morawiec, Präsidentin des Krakauer Bezirksgerichts, per Fax und ohne Angabe von Gründen mit sofortiger Wirkung gefeuert. Und ihre beiden Stellvertreter gleich mit.

Mit ihrer Erfahrung ist Morawiec nicht allein: In den vergangenen Monaten hat Polens Justizminister Zbigniew Ziobro Dutzende Gerichtspräsidenten oder deren Stellvertreter entlassen. Viele dieser Richter waren für richterliche Unabhängigkeit aufgetreten – und hatten sich gegen Gesetze gewandt, die Experten zufolge polnischer Verfassung, EU-Recht und internationalen Rechtsgrundsätzen  widersprechen.

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Kosmische Expansion bleibt rätselhaft

Wie schnell sich das Universum ausdehnt, ist noch immer strittig. Eine neue Messung bestätigt die Diskrepanzen für die Hubble-Konstante. © NASA/ ESA, A. Riess (STScI/JHU)
Das Rätsel vertieft sich: Astronomen haben die bisher genaueste Messung der kosmischen Expansion durchgeführt – und erneut Diskrepanzen gefunden. Die neuen Werte bestätigen, dass sich das Universum schneller ausdehnt als aus der kosmischen Hintergrundstrahlung ermittelt. Das könnte darauf hindeuten, dass es im Kosmos bisher noch unbekannte Teilchen oder physikalische Prozesse gibt, die die heutige Expansion vorantreiben, so die Forscher im Fachmagazin „Astrophysical Journal“.

scinexx

Unser Universum dehnt sich aus und diese Expansion hat sich in den letzten Milliarden Jahren noch beschleunigt – wahrscheinlich durch den Einfluss der Dunklen Energie. Doch das genaue Tempo der kosmischen Ausdehnung – und damit der Wert der Hubble-Konstante – gibt Astronomen seit Jahren Rätsel auf.

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Wenn die „deutsche Oma“ gegen Arme ohne deutschen Pass ausgespielt wird

Bild: webandi / CC0 Creative Commons
Niemand soll auf Essenstafeln angewiesen sein, nicht der Mann aus Osteuropa, nicht das Kind aus Syrien und nicht die deutsche Oma. Ein Kommentar

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

In den letzen Tagen steht die Essener Tafel verstärkt im öffentlichen Interesse. Es geht um folgenden Passus:

Da Aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahre, der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75% angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen, um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen.

Essener Tafel

Unter der Schlagzeile „Hilfe nur für Deutsche“ kritisierten viele Medien diesen Aufnahmestopp für Nicht-Deutsche, die in der Erklärung der Essener Tafel korrekt als ausländische Mitbürger, bei vielen Kritikern aber fälschlicherweise oft als Migranten bezeichnet werden.

Dabei handelt es sich bei den nun Abgewiesenen oft um EU-Bürger aus osteuropäischen Ländern, die einfach ihr Recht auf Freizügigkeit im EU-Raum wahrnehmen.

Die Regelung, nur noch Menschen mit deutschem Pass aufzunehmen, ist übrigens schon 4 Wochen alt. Die zeitverzögerte Empörung setzte ein, nachdem eine Zeitung die Regelung aufgegriffen hat. Es folgte die übliche Kritik, dass es sich um Rassismus handelte und dass Arme gegen Arme ausgespielt werden.

Der Leiter der Essener Tafel Jörg Sator wies natürlich den Rassismusvorwurf zurück und begründete gegenüber der WAZ den Stopp für Menschen ohne deutschen Pass so:

Der Verein habe sich dazu gezwungen gesehen, weil Flüchtlinge und Zuwanderer zwischenzeitlich 75 Prozent der insgesamt 6000 Nutzer ausmachten, erklärt der Vorsitzende Jörg Sartor. „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt.“

WAZ

Nun beschreibt der Tafelleiter hier durchaus zutreffend die Folgen einer Austeritätspolitik, die Kapitalisten den roten Teppich auslegt und mit der Politik der Agenda 2010 zur Verarmung großer Bevölkerungsteile vorangetrieben hat. Die Versorgung durch die Tafeln war da schon eingepreist. Durch die im Interesse der Wirtschaftsverbände durchgesetzte Schuldenbremse werden die letzten Reste des Sozialstaats demontiert.

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Die SPD-Spitze wird mit Heilserwartungen überfrachtet

Die designierte SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles spricht bei der SPD-Regionalkonferenz mit Parteimitgliedern.Foto: Foto: Arne Dedert/dpa
Die SPD-Basis vertraut ihrer Parteiführung nicht. Das hört sich manchmal fast an wie bei der AfD.

Von Hans Monath | DER TAGESSPIEGEL

Als ein „Fest der Demokratie“ feiern wichtige SPD-Politiker den Mitgliederentscheid über den Eintritt in eine große Koalition, dessen Ergebnis am kommenden Sonntag feststehen soll. Es ist verständlich, dass verunsicherte Sozialdemokraten nach Gründen suchen, warum sie trotz niederschmetternder Umfragewerte noch stolz auf ihre Partei sein können. Das Vorgehen ist auch rechtlich in Ordnung. Doch die Legitimationsverfahren der anderen Parteien für die große Koalition (CDU: Parteitagsvotum, CSU: Vorstandsbeschluss) sind bei Licht betrachtet keinesfalls undemokratischer.

Was im Willy-Brandt-Haus als vorbildliche Auseinandersetzung gepriesen wird, hat seinen Preis: Das Absacken in Umfragen ist auch dadurch erklärbar, dass offener Streit über Wochen hinweg viele Wähler abschreckt. Wissenschaftler haben errechnet, dass sich die SPD trotz ihrer mageren 20 Prozent Wählerstimmen im Koalitionsvertrag zu 70 Prozent durchgesetzt hat. Wer als Partei seine eigene Leistung trotzdem schlechtredet, kann niemanden von der eigenen Politik überzeugen.

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Ägypten: Deutsche Archäologen entdecken antike Totenstadt

Die Archäologen präsentieren ihre Funde in al-Minya Quelle: REUTERS
Spektakulärer Fund: In der Stadt al-Minya hat ein Team von Archäologen eine antike Totenstadt entdeckt. „Das ist erst der Anfang“, erklärte der ägyptische Antikenminister Chaled al-Enani.

DIE WELT

Deutsche und ägyptische Archäologen haben am Nil eine antike Totenstadt mit Dutzenden Sarkophagen und Kunstschätzen entdeckt. Die in der Stadt al-Minya in Ägypten gefundene, über 2500 Jahre alte Nekropole enthalte 40 Steinsärge, etwa 1000 Statuen und eine Goldmaske, sagte Antikenminister Chaled al-Enani am Samstag am Ausgrabungsort. Zudem seien Keramik, Schmuck und andere antike Gegenstände gefunden worden.

Die Ausgrabungen begannen laut dem Ministerium im vergangenen Jahr und wurden von Forscherteams aus München und Hildesheim unterstützt. „Das ist erst der Anfang einer neuen Entdeckung und ich glaube, wir brauchen mindestens fünf Jahre, um die Arbeit an der Nekropole zu beenden“, erklärte al-Enani. Die Funde würden wichtige Einblicke in das Leben der alten Ägypter geben.

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Post aus der Todeszelle

Jeder hat eine zweite Chance verdient, sagt Jana Scheer, zumindest die Chance auf eine Freundschaft. (Foto: Stephan Rumpf)
Die Münchner Ärztin Jana Scheer bekommt seit vier Jahren Botschaften aus dem Hochsicherheitstrakt eines texanischen Gefängnisses. Ihr Brieffreund ist ein Mörder und Vergewaltiger.

Von Julia Huber | Süddeutsche Zeitung

Als Jana Scheer den ersten Brief von Henry Carter liest, schluckt sie erst einmal. „Ich will, dass du mir eine Sache versprichst“, steht da. „Dass du niemals aufhörst, mir zu schreiben, ohne zu sagen, warum.“ Kleine Kuli-Druckbuchstaben auf dünnem Papier. Geschrieben von einem Mann, den Scheer noch nie gesehen hat. Henry Carter heißt eigentlich anders. Er hat Dinge getan, auf die er nicht stolz ist. Er ist ein Mörder und Vergewaltiger. Und nun sitzt er dafür in einer texanischen Todeszelle. Sein Satz katapultiert ihr Kennenlern-Geplänkel in die Ernsthaftigkeit. Carter pfeift auf Smalltalk. Er will sich absichern. Scheer nimmt einen Stift und schreibt zurück: „Ich versprech’s dir.“

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Turkey: US embassy Jerusalem opening in May damages peace, tramples on law

A picture shows the exterior of the US embassy in Tel Aviv on December 6, 2017. (AFP PHOTO / JACK GUEZ)
Ankara’s criticism comes after State Department confirms embassy will move to Jerusalem to coincide with Israel’s 70th birthday

By AFP and TOI staff | The Times of Israel

Turkey on Saturday described as “extremely worrying” the US push to open its embassy in Jerusalem this May to coincide with the 70th anniversary of the founding of Israel.

Friday’s announcement by Washington to move the embassy from Tel Aviv to Jerusalem follows US President Donald Trump’s recognition of Jerusalem as Israel’s capital in December.

“This decision shows the US administration’s insistence on damaging the grounds for peace by trampling over international law, resolutions of United Nations Security Council on Jerusalem,” the Turkish foreign ministry said in a statement.

“Turkey will continue its effort to protect the legitimate rights of the Palestinian public… against this extremely worrying decision by the US,” the ministry added.

Ankara said the decision showed the US does not hear, “and worse still, does not care about the voice of the international community’s conscience”.

US officials said Congress was being notified of the impending move on Friday. Secretary of State Rex Tillerson signed off on the security plan for the new embassy on Thursday.

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